Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie viel Geld Sie Ihre Formulare kosten?

Egal ob es sich um Lead-Generierungen, Neukunden-Anmeldungen oder Bestellprozesse handelt. Online-Formulare begegnen den Usern überall auf ihrer virtuellen Reise und kosten den Betreibern meist eine Menge Geld.

Die häufigsten Aussagen in Nutzertests sind:

  • „Das ist viel zu kompliziert und hässlich!“
  • „Warum muss ich das hier alles angeben?“
  • „Das funktioniert ja gar nicht!“

Aus Sicht der Website-Betreiber sind das natürlich nicht die Antworten, die man gerne hören möchte.
Aber machen Sie den Selbsttest. Hangeln Sie sich durch Ihre eigenen Formulare und versuchen Sie dabei nicht einen der genannten Sätze zu verwenden.
Tipp: Sie müssen dabei natürlich ehrlich zu sich selbst sein ;-).

Wenn Ihnen bei diesem Selbsttest keine Bedenken kommen, können Sie jetzt beruhigt aufhören diesen Artikel zu lesen. Andernfalls möchte ich in den folgenden Zeilen auf die Probleme eingehen, die sich bei Formularen ergeben und wie Sie diese vermeiden können.

„Das ist viel zu kompliziert und hässlich!“

Der einfachste Weg, die eigenen Formulare zu verbessern, ist das Layout zu optimieren.
Ganz nach dem Motto: Der erste Eindruck zählt!

Der sogenannte Priming-Effekt fällt in den ersten Sekunden unserer Wahrnehmung ein Urteil , welches wir  dann nur noch schwer revidieren können.

Ein Formular, das nicht Lust auf mehr macht.

Ein Formular, das nicht Lust auf Mehr macht.

„Wie kann diesem Eindruck nun entgegengewirkt werden?“

Um die „gefühlte“ Komplexität eines Formulars zu reduzieren, hilft es bereits dem ganzen Formular mehr Platz zu geben - auch wenn die Seite dadurch länger werden sollte. Wir konnten in vielen Labs feststellen, dass Formulare, die leicht und einfach wirken, sich keineswegs negativ auf die Conversion Rate auswirken.

Dabei schaffen Frei- und Weißraum eine wahrgenommene Leichtigkeit. Diese wird zudem durch das Vergrößern der Eingabefelder unterstützt.
Auch der Kontrast bei den Eingabefeldern sollte möglichst hoch sein, um eine maximale Lesbarkeit zu gewährleisten. Um diese nun noch möglichst harmonisch wirken zu lassen, können die scharfen Ecken einfach abgerundet werden.

Aber nicht nur die Eingabefelder spielen bei der Leichtigkeit eines Formulars eine Rolle, sondern auch die dazugehörigen Bezeichner. Ein großer Abstand des Feldbezeichners zu dessen Eingabefeld führt schnell zum Verlust der Orientierung. Aus diesem Grund ist eine gute Lösung, die Bezeichner einfach über die Felder zu schreiben, denn dadurch wird die Zugehörigkeit eindeutig und das ganze Formular wird schmaler.

Viele Websites schreiben die Bezeichnungen auch direkt in das Formularfeld. Diese Vorgehensweise ist mit Vorsicht zu genießen, denn dadurch kann es auch schnell zum Orientierungsverlust kommen. Zum Beispiel wenn Nutzer eine Angabe ins falsche Feld schreiben oder automatisch mit Tab weiter springen. Meist ist die Bezeichnung mit Klick in ein Feld schon überschrieben.

Einfachheit und Leichtigkeit spielen nicht nur optisch eine Rolle, sondern auch im Kopf des Nutzers. So sollten der Aufbau eines Formulars und die Reihenfolge der abgefragten Angaben gelernten Gedankenmodellen folgen. Sobald sich ein Nutzer mit den zu tätigenden Angaben auseinandersetzt, löst dies gleichzeitig Fragen bei ihm aus. Deshalb ist es wichtig auch bei der Abfrage der Angaben den kognitiven Aufwand des Nutzers möglichst gering zu halten.

Gegenüberstellung zweier Formulare

Variante A zeigt den viel zu häufig anzutreffenden Fall, Variante B zeigt, wie ein Formular mit leichten Änderungen optimiert werden könnte.

„Warum muss ich das hier alles angeben?“

Wie bereits erwähnt, füllen die Nutzer nicht einfach gedankenlos Ihre Formulare aus. Sie wollen immer eine Begründung geliefert bekommen, warum sie diese Angaben machen müssen (Reason-Why) und welchen Nutzen sie daraus ziehen (Value Proposition).

  • Reason-Why
    Menschen möchten für ihre Handlungen eine Begründung haben. Daraus folgt, dass einer Bitte, in diesem Fall ein Formular auszufüllen, eher Folge geleistet wird, wenn diese begründet ist. Dabei spielt der Grund selbst weniger eine Rolle - wichtiger ist, dass überhaupt eine Begründung geliefert wird. Dies wurde bereits in einer Reihe von Experimenten nachgewiesen.
  • Value Proposition
    Wenn nun die Frage geklärt ist, wozu ein Formular auszufüllen ist, stellt sich die Frage:„Bringt mir das etwas und ist es mir diesen Aufwand wert?“

    Diese Frage kann bereits mit der Begründung, warum das Formular auszufüllen ist beantwortet werden.
    Zum Beispiel bei Versicherungen: Wir benötigen Ihre Daten, um Ihnen ein persönliches Angebot zu unterbreiten, und mit Abschluss dieses Angebotes erhalten Sie sofortigen Versicherungsschutz.

    Oder man stellt dem Nutzer einen zusätzlichen Mehrwert in Aussicht. Dies könnte zum Beispiel ein kostenloses E-Book sein, oder ein Vorabzugriff auf exklusive Inhalte oder der neuen Mode-Kollektion. An dieser Stelle sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Im Gegenteil: Es kostet meist Einiges an Überlegungen, um einen wirklichen Nutzen für seine User zu finden.

„Das funktioniert ja gar nicht!“

Ein oft vernachlässigtes, aber sehr wichtiges Thema bei Formularen ist deren Funktionalität und Verhalten bei Fehleingaben. Die größten Mühen, die in die ersten beiden Punkte gesteckt wurden, können durch frustrierendes Fehlerverhalten eines Formulars in wenigen Sekunden vernichtet werden. Somit ist das Fehlermanagement ein integraler Bestandteil bei der Formular-Optimierung.
Ich möchte Ihnen hier die wichtigsten Punkte zusammenfassen. Bei größerem Interesse finden Sie unter Achtung, Sackgasse! Wie Fehlermeldungen Ihre Conversion Rate skalpieren ein detailliertes Vorgehen bei Fehlermeldungen.

  1. Markieren Sie deutlich wo sich der Fehler ergeben hat, aber seien Sie dabei vorsichtig mit der Farbe Rot.
  2. Bleiben Sie bei der Formulierung Ihrer Fehlermeldungen auf dem Sprachniveau Ihrer Kunden. Nicht alle Menschen sind IT-Nerds ;-).
  3. Zeigen Sie dem Nutzer deutlich, dass er nicht die Schuld an der Fehlerursache trägt, sondern nehmen Sie die Schuld auf sich.
  4. Nennen Sie die Fehlerursache, warum dieser Fehler aufgetreten ist.
  5. Zeigen Sie Ihren Nutzern eine ganz klare Lösung, um den Fehler zu beheben.

Fazit:

Formulare entfalten ihr volles Potential nur dann, wenn man sich auch ein paar Gedanken dazu macht. Einfach 08/15 CMS-Formulare, die dem Nutzer lieblos entgegen schlagen, auf seiner Website zu präsentieren, wird Ihnen keinen großen Erfolg bringen.
Mit ein paar kleinen Optimierungen können Sie jedoch schnell Erfolge erzielen und Ihre Nutzer werden es Ihnen danken. Dabei sei nicht zu vergessen, dass jedes brachliegende Optimierungspotenzial echte Kosten für ein Unternehmen sind.

Weiterführende Links:

Antizipation der Conversion
Priming

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  • http://www.konversionskraft.de/?p=17273
Danny Nauth Als Senior Conversion Architect setzt sich Danny Nauth mit der Optimierung von Websites und Shop-Systemen auseinander. Neben der strategischen Planung und Konzeption dieser Optimierungen, beschäftigt er sich ebenfalls intensiv mit den psychologischen Aspekten des Neuromarketings, die er in seine tägliche Arbeit integriert. Folgen Sie im auf Twitter oder vernetzen Sie sich auf Xing.

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12 Reaktionen auf  “Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie viel Geld Sie Ihre Formulare kosten?”

Kommentare

  1. Frank W. Demann Frank W. Demann

    Ich habe jetzt einigen Leuten die Formulare gezeigt. Alle waren sich einig, dass das linke Formular A übersichtlicher und einfacher aussieht. Und vor allem nach „weniger“. Sieht man ja auch am Platzbedarf der beiden Formulare. 😉

  2. Frank Frank

    Fehler in denen Eingaben wiederholt werden müssen lasse ich erst nach einer Eingabe anzeigen. Das zeigt mit dem ersten Blick den regulären Umfang des Formulares.

    Auf dieser Seite stört mich, dass die Eingabefelder kaum vom Hintergrund zu trennen sind. Mit dem Platzhalter Attribut kann man sich zudem bei Feldern wie dem Namen, EMail oder Passwort die Beschriftung sparen.

  3. Timo Timo

    Man sollte sich auch immer gut überlegen, welche Daten man erhebt. Zum Beispiel ein Geburtsdatum für die Newsletteranmeldung schreckt wieder viele Leute ab.

  4. Bernd Bernd

    Ich denke auch dass Formular A besser ist als B; danke Frank für Deine Bestätigung mit Deiner nicht-repräsentativen Umfrage.
    Als weiteren Tipp möchte ich noch anmerken, bei komplizierteren Formularen (wie eben für z.B. ein Versicherungsangebot notwendig) diese auf mehrere Seiten aufzuteilen und mit den einfachsten und am wenigsten persönlichen Fragen zu beginnen.

  5. peter walter peter walter

    Ich stimme Bernd und Frank zu. Formular B stellt keine Verbesserung dar.
    Entweder man platziert die Texte über oder im Feld. Aber sowohl als auch hat zur Folge, dass der User das Doppelte an Text sieht und ggf. liest. Das Formular wirkt länger, das Ausfüllen dauert länger und die Lead Conversion Rate wird wohl kaum steigen…

  6. Claudia Claudia

    Finde B jetzt auch nicht so gut gelöst. Aber generell hast du Recht: Man sollte sich – wenn möglich – wirklich auf das Nötigste beschränken. Leider ist es nicht immer leicht, das dem Kunden klar zu machen 🙁

    Die Funktionalität sollte man regelmäßig mal testen. Oft fallen einem beim Durchsehen des Formulars dann auch noch Dinge auf, die man in Bezug auf die Usability übersehen hat bzw. noch verbessern kann.

  7. Felix Felix

    Mal eine Frage in die Runde: Wurde mal getestet, ob es bei gewissen Anfrageformularen sinnvoll ist, Infos wie Name, Telefonnummer & Emailadresse erst am Ende des Formulars anzufragen?

    Oft wird diese Methode bei Studien benutzt, bei denen der Befragte zwischen 20 und 50 Fragen beantworten muss. Erst ganz am Ende muss er die persönlichen Daten angeben. Damit wird das Ziel verfolgt, den zu Befragenden, nicht gleich mit den „Standardfragen“ zu langweilen. Und wenn er dann eh schon alle Fragen beantwortet hat, ist die Hürde für die persönlichen Daten nicht mehr so hoch („jetzt hab ich es schon alles beantwortet“).

    Meint ihr bei etwas längeren/ausführlicheren Formularen (also keine Kontaktformulare) ist diese Reihenfolge sinnvoll?

    Danke fürs Feedback! 🙂

  8. Manuel Manuel

    Hallo,

    dank für den Beitrag.
    Und bei Kontaktformular, was soll man beachten?

    Gruß aus Bozen!

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