Spiegeln sucks – ein Plädoyer für flache Gestaltung

Ach, wie sind sie schön, diese realen, 3-d anmutenden Buttons: Die tollen Spiegelungen eines jeden Produktes auf einer imaginären Eisfläche. Selbst einfacher Kartoffelsalat gewinnt auf einer virtuellen Glasplatte ungemein an Eleganz und Würde, oder nicht?

Zugegeben. Am Anfang war auch ich angetan. Wie damals, als der Schlagschatten kam - und plötzlich konnte man ihn ohne Grafik nur mit CSS realisieren - oh wunderbare Stylingwelt. Doch langsam ersteigt in mir das Gefühl, dass ich in die Welt hinaus gehen und laut rufen möchte: Noch ein 3-D-Effekt und ich ... 😉

Nein, die Produkte und der Shop werden dadurch nicht greifbarer.

Das Gegenteil geschieht: Eine schöne Schweizer Uhr auf einem Spiegelteller - das mag vielleicht noch funktionieren.
Aber bspw. ein Schuh? Ein einfacher Sportschuh beispielsweise, der nach dem ersten Tag schon seine Frische eingebüßt hat und zu Hause sicherlich nicht auf einem Glastablett aufbewahrt wird. Nein, das wird unrealistisch.

Werden Elemente mit diesen Effekten geschmückt, mag es bei Buttons noch vertretbar sein. Doch in vielen Shops konkurrieren diese Elemente dann plötzlich mit neuen, die im gleichen Stil ergänzt werden - bis zu Inhalten wie Anzeigen, Störer und so weiter. Das verscheucht die Klarheit und lässt sie in einem dunklen Hinterhof ihr Dasein fristen.

Wir wollen doch authentisch bleiben

Deshalb lobe ich heute ein paar Shops, die bewusst ganz oder zum großen Teil auf 3-D Effekten bei Buttons, im Designs und in der Produktdarstellung verzichten und dabei sehr frisch und klar daher kommen. Bei den gezeigten Beispielen führt gerade der Verzicht auf Spiegeleffekte zu einer subjektiv empfundenen höheren Wertigkeit. Vielleicht ist es schon soweit, dass durch zu viele Effekthaschereien das Gefühl einer Discount-Umgebung entsteht, gerade dann, wenn billigste Preissignale mit vielen knalligen Farben zusammen (oder gegeneinander) spielen. Die hier gezeigten Shopdesigns setzen sich damit von den inflationär verwendeten Spiegel und 3-D Effekthaschereien wohltuend ab.

Nun werden einige sagen: „Aus Sicht der Konversionsoptimierung und dem Willen, eine klare Call-to-Action zu schaffen, brauchen wir starke Kontraste. Und so ein Button mit Verlauf, Glanz und Spiegelung lädt doch direkt dazu ein, darauf zu klicken.“ Das ist natürlich nicht falsch. Denn Fakt ist, dass durch Wölbung und Schatten Aufmerksamkeit erregt wird und ein Button deutlicher als „drückbar“ erscheint. Doch gerade im Konzert der Effekte, Glänzereien und Spiegelungen möchte ich aus Konkurrenzgründen dazu anregen, dagegen zu steuern. Es ist nicht alles Gold, was spiegelt.

In diesem Sinne viel Spass beim Innovieren - oder ist es eher ein Rückbesinnen?

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Ronald Grimminger Ronald Grimmiger beschäftigt er sich mit der Optimierung von digitalen Strategien. Dabei setzt er sich mit Modellen der Kommunikation, Neuromarketing und Konsumpsychologie sowie Verhaltensökonomie und deren Zusammenhang mit Automation von digitalem Marketing auseinander. Zudem ist er als Dozent für Onlinemarketing und Conversion Optimierung an der Hochschule Darmstadt (h_da) tätig.@RonGrimminger auf twitter /// xing /// linkedIn

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10 Reaktionen auf  “Spiegeln sucks – ein Plädoyer für flache Gestaltung”

Kommentare

  1. hennerm hennerm

    Danke! Endlich sagts mal einer!!!

  2. Sven Schlager Sven Schlager

    Sehr richtig! Danke fürs löblich erwähnen! 🙂

  3. Jens Holze Jens Holze

    Lieber Ronald,

    da hätte ich gleich noch eine Geschäftsidee, Wandspiegel die nen Schatten an deinen Füßen erzeugen und dich mit deinen Klamotten gleich bei Ebay Listen 3,2,1 biste weg .. Jens

    twitter.com/bloopark

  4. schadstofffrei schadstofffrei

    Wir verzichten in unserem Shop füd schadstofffreie Produkte von Anfang an auf sämtlichen Schnickschnack. Dazu gehört auch der Verzicht auf „Spiegeln“. Ich meine Spiegeln stellt den Versuch dar auf ein Design aufzuspringen, das zum Beispiel Apple vorgibt; gut kopiert ist aber meist schlecht bis gar nicht innoviert. Und in einen „normalen“/“biederen“ Shop von der Stange wirken gespiegelt Produkte nur noch lächerlich – oder wer will schon seine Mercedes S-Klasse bei ALDI oder Edeka kaufen?

    Als Shop-Analogie dient immer der Laden, in den Sie selbt gerne Ihre Produkte einkaufen möchten: unser Shop soll sauber, übersichtlich, freundlich und unaufdringlich sein, zudem möglichst viel Information bieten. Daran arbeiten wir!

  5. Ronald Grimminger Ronald Grimminger

    Vielen Dank für die Kommentare.
    @Jens: interessante Idee – das könnte gut bei verkleideten Robotern funktionieren, denn Metall glänzt sowieso.

    @schadstofffrei: das ist ein schöner Ansatz. Mal schauen, was passiert, wenn das 3-D Fernsehen die Welt erobert; ob wir dann wieder umdenken müssen?

  6. Martin Labuschin Martin Labuschin

    Link-Geiz sucks 😉
    Warum werden die genannten Online-Shops nicht verlinkt?

  7. Der Meyer Der Meyer

    Danke für das wache Auge. Rechtzeitig den Gegentrend einleiten! ABER leider hätte ich mich bei den gezeigten Beispielen sehr über einen grafisch hervorgehobenen, klaren Call-To-Action gefreut um die Übersichtlichkeit zu erhöhen. Dann gerne auch mit haptischem Eye-Candy.

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  3. […] für einen moderateren Einsatz von Spiegeleffekten und Farbverläufen appelliert und sich für die Rückbesinnung auf eine flachere Gestaltung […]

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