Von Julia Pilz | Conversion Frameworks | 0 Reaktionen

Strukturiertes Projektmanagement für Optimierer mit Scrum

Du wünschst Dir ein rund laufendes Optimierungsprogramm und eine höhere Erfolgsquote Deiner A/B-Tests? Scrum bietet Optimierern ein Framework, um komplexe Prozesse abzubilden und den maximalen Wert in möglichst kurzer Zeit auszuschöpfen. Wir zeigen Dir, wie Du Scrum erfolgreich in Dein Projekt einführst!

 

 

Das Leben eines Projektmanagers ist hart

Die Stakeholder werfen Deine Roadmap über den Haufen, der Kunde ruft ständig an und hat neue Anforderungen, die Deadlines rücken näher und ganz nebenbei sollst Du Dein Team bei Laune und das Budget im Blick behalten. Fakt ist: ein Projektmanager hat viel zu tun. Meistens viel zu viel. Auch wenn Du Dein Selbstmanagement bereits perfektioniert hast, so musst Du es dennoch schaffen, dass Team, Kunde und sonstige Stakeholder Dich durch nichts aus der Bahn werfen können. Denn jeder arbeitet anders und so kann es durch unterschiedliche Präferenzen schnell im Chaos enden, wenn keine Struktur vorgegeben wird.

Hier kommt Scrum ins Spiel

Als eine agile Projektmanagement-Methode bietet Scrum Dir ein Framework, um komplexe Prozesse abzubilden und den maximalen Wert aus Deiner Conversion-Optimierung in möglichst kurzer Zeit auszuschöpfen.

Wie Du Dein Projekt mittels Scrum voran bringst, zeigt Dir dieser Artikel. Dabei geht es darum, Prozesse zu optimieren und zu einem routinierten Ablauf zu gelangen sowie ein eingespieltes, selbstorganisierendes Team zu schaffen. So werden Projekte fast zum Selbstläufer!

1. Warum überhaupt „Agile“?

Doch gehen wir nochmal einen Schritt zurück: Warum solltest Du überhaupt agil arbeiten?

Diese Vorteile von agilen Methoden sind nicht von der Hand zu weisen:

  • Du kannst schneller auf jegliche Veränderungen des Marktes, der Bedürfnisse von Stakeholdern oder auf Business-Entscheidungen „von oben“ reagieren.
  • Das Aktualisieren einer festgezurrten Roadmap und Verargumentieren von nicht eingehaltenen Deadlines erübrigt sich, weil stets Transparenz über den Status herrscht.
  • Du kannst dich darauf konzentrieren, den maximalen Wert aus Deiner Arbeit und der Arbeit Deines Teams zu ziehen, anstatt Endlos-Schleifen mit dem Kunden zu drehen und Mail-Ping-Pong zu spielen.

Sicher gibt es noch mehr Vorteile, doch diese sollten Dich schon überzeugt haben. Stell dir vor, Deine Gantt-Diagramme aus Deinem starren Wasserfall-Prozess gehören der Vergangenheit an, Änderungswünsche der Stakeholder sind ab sofort kein Problem mehr und zugleich lieferst Du wertvolle Arbeit ab anstatt Ergebnisse für die Mülltonne zu produzieren? Wäre das nicht klasse?

Wasserfall adé
Wasserfall adé

 

Agilität ist also wichtig, damit Wettbewerber nicht an dir vorbeiziehen, Du den Bedarf Deiner Kunden erkennst und abdecken kannst, das Unternehmen an sich funktioniert und ein Umsatzwachstum verzeichnet. Durch agile Methoden können das Volumen Deiner A/B-Tests erhöht und Potentiale schneller ausgeschöpft werden. Nicht zuletzt sorgen agile Frameworks für eine höhere Zufriedenheit bei Dir und Deinem Team, weil jeder wichtig ist und „Wert“ schöpft.

2. Das Scrum-Framework im Überblick

Wer das Framework bereits kennt, kann diesen Punkt überspringen und direkt zu Punkt 3 übergehen :-).

Für alle Anderen schauen wir uns das Scrum-Framework jetzt näher an:

Scrum Framework
Scrum Framework

 

Ausgehend von einer Vision der Stakeholder (Unternehmen, Kunden, Nutzer) wird ein Product Backlog erstellt. Der Product Owner sortiert das Backlog nach Business Value oder nach Kriterien, die ihm sinnvoll erscheinen. Er hat das letzte Wort bei der Sortierung.

Wenn die Product Backlog Items nach der sig. „Definition of ready“ bereit sind, zieht sich das Development Team die Tasks in ihr Sprint Backlog. Dies passiert in dem Sprint Planning Meeting zu Beginn des Sprints. Ein Sprint sollte max. 4 Wochen dauern und nach dem Sprint startet sofort der nächste Sprint. Es gibt also keinen Leerlauf.

Die Sprint Backlog Items dienen dazu, das vom Product Owner gesetzte Sprint Goal zu erfüllen. Sie sind, wie das Product Backlog, nach dem Value geordnet, sprich das Development Team beginnt die wertvollsten Maßnahmen zuerst umzusetzen.

Am Scrum Board werden die Tasks festgehalten und in die Kategorien „ToDo“, „Doing“ und „Done“ eingeordnet. Im Daily Scrum, dem täglichen max. 15 Minuten dauernden Meeting, werden die Tickets je nach Status weiter nach rechts verschoben und das Development Team beantwortet gegenseitig 3 Fragen:

  • Was habe ich gestern gemacht, um das Team bei der Erreichung des Sprint Goals zu unterstützen?
  • Was werde ich heute tun, um das Team bei der Erreichung des Sprint Goals zu unterstützen?
  • Was hindert mich daran, das Team bei der Erreichung des Sprint Goals zu unterstützen?

Das Development Team sollte aus 3-9 Personen bestehen, die cross-funktional arbeiten können und somit alle Fähigkeiten besitzen, das definierte Sprint Goal zu erreichen. Das Team organisiert sich selbst in Scrum, das bedeutet, dass sie dafür zuständig sind, wie sie das Ziel erreichen und Konflikte in erster Linie selbst lösen.

Der Scrum Master übernimmt die Rolle des Lehrers, Coaches oder Mentors, je nach Fortschritt des Scrum-Mindsets des Teams. Arbeitet ein Team erstmalig nach Scrum, muss der Scrum Master vermutlich mehr erklären und damit die Rolle des Lehrers einnehmen. Im späteren Verlauf leitet er mehr und mehr zur Selbsthilfe an.

In der Sprint Review zeigt das Development Team dem Product Owner und Stakeholdern den Stand bzw. den Output des Sprints. Im Vergleich dazu geht es in der Sprint Retrospektive jedoch darum, die Zusammenarbeit im Team zu bewerten und zu verbessern. Stolpersteine sollen durch Anleiten des Scrum Masters aus dem Weg geräumt werden. Dazu werden sog. KaiZen-Maßnahmen abgeleitet, die ein Bestandteil im nächsten Sprint Backlog darstellen sollten.

Nach Scrum gibt es also 3 Rollen: der Scrum Master, der Product Owner und das Development Team. Du als Projektmanager solltest die Rolle des Product Owners einnehmen, da Du die Wünsche der Stakeholder am Besten konsolidieren kannst. Doppelrollen sollten vermieden werden, da der Perspektivwechsel sonst schwer fällt und nicht mehr neutral bewertet werden kann (z.B. Wenn der Product Owner zugleich Teil des Development Teams ist oder der Product Owner in der Rolle des Scrum Masters die Retrospektive moderieren soll).

So viel zur Theorie. Das Framework ist simpel und kann schnell erlernt werden. Spannender wird es dann, wenn es darum geht, es in die Praxis umzusetzen.

3. Setup von Scrum in der Conversion Optimierung

0. Sind alle Voraussetzungen für die Einführung erfüllt?

Gehen wir mal davon aus, Du hast unter den verschiedenen Projektmanagement-Methoden Scrum für Dein Projekt ausgewählt und die Vor- und Nachteile gegenüber Wasserfall, Kanban und Co. abgewägt.

Falls nicht, dann empfehle ich Dir zunächst meinen Artikel Der ultimative Survival Guide für Conversion Manager zu lesen und Dir die Beschreibung der einzelnen Methoden unter dem Punkt „Methodenkompetenz“ anzusehen.

Als Nächstes sollte es gegeben sein, dass Zeit vorhanden ist, die in die Einführung von Scrum investiert werden kann. Auch wenn das Framework simpel in seiner Theorie ist, ist es keinesfalls mal „nebenbei“ angewendet. Selbst wenn es als Pilot-Projekt dienen soll (dazu im folgenden Punkt mehr), wird es Schnittstellen zu anderen Bereichen geben und möglicherweise später die gesamte Organisation betreffen. Auch dort sollte das Framework verstanden werden.

Dazu gehört ebenfalls eine Unternehmenskultur, die den Wandel ermöglicht. Offenheit, Respekt und Vertrauen sind einige Scrum-Werte, die die Einführung begünstigen. Das Unternehmen sollte außerdem Wert auf Kommunikation legen, zu Änderungen bereit sein und nicht zuletzt bereit sein, zu lernen. Neben dem richtigen Kommunikationskanal ist daher auch die Transparenz im gesamten Unternehmen wichtig. Scrum basiert auf stetigem Feedback und der Erlaubnis, auch mal Fehler machen zu dürfen, aus denen man lernt.

Danach sollte sichergestellt sein, dass entsprechende Qualifikationen für die Einführung von Scrum vorhanden sind. Gibt es jemanden im Unternehmen, der die Rolle des Product Owners übernehmen kann? Oder muss vorher noch geschult werden? Wer wird der Scrum Master? Wird der Scrum Master intern gestellt oder soll der Posten von extern besetzt werden?

Wer den vorherigen Punkt „2. Das Scrum-Framework im Überblick“ aufmerksam gelesen hat, hat festgestellt: es gibt lediglich 3 Rollen in Scrum: den Product Owner, den Scrum Master und das Development Team. Wer einen klassischen Projektmanager hier verorten will, sucht vergebens. Mit Scrum muss man bereit sein, auf die traditionelle Rolle des Projektleiters zu verzichten. Neben dem Titel (der Projektmanager wird in der Regel zum Product Owner) verändern sich auch seine Aufgaben in der neuen Rolle.

Wichtig ist außerdem, dem Product Owner Entscheidungsbefugnis zu geben. Er hat beispielsweise bei der Sortierung des Product Backlogs das letzte Wort und weder das Management noch sonstige Stakeholder. Neben der strategischen Denkweise das Produkt nach vorn zu bringen, ist die Kommunikation mit den Stakeholdern seine Hauptaufgabe.

1. Wie soll Scrum eingeführt werden, von oben oder von unten?

Scrum „von oben“ einzuführen bedeutet, dass es von der Geschäftsleitung initiiert wird. Die Einführung auf Team- oder Abteilungsebene ist die Einführung „von unten“.

Auf Team-Ebene kann eingeführt werden, solange keine unternehmensweiten Änderungen angestrebt sind. Sobald dies der Fall ist, muss die Geschäftsleitung involviert werden.

Von oben wird meist mit einem offiziellen Change-Projekt eingeführt, welches dann als Pilot-Projekt dient. Die Unterstützung ist hierbei sehr wichtig, da es passieren kann, dass das neue Framework und die neuen Rollen, die es mit sich bringt, zunächst nicht akzeptiert werden. Dass alle Mitarbeiter im Unternehmen über das Pilot-Projekt Bescheid wissen, gibt dem Ganzen schon mehr Gewicht und Aufmerksamkeit.

Der Erfolgsdruck ist natürlich geringer, wenn man das Pilot-Projekt Scrum „von unten“ startet. Allerdings ist das Risiko auch größer, dass Schnittstellen oder die Übertragbarkeit auf die Gesamtorganisation nicht bedacht wurden.

Anwendung von Scrum in der Conversion Optimierung: Die Frage, ob von oben oder von unten das Framework eingeführt werden soll, ist abstrakt genug, dass sich beides für die Conversion Optimierung eignet. In der Theorie funktioniert beides, daher hinterlasst mir gern einen Kommentar am Ende dieses Artikels, welche Erfahrungen Ihr gemacht habt!

2. Was ist die Vision?

Ist der Punkt der Einführung geklärt, gilt es die Vision festzuhalten. Was ist das übergreifende Ziel, worauf das Team hinarbeiten soll? Ziele geben Halt und sollen für ein gemeinsames Verständnis sorgen.

Um die Vision auszuarbeiten, kann ein Workshop mit den Stakeholdern veranstaltet werden. Darin sollten auch ganz grob Maßnahmen skizziert werden, wie die Vision Wirklichkeit werden kann.

Anwendung von Scrum in der Conversion Optimierung: Bist Du in einer Agentur tätig, so veranstalte doch einen Visions-Workshop mit Deinem Kunden. Scrum in ein neues Projekt einzuführen (Stichwort KickOff-Workshop) ist einfacher verglichen mit laufenden Projekten. Aber vielleicht habt ihr bereits einen Lessons Learned- oder Wrap-Up-Termin gemacht, bei dem der Wunsch geäußert wurde, die Prozesse schlanker, effizienter oder transparenter zu gestalten? Das kann Dein Ansatzpunkt sein, Scrum einzuführen!

Bist Du als ein Projekt- oder Produktmanager inhouse tätig, so weist Du selbst am besten, wer an einem Visions-Workshop teilnehmen soll. Versucht diesen möglichst schlank zu halten und euch darauf zu konzentrieren, wie ein konkretes Produkt (welches mit Scrum geschaffen oder verbessert werden soll) das Bedürfnis der Nutzer decken kann und nicht wie ihr die Welt verändern wollt. Die Visionen können vielfältig sein: der Website-Relaunch, die Erweiterung des Produktportfolios / die Schaffung eines neuen Produktes, das Voranbringen eines Produktbereiches oder einer Abteilung etc.

3. Wer bildet das Scrum Team?

 Die 3 Rollen Scrum Master, Product Owner und Development Team bilden das sogenannte Scrum Team.

Überlege Dir genau, wie die Rollen definiert sind und welche Qualifikationen oder Fähigkeiten diese Personen mitbringen müssen. Dabei muss die Qualifikation nicht gleich eine Zertifizierung bedeuten, sondern kann auch durch entsprechende Praxiserfahrung, Selbststudium oder Mentoring erworben werden. Hier findest Du die Rollen in der Übersicht:

Die Rollen in Scrum
Die Rollen in Scrum

 

Sind die Rollen klar definiert, lass das Team sich am besten selbst finden. Wer hat Lust, die definierte Vision voranzutreiben und zugleich das neue Framework Scrum auszuprobieren? Wie bereits erwähnt, ist Offenheit einer der Scrum-Werte, und aufgeschlossene Personen gegenüber dem neuen Vorgehen werden weitaus weniger Widerstand leisten als ein Team, welches man Top-Down zusammenstellt und in die Rolle hineingepresst hat.

Das Ziel ist es, ein erfolgreiches Pilot-Projekt zu realisieren, von dem man anderen berichten kann.

Anwendung von Scrum in der Conversion Optimierung: Der Scrum Master kann, sofern vorhanden, intern gestellt werden oder auch von extern eingekauft werden. Die Rolle des Product Owners solltest Du als Conversion Manager einnehmen. Das Development Team sollte alle Fähigkeiten besitzen, die die Vision realisieren können. Scrum kennt keine weiteren Rollen und innerhalb des Development Teams sind alle Personen gleich gestellt. Dennoch gehen wir mal davon aus, dass Dein Produkt mittels A/B-Testing validiert werden soll. Dann brauchst Du für Analysen User Researcher, Data Scientists, Conversion Architects, Designer, Engineers und Quality Manager. Stell Dir dieses entsprechende Team zusammen.

Mehr zu den Rollen, deren Aufgaben und Skills findest Du hier.

4. Wo besteht Schulungsbedarf?

Beim Definieren der Rollen und der Team-Zusammenstellung hast Du möglicherweise festgestellt, dass es Lücken hinsichtlich des Wissens über Scrum und Qualifikationen geben kann. Bevor ihr mit dem ersten Sprint beginnt, sollte daher der Schulungsbedarf ermittelt werden und kurzfristig geschult werden.

Das Framework ist innerhalb eines Tages-Trainings geschult und prinzipiell verstanden. Hierfür kann auch ein externer Trainer eingesetzt werden. Wird viel Wert auf Zertifikate gelegt, können diese nachgeholt werden.

Anwendung von Scrum in der Conversion Optimierung: Scrum-Schulungen sind universell und vermitteln das Basis-Wissen zum Framework. Es gibt also (noch) kein spezielles Training, bei dem man Dir beibringt, wie man es auf CRO anwendet. Wer es jedoch individuell möchte, der organisiert sich einen Agile Coach, der sich die Zeit nimmt, das Unternehmen, die Prozesse, Methoden und Produkte kennenzulernen und dann gezielt bei der Einführung unterstützen kann. Diese Vorlaufzeit hat allerdings auch seinen Preis.

5. Wie kann das Framework praktisch umgesetzt werden?

Bis hierhin war alles noch viel Theorie. Nun geht es darum, diese in die Praxis umzusetzen. Hierfür liste ich Dir einige Fragen auf, die sich an diesem Punkt gestellt werden sollten:

  • Wie soll Scrum konkret angewendet werden?
  • Wie lange soll ein Sprint dauern?
  • Wer organisiert die Termine und verschickt Termineinladungen zu Sprint Planning, Daily, Review und Retro?
  • Wie finden die Termine statt (Remote oder persönlich)?
  • Wo finden die Termine statt (Räume buchen oder dauerhafte Meeting-ID anlegen)?
  • Wo werden die Themen des Product Backlog festgehalten (über eine Software oder an einem Whiteboard)?
  • Wo wird das Scrum Board visualisiert (über eine Software oder an einem Whiteboard)?
  • Wie soll die „Definition of ready“ sein?
  • Wie soll die „Definition of done“ sein?
  • Wie soll der Fortschritt des Sprints visualisiert werden (hier eignet sich beispielsweise ein Burndown-Chart)?
  • Welche Hilfsmittel werden sonst noch benötigt (Materialien, Software testen/kaufen)?
  • Welche Schnittstellen zu anderen Teams gibt es und was muss dabei beachtet werden?

Anwendung von Scrum in der Conversion Optimierung: Der Großteil der oben gestellten Fragen ist universell und einfach auf CRO anwendbar. Wir haben bisher gute Erfahrungen mit 4-wöchigen Sprints gesammelt, in welchem A/B-Tests feinkonzipiert und designed werden, umgesetzt werden und qualitätsgesichert werden. Das Release am Ende des Sprints ist dann jeweils der Start des A/B-Tests.

Backlog und Scrum Board können mit verschiedenen Tools wie Trello, Basecamp, Jira oder Smartsheet visualisiert werden. Diese eignen sich besonders gut, wenn Dein Team remote und dezentral an verschiedenen Orten arbeitet.

Einen Überblick über verschiedene Tools findest Du im Artikel 5 Projektmanagement Tools, die jeder Conversion Optimierer kennen sollte.

6. Beginnt mit Sprint 1 und erstellt das Product Backlog

In Scrum gibt es keinen Sprint 0, was bedeutet ihr legt sofort mit dem ersten Sprint los. Dieser kann beispielsweise dazu dienen, das Product Backlog zu füllen. Euer Sprint Goal wäre in diesem Fall die Erstellung des Backlogs. Im Sprint 1 könnt ihr dann Ergebnisse aus Analysen von verschiedenen Stellen zusammentragen oder auch neue Analysen durchführen. Die Hauptsache ist, dass das Backlog am Sprint-Ende gefüllt ist und Themen enthält, welche die Produkt-Vision unterstützen. Die Definition of ready und Definition of done sollten ebenfalls erstellt werden.

Im ersten Sprint führt ihr außerdem euer erstes Sprint Planning Meeting durch, erstellt das Scrum Board, führt die Dailys durch, macht die erste Sprint Review und Retrospektive.

Anwendung von Scrum in der Conversion Optimierung: Die Erstellung des Backlogs und das Durchführen einer Analysephase sind gute erste Schritte, um das Scrum-Framework zu leben. Benötigt ihr neue Analysen könnt ihr euch der folgenden Artikel bedienen:

Frameworks zur qualitativen Analyse

Das 7-Ebenen-Framework

Der erfolgreiche Einsatz von (Analytics) Daten

7. Produziert das erste „Done Increment“ spätestens im Sprint 2

Als Done Increment bezeichnet man ein nach der Definition of Done potentiell auslieferbares Produkt oder Teilprodukt.

Im ersten Sprint entsteht das Backlog als Output. Nach dem Erstellen des Backlogs gilt es für den Product Owner herauszufinden, welche Elemente den höchsten Business Value erzielen werden bzw. die Vision am besten voranbringen. Er sortiert die Elemente entsprechend und verfeinert gemeinsam mit dem Development Team die Aufwandsschätzungen. Je konkreter, umsetzbarer und wertvoller die Maßnahmen sind, desto weiter oben stehen sie im Backlog.

Der Product Owner setzt sich das Sprint Goal, holt sich Feedback der Stakeholder ein, ob die Maßnahmen in die richtige Richtung gehen, klärt Fragen und nimmt ggf. Ergänzungen auf.

Man kann auch ein Backlog-Refinement-Meeting und – wenn nötig – weitere Feedback-Meetings zwischen dem Product Owner und dem Development-Team arrangieren, um sicherzustellen, dass alle Informationen bis zum Sprint Planning Meeting vorliegen. Damit wird das Sprint Planning Meeting effizienter und das Development Team kann schneller entscheiden, wie das Sprint Goal realisiert werden soll. Im zweiten Sprint sollte nun spätestens ein Done Increment entstehen.

Anwendung von Scrum in der Conversion Optimierung: Habt ihr euer Backlog zusammengetragen, bist Du als Product Owner für dessen Sortierung zuständig. Beispielsweise entscheidest Du Dich dafür, einen Smoke-Test auf dem Produktbereich XY zu erstellen, welcher herausfinden soll, wie wertvoll ein neues Feature für die User und Dein Unternehmen wäre. Im 2. Sprint sollte also nun der erste A/B-Test umgesetzt werden. Schafft Dein Development Team mehr als einen A/B-Test in der gesetzten Zeit des Sprints (Achtung: Die Timebox für einen Sprint ist maximal 4 Wochen bzw. einen Monat), der das Sprint Goal unterstützt, umso besser.

Weitere Informationen zum Thema Smoke Tests findest Du hier: Smoke Tests – Was Produktmanager wissen müssen

Wie man Fahrt aufnimmt, erkläre ich Dir in diesem Artikel: 5 Projektmanagement-Tipps für Testing wie am Fließband

Und wie Du mehr Ressourcen bekommst, beschreibt mein Kollege Gabriel hier: Mit diesen Zahlen bekommst Du Dein eigenes CRO-Team

8. Implementiert mindestens 1 KaiZen-Maßnahme im Sprint 3

Das erste Done Increment liegt spätestens jetzt vor. Reviews, Dailys und Retrospektiven sind beim Scrum Team nun keine weithergeholten Begriffe mehr, sondern werden gelebt und Routine beginnt sich zu etablieren.

Die ersten Konflikte tauchten möglicherweise auf und wurden vielleicht auch gelöst. Wusstest Du, dass das ganz normal ist, wenn sich ein Team neu findet und erstmalig zusammenarbeitet?

Es gibt 4 Phasen nach Tuckman, die jedes Team durchlaufen muss:

Tuckmans Team-Entwicklungsmodell
Tuckmans Team-Entwicklungsmodell

 

In der Orientierungsphase „Forming“ kommt das Team erstmalig zusammen und lernt sich kennen.

Im „Storming“ geht es dann ans Eingemachte: es können Rollenkonflikte und Missverständnisse auftreten, die für jede Menge Diskussion oder verdeckte Konflikte sorgen.

In der Norming-Phase wurden die Konflikte gelöst und das Team beginnt mit einer klaren Rollen- und Aufgabendefinition oder Kommunikations-Grundsätzen zu arbeiten.

Ist das Team in der Performing-Phase angekommen, trägt die Arbeit Früchte und das Team beginnt, nun effektiv zusammenzuarbeiten. Es organisiert sich selbst ohne Probleme.

Die Adjurning-Phase gehört nicht exakt zum Modell dazu und beschreibt die Phase der Auflösung des Teams. Sie trifft daher nur auf temporär zusammengestellte Teams zu. Ein gemeinsames Team-Event, bei dem Erfolge gefeiert werden, könnte diese Phase beschließen.

In der Retrospektive mit dem gesamtem Scrum-Team werden Verbesserungspotentiale aufgedeckt. Diese sollten nicht nur festgehalten, sondern auch umgesetzt werden. Der Scrum Master ist dafür zuständig, Stolpersteine des Teams aus dem Weg zu räumen. Hat man keinen internen Scrum Master, kann das Meeting auch von „extern“ moderiert werden. Wenigstens eine Verbesserungsmaßnahe sog. KaiZen-Maßnahme sollte im 3. Sprint integriert und umgesetzt werden.

Anwendung von Scrum in der Conversion Optimierung: Dieser Punkt kann einfach auf Dein Conversion Optimierungsprojekt übertragen werden. Welche Schwierigkeiten gab es beim ersten A/B-Test? Was wurde ggf. in vorangegangenen Retros bereits diskutiert und umgesetzt? Entscheidet in einem gemeinsamen Voting, welche Maßnahme am schnellsten behoben werden muss. Genau diese sollte als KaiZen-Maßnahme in den nächsten Sprint aufgenommen werden.

9. Berichtet anderen Teams von den Erfolgen: Von der Pilotphase zur Etablierung

 Der letzte Teil ist vermutlich der Schönste: Erfolge feiern und mit den Kollegen teilen.

Wenn Du hier angelangt bist, ist Scrum nämlich ein akzeptiertes Framework Deines Teams, welches Erfolge vorweisen kann. Von diesen solltet ihr euren Kollegen, anderen Abteilungen oder dem gesamten Unternehmen berichten. Vielleicht gibt es bereits eine Plattform oder eine Meeting-Serie, welche ihr hierfür nutzen könnt, um das Wissen schnellstmöglich zu verbreiten? Somit kommt das Framework aus seiner Pilotphase heraus und wird im Unternehmen etabliert. Damit schließt sich der Kreis und das neue Team/die neue Abteilung, die Scrum einsetzen wollen, beginnen den Prozess wieder mit Schritt 2.

Feiert den Erfolg außerdem innerhalb eures Teams und veranstaltet ein Team Event. Das sorgt für die Festigung der Beziehungen und noch mehr Spaß am Teamwork!

Anwendung von Scrum in der Conversion Optimierung: In Deinem CRO-Projekt sollte sich der Erfolg in Form signifikant positiver und umsatzbringender A/B-Tests manifestiert haben. Du bekommst Tests nun viel schneller als vorher umgesetzt, testest das Richtige und auch Deine Vorgesetzten werden begeistert sein, wenn Du die Zahlen präsentierst. Nun ist es Zeit, den Erfolg auch anderen Abteilungen mitzuteilen. Vielleicht wollen jetzt auch andere Abteilungen A/B-Tests machen oder auch „nur“ mit dem Framework arbeiten?

 4. Zusammenfassung und Fazit

Schlussendlich ist die Übertragung und Einführung des Scrum-Frameworks in die Praxis kein Mammutprojekt. Gelingt es Dir, bekommst Du nicht nur schneller Deine A/B-Tests gestartet, sondern auch ein zufriedenes Team, welches das Richtige und Wertvolle testet, mit dem Du vor Deinem Chef glänzen kannst.

Hier noch einmal die Kurzzusammenfassung der einzelnen Schritte:

0. Sind alle Voraussetzungen für die Einführung geklärt? (Hast Du Alternativen abgewägt, Dir Zeit für die Implementierung eingeplant, ist die Unternehmenskultur bereit, sind die Qualifikationen vorhanden, ist der Verzicht auf Projektmanager möglich und hat der Product Owner eine Entscheidungsbefugnis?).

  1. Wie soll das Thema eingeführt werden? Von oben oder von unten?
  2. Was ist die Vision? Stichwort: Veranstaltet einen Visions-Workshop!
  3. Wer bildet das Scrum Team? Definiere die Rollen im Team und lass das Team sich selbst zusammen stellen.
  4. Wo besteht Schulungsbedarf? Schule das Team, wenn nötig, mit dem Framework.
  5. Wie kann das Framework praktisch umgesetzt werden? Überlegt euch, wie ihr es konkret anwenden wollt, welche Tools werden zudem benötigt? Welche Schnittstellen zu anderen Teams gibt es?
  6. Beginnt mit Sprint 1 und erstellt das Product Backlog.
  7. Produziert das erste „Done Increment“ spätestens im Sprint 2. Beispiel: Setzt den ersten A/B-Test im Sprint 2 um.
  8. Implementiert mindestens 1 KaiZen-Maßnahme im Sprint 3.
  9. Berichtet anderen Teams von den Erfolgen: Gelangt von der Pilotphase zur Etablierung im Unternehmen.

Welche Erfahrungen hast Du bei der Einführung von Scrum in Deinem Unternehmen gemacht? Welche Hindernisse gab es zu überwinden und welche Best Practices konntest Du für Euch finden? Ich freue mich über einen Austausch in den Kommentaren!

Julia Pilz

Julia Pilz ist Senior Conversion Manager bei konversionsKRAFT. Sie entwickelt Konzepte zur Optimierung von E-Commerce Plattformen mit dem Ziel der maximalen Wertschöpfung. Neben Conversion Optimierung zählen auch Webanalyse, Usability und Neuromarketing zu ihren Interessengebieten. Folgen Sie ihr auf Twitter oder kontaktieren Sie sie auf XING.
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