Alle reden vom Sparen – ich auch

Alle reden vom sparen - ich auch.HEY DU – ICH HABE ECHT ALLES; WAS DU  BRAUCHST IM ÜBERFLUSS, WIRKLICH! UND NOCH VIEL MEHR, DU MUSST NUR MAL RICHTIG SCHAUEN; HIER LINKS ZUM BEISPIEL, ODER HIER IN DER MITTE - SCHAU HIN, SCHAU DOCH MAL HIN!


Das lässt sich super lesen, ne? Unheimlich oft fühlt man sich von Websiten in genau dieser Art angeschrieen. Sie sind laut, bunt und springen einem ins Gesicht. Dabei wollen sie doch nur verkaufen. Das will der „Aale-Dieter“ auch. Und der schreit ganz gewiss alle und alles in Grund und Boden.

Doch da gibt es einen Unterschied: „Aale-Dieter“ verkauft Fisch – und zwar nur Fisch. Bei seinem Gebrülle konzentriert man sich auf einen Typ Ware – er versucht nicht noch gleichzeitig Schmuck, einen Toaster und vielleicht noch Unterwäsche an den Mann zu bringen.

Außerdem ist das Marktschreien auf dem Fischmarkt Tradition und dient der Unterhaltung der Menschen.

Die meisten Online-Shops haben dieses Problem immer wieder

Sie haben ein großes Sortiment und wollen dem potenziellen Kunden alles auf einmal anbieten. Damit nicht genug, man möchte ihm auch noch erzählen, wie man herstellt, das alles biologisch angebaut ist, dass Sie gerade Angebote bei DVDs, Büchern und Fischfutter haben und wow – kostenfreier Versand zu Weihnachten auf alles – außer auf Schnürsenkel.

Und das alles auf einer einzigen Seite.

Leider ist diese Methode kontraproduktiv. Der Besucher ist schlichtweg überfordert. Er verliert die Orientierung im Wald der Möglichkeiten und findet sich einfach nicht zurecht. Es gibt Wege, dem Bauchladen-Syndrom entgegen zu wirken, für Klarheit und Orientierung zu sorgen und dem Kunden damit entgegen zu kommen, ohne Laut zu werden.

Das bedeutet in der Praxis aber auch, dass man sich für bestimmte Sachen entscheiden muss und andere weglässt bzw. unterordnet. Und genau das ist meist der schmerzlichste Teil…

Im folgenden ein paar Gedanken, die Ihnen bestimmt helfen werden

Inhaltlich:

Überlegen Sie, welche Elemente gestärkt präsentiert werden sollen, welche schwächer. Hierbei machen durchaus Module Sinn, die mit wechselnden Inhalten gefüllt werden können (Bspw. Container für Angebote).

• Was ist mein primäres Ziel?

• Wo lege ich inhaltlich / Produktbezogen Schwerpunkte, welche ordne ich unter?

• Wie strukturiere ich meine Informationen, ohne dass sie untereinander konkurrieren?

• Wo ordne ich welche Punkte sinnvoll ein (Navigationskonzept)

Optisch:

Hier gibt es einige Methoden, die helfen, Inhalte gut zu verteilen. Eine möchte ich besonders hervorheben, weil sie sich in der Praxis sehr gut bewährt hat: Das Greyscale-Wireframing. Sie zeichnen Ihre geplanten Inhalte in grau Kästen auf Papier. Je nachdem, wie wichtig Ihnen ein Bereich ist, um so dunkler wird das Grau. Durch die verschiedene Graustufen gewichten Sie Ihren geplanten Inhalte – mit dieser Methode erhalten Sie sehr schnell einen Überblick über die Bedeutung und Position Ihrer Inhalte. Es wird sehr schnell klar, an welchen Stellen Sie Streichungen vornehmen oder Verlagerungen einsetzen sollten. Ideal wäre eine Reduktion auf 2-3 starke Elemente.

Ähnliche Anwendung finden Sie im Beitrag Konversion Design Patterns von Manuel Ressel in diesem Blog.

Es gibt Gründe, warum aktuell beispielsweise Entwicklungen von Landingpages oder auch Single-Purpose-Landingpages immer besser voran schreiten und auch deren Einsatz sich häufen. Hier wirkt man ganz massiv dem Bauchladen-Prinzip entgegen und versucht, den User zielgerichtet zu informieren und zu leiten. Im Konzert einer Website oder eines Shops zahlen sowohl Gesamtkonzept als auch Landingpages oder Marketing auf die Gesamtwirkung ein. Man löst mit einer guten Landingpage nicht das eigentliche Problem!

Ich wünsche viel Spass bei Ihren zukünftigen „Sparmaßnahmen“.

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Ronald Grimminger Ronald Grimminger ist strategischer Berater und Head of Conversion Concept bei der Web Arts AG. Er entwickelt Methodiken und Prozesse für Conversion Optimierung bei Online-Portalen und -Shops. Dabei beschäftigt er sich mit Modellen der Kommunikation, Neuromarketing und Konsumpsychologie sowie Verhaltensökonomie und deren Zusammenhang bei der Neukundengewinnung und der langfristigen Kundenbindung.Ronald Grimminger ist Gastddozent an der FH Darmstadt und verfasst zudem Artikel in Fachzeitschriften wie Website-Boosting, iBusiness und Webselling. @RonGrimminger auf twitter /// xing /// linkedIn

3 Reaktionen auf  “Alle reden vom Sparen – ich auch”

Kommentare

  1. hennerm hennerm

    Stimmt! Bei manchen Seiten hat man das Gefühl “Bananen-Matze” vom Fischmarkt hat heute mal wieder die Texte geschrieben ;-)

  2. Klasse, klasse, klasse! Selten so herzhaft gelacht. :)
    Das Problem ist genau auf den Punkt gebracht.

    Gerade auch bei stationären Händlern herrscht die Meinung, alles aus dem Laden auch online stellen zu müsen, weil “wenn mehr drinsteht wird mehr verkauft…”

    Dieses Denkmuster ist veraltet und im heutigen eCommerce nicht durchsetzungsfähig.

    Selbst ein stationärer Händler mit breitem und tiefem Angebot hat sehr viel bessere Chancen damit, Teile seines Sortimentes für den eCommerce auszugliedern und sich online zu spezialisieren.

    Die Marktschreier machen es vor. ;)

  3. Vielen Dank für die Kommentare.
    Mir stellt sich zudem die Frage, wie es dazu kam: In jedem Supermarkt – auch in größeren – bekommt man am Eingang nur bestimmte Angebote oder Aktionen angepriesen, nicht alles auf einmal. Ein sehr cleveres Leitsystem inkl. Abbremszonen tut ihr übriges. Vielleicht sollte man diese Analogie einmal aufgreifen!

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