Adwords Killer? Google Instant Search Eyetracking Analyse

Seit dem 9.9.2010 hat Google einen weiteren Versuch unternommen, die Welt ein wenig zu verbessern. Das Suchen mit Google soll jetzt noch schneller sein, man spart wertvolle Sekunden (2-5 sek, Quelle spiegel.de) pro Suchvorgang. Ja, und das summiert sich langfristig – der moderne Mensch wird wieder mehr Zeit für sich haben.

Doch zeitgleich entbrennen Diskussionen: Das Ende von SEM/SEO wird herauf beschworen, die Pest für Suchmaschinenoptimierer wird sich verbreiten. Google selbst befürchtet in nächster Zeit steigende Fluktuation in adwords. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, denn Fakt ist, es wird sich auf jeden Fall etwas ändern. Und alle, die im Thema hängen, werden auf die Neuerungen reagieren müssen. Aber hey – das ist eben das Internet, neue Entwicklungen, neue Chancen; so mögen wir das.

Doch was bedeutet das eigentlich für den User?

Wir wollten das mal genauer sehen und haben einige Probanden kurz über die Neuigkeit informiert und dann vor den Eye-Tracker gesetzt. Bezug nehmend auf einen Artikel auf ibusiness.de haben wir Menschen nach „Pumps“ suchen lassen. Und das abwechselnd auf der neuen bzw. der alten Google-Suchmaske. Uns interessierte, ob die neuen Funktionen Auswirkungen auf den Blickverlauf des Users haben.

In einem ersten Test erhielten wir die folgenden Ergebnisse:

Heatmap google.de - alte Version

Die Heatmap auf der alten Version.

Google - die neue Instant Search

Konzentration der Blicke in der neuen Version

Allem Anschein nach zeigt unsere erste Testreihe, dass erstaunlicherweise die neue Version die Blicke stärker auf das Suchfeld konzentriert und die Anzeigen direkt darunter irgendwie überlesen werden. Interessant ist trotz vorherigem Briefings der Probanden, dass die meisten ihre Suchanfrage immer mit einem beherzten Drücken der Enter-Taste abschlossen;-) Manche sagten sogar, das sie jetzt eigentlich gar nichts Neues bemerkt haben…

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Ronald Grimminger Ronald Grimmiger beschäftigt er sich mit der Optimierung von digitalen Strategien. Dabei setzt er sich mit Modellen der Kommunikation, Neuromarketing und Konsumpsychologie sowie Verhaltensökonomie und deren Zusammenhang mit Automation von digitalem Marketing auseinander. Zudem ist er als Dozent für Onlinemarketing und Conversion Optimierung an der Hochschule Darmstadt (h_da) tätig.@RonGrimminger auf twitter /// xing /// linkedIn

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27 Reaktionen auf  “Adwords Killer? Google Instant Search Eyetracking Analyse”

Kommentare

  1. Christian Bücherl Christian Bücherl

    Ziemlich interessante Ergebnisse. Wie genau sah denn das „kurz über die Neuigkeit informieren“ aus? Habt ihr den gleichen Test auch mal ohne vorherige Information über die Google Instant Neuerungen gemacht?

  2. JK JK

    Könnte man so erklären: Das Verhalten der neuen Suchseite hat sich verändert (Ajax, Suggest). Vor allem das Suchfeld reagiert etwas anders. Beeinflusst durch ihre Erfahrung mit der alten Suchseite, bemerkten die Probanden eine Änderung und haben sich deswegen stärker darauf konzentriert. Nach einer Gewöhnungsphase dürfte sich der Fokus wieder verlagern.

  3. Seoux Seoux

    Das Ende von SEM wird nie kommen. Damit verdient Google doch die ganzen Kröten… und wie läuft das mit der Heatmap da oben.. die Instant Search Results sieht man doch nur als angemeldeter user, nicht von extern, wie in den screenshots.. 😉

  4. Seoux Seoux

    oh korrigiere – der zweite screeny zeigt die loggedin version. klar. ^^

  5. Ronald Grimminger Ronald Grimminger

    @JK: Das ist bestimmt richtig; ein Test in nächster Zukunft wird daraufhin vielleicht andere Ergebnisse bringen.

    @Christian: Wir haben die Probanden auf die „on-the-fly-Änderung“ gebrieft.

  6. Peter Peter

    Zeigt die Heatmap eigentlich den Fokus während der gesamten Texteingabe oder nur die Wahrnehmung nach fertigem Tippen?

    Gerade der sich ständig verändernde Content zieht natürlich (wenn man das Verhalten nicht gewohnt ist) viele Blicke auf sich, weil der Anwender hier aus lauter Neugier das Feedback seiner Eingaben direkt „prüfen“ will/kann.

    Ich vermute für ein vernünftiges Urteil müssen hier erst einige Wochen vergehen, damit man realistische Suchmaschinennutzung statt Spieltrieb als Messgrundlage nutzen kann.

    Ich habe bei mir selbst bemerkt, dass ich dazu neige längere und komplexere Suchbegriffe einzugeben, aber der änfängliche Spieltrieb ist doch schon etwas abgeebbt.

  7. Ronald Grimminger Ronald Grimminger

    Hallo Peter,

    wir haben pro Proband Sequenzen ausgewertet, also Zeiträume. Die Screenshots zeigen die Durchschnittswerte. Überraschenderweise wurden die sofortigen Veränderungen eben nicht von allen deutlich wahrgenommen;-)

  8. Christian Rothe Christian Rothe

    Die neue Google-Funktion ein Adword-Killer? Aus Usability-Sicht mag dies so sein. Spätestens, wenn die Adword-Umsätze einbrechen sollten, wird Google die Funktion wieder rausschmeißen, um seine Cash-Cow nicht zu ruinieren.

  9. André Morys André Morys

    Ich denke, momentan ist das veränderte Blickverhalten stark auf die Umgewöhnung zurück zu führen. Das wird sich ändern, wenn das Feature nach einigen Monaten akzeptiert ist – dann sollten wir das nochmals genauer analysieren.

    Zum Thema Adwords Killer: Ich glaube auch, dass sich das Suchverhalten durch diese Funktion ändern kann und es Verschiebungen geben wird. Zum Killer wird das Feature also vor allem für diejenigen, die stark im Longtail unterwegs sind. Am meisten profitieren wird davon natürlich Google (und der Nutzer, der 2 Sekunden Zeit spart und nun weniger viel eintippt)

  10. Matthias Henrici Matthias Henrici

    Ich denke, das Tipp-Verhalten ist noch entscheidend. Viele haben das 10-Finger System nicht drauf und blicken beim Eintippen eines Suchbegriffs nicht auf das Suchfeld, sondern auf die Tastatur. Daher bemerken sie nicht, dass sich schon beim Eintippen oben im Feld die Ergebnisse ändern. Für diese User ändert sich im Verhalten dann wohl nichts.

  11. Frank Wollweber Frank Wollweber

    Also ich denke mal, dass ihr da noch etwas warten müsst, bevor Ihr da ernsthaft eine neue Heatmap zaubert. Ist doch in der Natur des Menschen, dass er bei der neuen Sache erstmal auf die neue Technologie achtet. Lasst doch erstmal ein paar Wochen ins Land gehen. Worauf die Leute übrigens achten ist nicht das Eingabefeld sondern sind die Ergebnisvorschläge, die darunter angezeigt werden. Wäre auch das, worauf ich zuerst schaue… Was wird mir da geboten? Die Abkehr des Kunden von den Werbungen kann ich persönlich nur begrüßen, denn die hat Google geschickt in letzter Zeit so gestaltet, dass viele User diese gar nicht mehr als solche wahrnehmen, was zur Folge hat, dass die Werbung als bestes Ergebnis herhalten muss, was es ja selten tut. spätestens so werden Google-Rankings nun letztendlich doch käuflich.

  12. carsten carsten

    sehr interessant! vielen dank. interessant wäre es immer wieviele leute an so einem test teilgenommen haben..

  13. Jorin Karner Jorin Karner

    Und wie sieht es da mit Longtail suchen aus? Das ist doch viel interessanter, ein kurzes Suchwort wie „Pumps“ ist zu schnell getippt und die Leute verlagern den Blick weiter runter…

  14. Ronald Grimminger Ronald Grimminger

    @carsten: ca 20 Probanden.
    @Jorin: interessante Frage, vor allem weil ja laut Google 20-25% aller Suchanfragen Keyword Kombinationen sind, welche so nie zuvor gestellt wurden. Auch das wäre einen weiteren Test wert.

  15. Kai Kai

    Habe in einem nicht-repräsentativen Test mit einer 55-jährigen Probandin (meiner Mutter) einen Instant-Test gemacht.
    Das Ergebnis war, dass Sie garnicht wusste, was jetzt eigentlich anders ist.
    Soviel zum durchschnittlichen Nutzer… 😀

  16. jobsuche jobsuche

    Momentan ist Google Instant eher unspannend, da es nur einen kleinen Teil der Suchen betrifft. Erst wenn Google Instant für alle Nutzer Standard wird, dann wird es massive Verschiebungen des Traffik geben. Ob Adwords davon profitiert oder nicht wird sich dann erst zeigen.

  17. DUKE DUKE

    Trotz der interessanten Beiträge der Kollegen. Nachdem Googles Entwicklungsteam wohl der größte Fan der eigenen Daten(erkenntnisse) ist, wird man bestimmt nicht grundlos diese Funktion freigeschaltet haben.

    Frage mich nur, ob der Grund (das Motiv zur Implementierung) bereits jetzt schon monetäre Vorteile für Google bringt oder ob dieses neue Suchfeature momentan nur Vorteile für den Suchenden schafft und Google zu einem späteren Zeitpunkt wieder zum „Gewinner“ wird – bzw. den Gewinn „der geilsten Suchmaschine weltweit“ weiter maximieren kann.

    Das Leben ist eine Suche. 😉

  18. Monika Monika

    Ich habe die letzten Wochen viel mehr Leute bewusst beobachtet, wenn die tippen 😉
    90% von denen sieht während des Tippens nicht auf den Bildschirm, sondern auf die Tasten.

    Solang es nicht zur Schulbildung gehört,dass man Tippen kann, sind diese Studien nicht aussagekräftig für mich 😉

  19. Buccho Buccho

    sehr interessant! vielen dank

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