Von Torsten Hubert | Conversion Analysen | 2 Reaktionen

Studie Giro-Konto Antragsstrecken im Vergleich – Teil 3

Im dritten Teil der Studie zu Giro-Konto Antragsstrecken untersuche ich heute die Antragsstrecken der 1822direkt und der Targobank.

Update: Alle Teile der Studie

Teil 1: Aufbau und Analyse .comdirekt Bank
Teil 2: Analyse INGDiBa & Postbank
Teil 3: Analyse 1822direkt & Targobank
Teil 4: Analyse Commerzbank & DKB + Ranking aller Antragsstrecken

Übersicht Studienaufbau

Aufbau-Studie-neu

Folgende Teile der Studie wurden bereits veröffentlicht:

Hinweis:

Die Screenshots wurden alle zu Beginn der Serie erstellt, um die Vergleichbarkeit und Neutralität der Studie zu gewährleisten. Es kann vorkommen, dass sich die Seiten in der Zwischenzeit geändert haben.

Analyse 1822direkt

Detail-Analyse Antragsstrecke 1822direkt

1822direkt - Übersicht Antragsstrecke

Die Antragsstrecke der 1822direkt startet auf der Detailsseite der Website und geht von dort direkt in die eigentliche Antragsstrecke mit den persönlichen Daten, Kontodaten und der Überprüfenseite.

1. Analyse Landingpage 1822direkt

Die untersuchte Landingpage:

1822direkt - Landingpage

Analyse-Ergebnisse der Landingpage

1822direkt - Analyse Landingpage

Relevanz Landingpage

  • Die Seite besitzt eine klare und motivierende Headline.
  • Im oberen Bereich der Seite werden direkt drei UVPs genannt. Der Fokus der UVPs liegt auf „kostenlos/kostenfrei“
  • Die Preise und Konditionen sind über einen Reiter aufrufbar.

Vertrauen Landingpage

  • Der Anbieter ist klar erkennbar.
  • Eine Telefonnummer für Fragen der Kunden ist im Footer integriert.
  • Hierbei handelt es sich um eine lokale (Frankfurter) Telefonnummer.
  • Die Öffnungszeiten werden dort ebenfalls kommuniziert.

Orientierung Landingpage

  • Die gelbe Call-to-Action hat einen hohen Kontrast und ist sofort erkennbar.
  • „Jetzt Konto eröffnen“ macht klar, welcher Prozess mit dem Klick angestoßen wird.
  • Was den Nutzer als nächstes erwartet – oder wie komplex der Prozess ist – wird jedoch nicht kommuniziert.

Stimulanz Landingpage

  • Auf der rechten Seite ist eine 100-Euro-Gutschrift Aktion integriert.

Sicherheit Landingpage

  • Auf der Seite sind keine Trust-Elemente integriert.

Komfort Landingpage

  • Ein Download von Informationsmaterial ist auf der Landingpage nicht möglich.

Fazit Landingpage

Relevanz

Durch die klare und aktivierende Headline wird dem Nutzer schnell klar um was es auf der Seite geht. Die UVPs im oberen Bereich fangen die wichtigsten Fragen ab. Die Darstellung von Preisen und Konditionen auf dem Reiter macht es schwer, einen wirklichen Überblick über die anfallenden Kosten zu bekommen. Es fehlen klare und eindeutige Preissignale.

Vertrauen

Der Vertrauensvorsprung der Marke Sparkasse wird auf der Seite nicht ausgespielt. Lediglich im Claim des Logos wird klar, dass es sich hierbei um ein Sparkassen-Unternehmen handelt.

Die Integration der Telefonnummer im Footer kann beim Nutzer das Gefühl erzeugen, dass man ungern kontaktiert werden möchte. Gut ist jedoch, dass es sich um eine Frankfurter Telefonnummer handelt und dass die Öffnungszeiten klar kommuniziert sind.

Orientierung

Die Call-to-Action hat einen hohen Kontrast und ist an den relevanten Stellen der Seite integriert. Auch wird durch den Button-Text klar, was als nächstes passiert.

Es würde sich jedoch anbieten, da der Prozess wenige Schritte hat, dies zu kommunizieren und dem Nutzer so einen Vorgeschmack auf die „Einfachheit“ des Prozesses zu geben.

Stimulanz

Die 100-Euro Aktion im rechten Bereich geht grafisch etwas unter. Sie sollte auch im oberen Bereich gespielt werden.

Weiterhin wissen wir aus vielen Tests und Labs, dass Verknappung (hier „Nur bis…“) besser funktioniert, wenn sie begründet werden. D.h.: „Warum gilt die Aktion nur bis zum angegebenen Zeitpunkt?“ Hier gilt es eine Story um die Aktion zu erarbeiten. Sonst besteht die Gefahr, dass es von Nutzern als reiner Verkaufstrick identifiziert werden kann.

Sicherheit

Auf der Seite selbst sind keinerlei Trust-Elemente integriert. Sicher gibt es Testsiegel oder Qualitätssiegel die hier gespielt werden könnten.

Weiterhin sollte überlegt werden, ob die Zugehörigkeit zur Sparkasse stärker kommuniziert werden sollte. Für einige Nutzersegmente kann dies sicher zu einem deutlicheren Sicherheitsgefühl führen.

Komfort

Gerade für Nutzer, die sich nicht sofort entscheiden wollen (können), ist es sinnvoll, einen entsprechenden Download der wichtigsten Argumente für ein Konto bei der 1822direkt zu ermöglichen. Dieser zusätzliche Kontaktpunkt in der Customer-Journey kann den entscheidenden Ausschlag für eine positive Conversion geben.

Allgemein

Alles in allem handelt es sich hier um eine gute Landingpage. Lediglich Details fehlen oder sind nicht wirklich gut umgesetzt. Oft sind es aber genau diese Details, die Nutzer abbrechen lassen.

2. Analyse Antragsstrecke 1822direkt

1822direkt - Analyse Antragsstrecke

Hier erst einmal die einzelnen Seiten im Überblick:

  1. Persönliche Daten

1822direkt - Antragsstrecke Seite 1

Hier kann der Nutzer die typischen persönlichen Daten eintragen und kann wählen, ob er ein Gemeinschaftskonto anlegen möchte.

2. Kontodaten

1822direkt - Antragsstrecke Seite 2

Die Seite Kontodaten beginnt mit drei Vorteilen, dann folgt Kreditkarten-Auswahl, Kontowechsel-Service, Schufa-Auskunft und Vertragsbedingungen.

Analyse-Ergebnisse der Antragsstrecke

Relevanz Antragsstrecke

  • Die Seiten haben alle die gleiche Headline.
  • Es werden sehr wenig Felder angezeigt. Teilweise sind diese optional (2. Telefon oder E-Mail-Adresse).

Vertrauen Antragsstrecke

  • Auf allen Schritten wird eine lokale Telefonnummer angezeigt.
  • Die Öffnungszeiten fehlen jedoch.

Orientierung Antragsstrecke

  • Im Kopf der Seite ist eine klare Prozessbar integriert.
  • Es wird keine Vorschau auf den weiteren Prozess gegeben.
  • Optionale Felder sind mit dem Wort optional gekennzeichnet.
  • Die gelbe Call-to-Action ist klar zu erkennen und hat einen hohen Kontrast.
  • Es sind keine sprechenden Texte auf den Buttons integriert. Der Text lautet in jedem Schritt „weiter“.

Stimulanz Antragsstrecke

  • Hinter jeder Zeile wird mit einen kleinen Häkchen symbolisiert, dass die Eingaben korrekt erfolgt sind.
  • Als weiteres Stimulanz-Element werden die Vorteile auf dem zweiten Schritt angezeigt.

Sicherheit Antragsstrecke

  • Datensicherheit wird nicht explizit kommuniziert.
  • Auf Trust-Elemente wird verzichtet.

Komfort Antragsstrecke

  • Die Seiten der Antragsstrecke wirken sehr übersichtlich und einfach.
  • Mindestanzahl Schritte Antragsstrecke komplett (ab Landingpage bis Danke-Seite): 4
  • Maximalanzahl Schritte Antragsstrecke (ab Landingpage bis Danke-Seite): 4

Fazit Antragsstrecke

Relevanz

Die 1822direkt Antragsstrecke hat leider keine expliziten Headlines pro Seite. Durch die Prozess-Leiste wird dies jedoch nur teilweise vermisst.

Schön ist, dass auf irrelevante Felder verzichtet wird. Lediglich eine zweite Telefonnummer und die E-Mail-Adresse sind optional.

Vertrauen

Die Angabe einer lokalen Frankfurter Telefonnummer ist sehr gut. Auch der Rückruf-Service und der E-Mail Kontakt fallen positiv auf. Leider fehlt die Angabe der Öffnungszeiten der Hotline.

Orientierung

Der Fortschrittsbalken ist klar und einfach aufzunehmen. Leider fehlt auf den Seiten jegliche Information zu den nächsten Schritten oder dem Offline-Prozess.

Die Call-to-Action ist sehr klar auffindbar, leider lässt sie eine sprechende Bezeichnung vermissen. Lediglich das Wort „weiter“ macht dem Nutzer nicht klar, was als nächstes passiert. Besser wäre sicher ein „weiter zu …“.

Stimulanz

Sehr schön ist, dass jede syntaktisch richtige Angabe mit einem grünen Häkchen am Ende der Zeile belohnt wird.

Etwas ungewöhnlich ist es, dass die Vorteile für ein Konto bei der 1822direkt erst auf dem zweiten Schritt angezeigt werden. Dieser Umstand könnte ein schönes Testszenario darstellen.

Sicherheit

Leider wird im gesamten Prozess auf den Einsatz von Trust-Elementen und auf Hinweise zur SSL Verschlüsselung verzichtet. Nutzern ist dies gerade bei der Eingabe persönlicher Daten sehr wichtig.

Komfort

Die Seiten wirken insgesamt sehr übersichtlich und einfach. Der Nutzer hat den Eindruck, dass nur wirklich sinnvolle Daten abgefragt werden.

Dieser Eindruck wird durch die wenigen Schritte im Antragsprozess gestützt.

Allgemein

Alles in allem eine sehr gelungene Antragsstecke. Lediglich die Themen Sicherheit und Orientierung weisen Schwachstellen auf. Diese sollten jedoch recht einfach zu beheben sein.

3. Analyse Überprüfenseite 1822direkt

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Überprüfenseite:

1822direkt - Überprüfenseite

Analyse-Ergebnisse der Überprüfenseite

1822direkt - Analyse Überprüfenseite

Relevanz

  • Auf der Überprüfenseite fehlt eine klare Headline.
  • Es werden alle relevanten Informationen in übersichtlicher Tabellenform angezeigt.

Vertrauen

  • Wie in den vorherigen Schritten wird auch hier eine lokale Telefonnummer angezeigt.
  • Die Öffnungszeiten der Telefonhotline werden nicht angezeigt.

Orientierung

  • Es gibt keine Vorschau auf den Offline-Prozess.
  • Die Call-to-Action ist prominent dargestellt und mit „Antrag absenden“ auch sprechend formuliert.

Stimulanz

  • Auf positives Feedback und sonstige Stimulanz-Elemente wird auf der Überprüfenseite verzichtet.

Sicherheit

  • Auch auf dieser Seite wird Datensicherheit nicht kommuniziert.
  • Auf den Einsatz von Trust-Elementen wird verzichtet.

Komfort

  • Durch die Tabellenform sind die Daten gut aufbereitet und leicht zu überprüfen.
  • Die Eingaben sind nicht direkt editierbar. Der Button „Daten bearbeiten“ führt den Nutzer zurück zur entsprechenden Seite.
  • Eine Drucken-Funktion ist nicht vorhanden.

Fazit Überprüfenseite

Relevanz

Die fehlende Headline der Seite wird aus meiner Sicht durch die sehr gute Aufbereitung der Daten wettgemacht. Jedoch würde sie dem Nutzer einen einfacheren Einstieg in die Seite ermöglichen.

Vertrauen

Wie bereits im ganzen Prozess sind die Kontakt-Möglichkeiten sehr gut integriert. Lediglich die Öffnungszeiten sollten integriert werden.

Orientierung

Die Call-to-Action hat einen hohen Kontrast und ist treffend formuliert. Leider fehlt jegliche Informationen für den Offline-Prozess. Was wird als nächstes passieren?

Stimulanz

Es sind keinerlei Stimulanz-Elemente integriert. Gerade auf der Prüfen-Seite können diese jedoch noch mal den nötigen Drive geben, um den Antrag wirklich abzusenden.

Sicherheit

Auch auf dem letzten Schritt der Antragsstrecke wird auf das Anzeigen von Sicherheitssignalen komplett verzichtet. Vor allem in diesem Schritt ist dies jedoch besonders wichtig. Immerhin werden mit dem Klick auf „Antrag absenden“ die eingegebenen Information „ins Netz“ geschickt.

Komfort

Die Überprüfenseite ist sehr strukturiert aufgebaut. Das macht es einfach, den Inhalt zu erfassen und auf Richtigkeit zu überprüfen. Zwar ist eine entsprechende Ändern-Funktion eingebaut, doch verlinkt diese „nur“ auf die jeweilige Seite. Der Nutzer kann dort seine Daten korrigieren und sich wieder zur Prüfen-Seite durch klicken.

Eine Druckfunktion fehlt auf dieser Seite. Vielen ängstlichen Nutzern ist diese Funktion jedoch sehr wichtig. Gerade wenn es um Bankgeschäfte geht.

Allgemein

Die Überprüfenseite der 1822direkt erfüllt den primären Zweck der Seite sehr gut. Der Nutzer kann die getätigten Eingaben sehr leicht und effizient überprüfen. Lediglich bei den weichen Faktoren besteht Optimierungsbedarf. Aus vielen Tests wissen wir, dass diese weichen Faktoren, wie Vertrauen, Sicherheit und Stimulanz oft den Ausschlag über Erfolg oder Misserfolg einer Antragsstrecke bilden.

Gesamtfazit Antragsstrecke 1822direkt

1822direkt - Fazit Antragsstrecke

Die getestete Antragsstecke hat bereits ein sehr hohes Niveau. Sie ist sehr einfach und der Nutzer muss wenig Eingaben machen, um ans Ziel zu kommen.

Im Bereich Vertrauen sollte man überlegen, ob man die Nähe zur Sparkasse etwas stärker spielt, um auch hier zusätzlich Vertrauen zu geben.

Weiterhin sollte im gesamten Prozess das Thema Sicherheit – durch Siegel und Hinweise auf Datensicherheit, sowie Verschlüsselung – verstärkt werden.

Targobank

Detail-Analyse Antragsstrecke Targobank

Targobank - Übersicht Antragsstrecke

Die Antragsstrecke der Targobank startet auf einer Giro-Konto-Variante (Aktiv-Konto) der normalen Website, vor dort geht es direkt in die Antragsstrecke mit den Seiten

1. Analyse Landingpage Targobank

Die untersuchte Landingpage:

Targobank - Landingpage

Analyse-Ergebnisse der Landingpage

Targobank - Analyse Landingpage

Relevanz Landingpage

  • Die Landingpage hat keine klare Headline.
  • Die dargestellten UVPs sind aussagekräftig.
  • Preise und Konditionen sind auf einer Unterseite einsehbar.

Vertrauen Landingpage

  • Der Anbieter ist klar erkennbar.
  • Es ist eine Telefonnummer integriert.
  • Die Telefonnummer ist keine lokale Nummer (0800).
  • Die Öffnungszeiten der Hotline sind angegeben.

Orientierung Landingpage

  • Die Call-to-Action ist klar erkennbar und mit „Jetzt beantragen“ sinnvoll benannt.
  • Der komplette Prozess hinter dem Reiter „Alles zum Antrag“ ist etwas versteckt.

Stimulanz Landingpage

  • Es werden keine zusätzlichen Kaufstimuli genutzt.

Sicherheit Landingpage

  • Die Seite enthält ein Trust-Element.
  • Das Trust-Element ist sehr wahrscheinlich nicht allgemein anerkannt bzw. bekannt.

Komfort Landingpage

  • Es werden keine Downloads angeboten.

Fazit Landingpage

Relevanz

Ein großes Problem besteht in der Tatsache, dass der Nutzer den gesuchten Begriff „Giro-Konto“ nur noch ganz klein in der Navigation findet. Da die Seite selbst keine relevante Headline hat (Aktiv-Konto), wird so der Einstieg in die Seite sehr erschwert.

Vertrauen

Der Anbieter ist klar erkennbar. Das Visual der Seite nimmt das aus der Werbung bekannte Szenario erneut auf und gibt so Vertrauen, dass man auf der richtigen Seite gelandet ist.

Als Kontaktmöglichkeit ist eine 0800 Telefonnummer mit 24/7 Erreichbarkeit angegeben. Aus vielen Labs wissen wir, dass diese kostenlosen 0800 oft mit kostenpflichtigen und teuren 0900 verwechselt werden. Dies könnte abschreckend wirken.

Orientierung

Die Call-to-Action hat hohen Kontrast und ist klar benannt. Leider ist die Darstellung nicht konsistent. Die CTA im Visual differiert deutlich in der Darstellung und Symbolik.

Sehr schade ist, dass die guten Informationen über den weiteren Prozess hinter dem Punkt „Alles zum Antrag“ und zwei zusätzlichen Klicks versteckt werden.

Stimulanz

Die Seite wirkt wenig stimulierend aus struktureller und grafischer Sicht. Lediglich über das Visual wird versucht, eine gewisse Emotionalität in die Seite zu bringen.

Weitere Kaufstimuli, wie z.B. Incentivierung oder ähnliches werden nicht eingesetzt.

Sicherheit

Als Trust-Element wird ein biallo.de Siegel verwendet. Ohne wirkliche Marktdaten zu haben, gehe ich davon aus, dass das Siegel in der entsprechenden Zielgruppe wenig bis gar nicht bekannt ist.

Durch die etwas „selbstgebaut“ wirkende Darstellung des Siegels wird ebenfalls wenig Sicherheit erzeugt.

Komfort

Für Nutzer die sich erstmal informieren möchten, kann ein Download von Informationen ein wichtiger Zwischenschritt in der Customer-Journey sein. Eventuell wird so der Einstieg in den Prozess zu einem späteren Zeitpunkt leichter gemacht und die Seite bleibt bei guten Unterlagen „im Gedächtnis“.

Allgemein

Die Seite selbst wirkt aufgeräumt, aber sehr kühl und wenig inspirierend. Die wenig passende Headline und der Bruch zwischen UVPs im Header und der eigentlichen Seite erschweren dem Nutzer den Einstieg.

Besonders kritisch sehe ich den Einsatz des wenig bekannten Trust-Elements. Aus Untersuchungen wissen wir, dass ein Trust-Element nur so gut funktioniert, wie es in der Zielgruppe bekannt ist. Wenn dies nicht der Fall ist, kehrt sich die Wirkung häufig ins Gegenteil.

2. Analyse Antragsstrecke Targobank

Targobank - Analyse Antragsstrecke

Hier erst einmal die einzelnen Seiten im Überblick:

  1. Antrag ausfüllen

Targobank - Antragsstrecke Seite 1

Auf dieser Seite kann der Nutzer wählen, ob er eine Wunsch-Kontonummer haben möchte und in welchem Arbeitsverhältnis er steht. Weiterhin werden Informationen zum Arbeitgeber und ob der Antrag von mehreren Antragsteller ausgefüllt werden soll abgefragt.

2. Daten ergänzen

Targobank - Antragsstrecke Seite 2

Auf dieser Seite werden die typischen persönlichen Daten abgefragt. Zusätzlich werden Willenserklärungen und die obligatorische Frage nach der Schufa-Auskunft gestellt.

Analyse-Ergebnisse der Antragsstrecke

Relevanz Antragsstrecke

  • Die Seiten haben jeweils wenig relevante und klare Headlines.
  • Es werden viele Sekundär-Informationen abgefragt. So beispielsweise die Branche in der der Antragsteller beschäftigt ist, oder ob der Arbeitsvertrag mehr als 17 Wochenstunden umfasst.

Vertrauen Antragsstrecke

  • Es ist keine Telefonnummer angegeben.

Orientierung Antragsstrecke

  • Es ist ein Fortschrittsbalken integriert.
  • Eine Vorschau auf den Prozess ist auf den Seiten nur am Ende in Textform integriert.
  • Diese Vorschau umfasst den Offline-Prozess.
  • Die Pflichtfelder sind nicht gekennzeichnet.
  • Die Call-to-Action ist wenig prominent gestaltet.
  • Die Call-to-Action ist mit „weiter“ nicht sprechend beschriftet.

Stimulanz Antragsstrecke

  • Es werden weder positives Feedback, noch sonstige Stimulanz-Elemente in der Antragsstrecke genutzt.

Sicherheit Antragsstrecke

  • Es wird weder Datensicherheit kommuniziert, noch werden in der Antragsstrecke Trust-Elemente eingesetzt.

Komfort Antragsstrecke

  • Durch die Verschachtelung (besonders auf der ersten Seite) wirken die Seiten sehr kompliziert – und sind es in der Bedienung auch.
  • Mindestanzahl Schritte Antragsstrecke komplett (ab Landingpage bis Danke-Seite): 4
  • Maximalanzahl Schritte Antragsstrecke (ab Landingpage bis Danke-Seite): 4

Fazit Antragsstrecke

Relevanz

Durch die wenig relevanten Headlines wird es dem Nutzer unnötig schwer gemacht sich zu orientieren und eine Relevanz zu den anzugebenden Daten herzustellen.

Sehr verwirrend ist beispielsweise auch der Missmatch zwischen Headline der ersten Seite (Aktiv-Konto beantragen) und der Benennung in der Prozessbar (Antrag ausfüllen). Besonders kritisch ist dies, da die Prüfen-Seite die gleiche Bezeichnung in der Prozessbar trägt.

Auch der zweite Schritt „Daten ergänzen“ wird in der Headline „Ein paar Daten von Ihnen“ eher schlecht aufgefangen. Ein einheitliches und klares Wording wäre sehr sinnvoll.

Vertrauen

Das Fehlen der Kontaktmöglichkeit aus dem Prozess heraus ist ein wichtiger Faktor. Wo kann er anrufen, wenn der Nutzer ein Frage hat? Wenn er die Hürde nimmt und normal in der Seite sucht, wird er in den meisten Fällen den Prozess abbrechen, da er in der Navigation auf Kontakt klicken wird.

Orientierung

Es ist eine Prozessbar integriert. Diese hat jedoch wenig grafische Prominenz und führt somit den Nutzer recht wenig. Die Pflichtfelder sind nicht klar definiert und besonders das Verhalten der Formular-Elemente auf der ersten Seite weist deutliche Usability-Schwächen auf.

So werden beispielsweise – je nach Auswahl – Elemente ausgeblendet und beim Zurücksetzen nicht wieder eingeblendet. Dies führt beim Klick auf „weiter“ zu unnötigen Fehlermeldungen.

Auf der letzte Seite wird erst unterhalb der Checkbox-Liste aufgeführt, wie der Prozess weiter gehen wird. Dies sollte deutlicher hervorgehoben werden.

Stimulanz

Die Seite wirkt überhaupt nicht stimulierend, sondern eher bürokratisch und kompliziert. Sie macht wenig Lust darauf, den Antrag auszufüllen. Der Verzicht auf positives Feedback und weiterer Stimulanz-Elemente unterstreicht den negativen Eindruck.

Sicherheit

Besonders bei persönlichen Daten ist es sehr wichtig, dem Nutzer das Gefühl von Sicherheit zu geben. Gerade bei Banken, wo man Schufa-Auskünfte und Gehaltsgefüge preisgibt ist es unerlässlich, auf die Sicherheit der Daten einzugehen und dies auch zu kommunizieren.

Komfort

Die Seiten wirken einfach schwer, komplex und unübersichtlich. Dies wird durch das „altbackene“ Verhalten mit vielen Usability-Schwachstellen noch gestärkt. Komfort sieht anders aus und fühlt sich auch anders an.

Allgemein

Die Antragsstrecke wirkt in allen Belangen schwer, kompliziert und wenig stimulierend. Die hohe Fehlerquote aus Usability-Sicht kann dazu führen, dass Nutzer das Gefühl bekommen, dass man sie hier über den Tisch ziehen möchte und der Service sehr kompliziert sein wird. Immerhin kommuniziert man mit einer Direkt-Bank ja häufig auf rein digitaler Ebene.

„Wenn die Beantragung schon so kompliziert ist, wie kompliziert wird es dann wohl erst, wenn ich mal wirklich ein Problem habe.“ So könnten viele Nutzer denken, wenn Sie die Antragsstecke angehen.

3. Analyse Überprüfenseite Targobank

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Überprüfenseite:

Targobank - Überprüfenseite

Analyse-Ergebnisse der Überprüfenseite

Targobank - Übersichtsseite

Relevanz

  • Die Seite hat eine relativ relevante Headline.
  • Es werden jedoch nur sehr wenig relevante Daten (nur Adress-bezogene) angezeigt.

Vertrauen

  • Auch auf dieser Seite ist keine Kontaktmöglichkeit angegeben.

Orientierung

  • Der Offline-Prozess ist unterhalb der Checkbox-Liste in Textform integriert.
  • Die Call-to-Action ist wenig prominent gestaltet. Jedoch mit „Antrag ausdrucken“ bezeichnet.

Stimulanz

  • Auch auf diesem letzten kritischen Schritt werden keinerlei Stimulanz-Signale gesendet.

Sicherheit

  • Ebenso wird auf die Kommunikation von Datensicherheit und den Einsatz von Trust-Elementen verzichtet.

Komfort

  • Die Seite ist sehr übersichtlich, jedoch wird nur ein Bruchteil der angegebenen Daten aufgeführt, so dass dies wie unübersichtlich gewertet wird.
  • Die Funktion „Daten ändern“ den Nutzer einfach zurück auf die erste Seite des Prozesses und der Nutzer muss die kompletten Eingaben dort überprüfen.
  • Eine Drucken-Funktion ist zwar nicht auf der Seite vorhanden, doch als nächsten Schritt.

Fazit Überprüfenseite

Relevanz

Die Seite hat zwar eine relativ relevante Headline, die nahe legt, dass der Nutzer seine Daten hier überprüfen soll. Doch die Seite ist eigentlich vollkommen nutzlos, da nur wenige der eingegebenen Daten dort angezeigt werden.

Vertrauen

Der Verzicht auf jegliche Kontaktmöglichkeit auf der Überprüfenseite kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass Nutzer abbrechen, oder die Seite aus Versehen verlassen, um nach einer Kontaktmöglichkeit zu suchen. Das Problem in diesem Fall ist, dass die Antragsstrecke die Daten komplett vergisst und man sich erneut durch das Formular quälen muss.

Orientierung

Die reine Textinformation bezüglich des weiteren Prozesses unterhalb der Checkbox-Liste reicht nicht aus. Die Gestaltung wirkt in diesem Fall eher wie Kleingedrucktes und verkommt so zu einer „Textwüste“.

Stimulanz

Der Verzicht auf jegliche Stimulanz Signale in diesem Schritt kann dazu führen, dass der Nutzer komplett abbricht, sofern er noch etwas unsicher ist. Durch den geschickten Einsatz von Stimulanz-Triggern ist es möglich, diesen kleinen Wiederstand zu überwinden.

Sicherheit

Auf dem letzten Schritt ist es besonders wichtig darauf hinzuweisen, dass die Daten des Nutzers sicher sind. Grade in Kombination, dass nicht alle eingegebenen Daten angezeigt werden werden Unsicherheitsgefühle beim Nutzer hervorgerufen.

Komfort

Da der Hauptnutzen der Seite – die Überprüfung der Daten – nicht möglich ist, und dass bei Änderung der komplette Prozess erneut durchgeklickt werden muss und dabei Eingaben verloren gehen, spricht der Seite jeglichen Komfort ab.

Allgemein

Sorry für die harten Worte, aber: In der Schule würde man zu dieser Überprüfen-Seite folgende Bewertung geben: Thema verfehlt, 6 und Setzen bitte.

Gesamtfazit Antragsstrecke Targobank

Targobank - Fazit Antragsstrecke

Die schlechte Usability der Antragsstrecke, die Massen an Daten und die extrem schlechte Überprüfen-Seite machen es schwer, etwas positives über die Antragsstrecke zu sagen.

Etwas Positives kann man jedoch sicher sagen: es gibt viel Optimierungspotential.

Download Vergleichstabelle

Hier die bisherigen Ergebnisse in der Übersicht:

Vergleichstabelle Studie Giro-Konto Antragsstrecken

Jetzt Vergleichstabelle herunterladen:

Download Vergleichstabelle

Was erwartet Sie in Teil 4 der Serie über Giro-Antragsstrecken?

In Teil 4 werde ich die Antragsstrecken der Commerzbank und der DKB analysieren und ein kleines Goodie wird es auch noch geben. Es bleibt also spannend… 😉

Ich wünsche viel Spaß beim Optimieren und freue mich auf Ihre Kommentare.

Torsten Hubert

Torsten Hubert beschäftigt sich seit fünfzehn Jahren intensiv mit Webmarketing und ist Google Advertising Professional. Er ist hauptberuflich Head of Consulting und Mitglied der Geschäftsleitung bei dem CRO-Spezialisten Web Arts AG und hat sich dort auf strategisches Growth-Consulting spezialisiert. Weiterhin ist Torsten Hubert Dozent für Conversion Optimierung, Usability und Motivatorik an der Hochschule Darmstadt.Sie erreichen Torsten Hubert auch über XING.
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2 Reaktionen auf „Studie Giro-Konto Antragsstrecken im Vergleich – Teil 3

  1. Aauf der Conversion-Summit haben wir gelernt, dass sich Hinweise zur SSL Verschlüsselung negativ auf die Conversion in einer Antragstrecke auswirken. Wir haben es auch selbst in einem A/B-Test schon erlebt, dass ein TÜV-Siegel neben dem Formular zur Angabe der Kontonummer zu einer schlechteren Conversion führte. Wieso ist das jetzt bei euch ein Negativ-Punkt, wenn es keine Hinweise zur SSL-Verschlüsselung o.ä. gibt?

    • Hallo Silke,
      vielen Dank für dein Feedback.

      Erstmal freut es mich, dass du auf dem Summit viel mitgenommen hast und auch selbst gute und wertvolle Erkenntnisse durch Tests gewonnen hast.

      Ich bin nur vorsichtig allgemein gültige Ableitungen oder Learnings auf Basis von zwei Tests zu treffen. Ich kenne sehr viele Testergebnisse mit Trust-Elementen in Verbindung mit dem Abfragen persönlicher Daten. Viele davon haben positive Auswirkungen, einige aber auch negative.

      Wenn ich die Fülle der Tests in dem Bereich Resümee passieren lasse fällt auf, dass je kritischer die abgefragten Daten sind, desto eher ist der Einsatz von Trust-Elementen sinnvoll.

      Das sollte aber bitte nicht als die einzige mögliche Wahrheit angenommen werden. Wichtig ist, dass die Hypothese „mehr Trust führt zu mehr Abschlüssen“ IMMER zu testen ist. Denn je nach Besuchern, Traffic oder entsprechenden Segmenten kann das Ergebnis in die eine oder andere Richtung schwanken.

      So ist beispielsweise bei Bestandskunden, die schon positive Erfahrungen gemacht haben, das Thema Trust weniger wichtig, als für neue Nutzer, die unter Umständen sogar den Anbieter nicht richtig kennen.

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