Von André Morys | Conversion Optimierung | 0 Reaktionen

ConversionConference San Francisco: 29 weitere Tipps, die Sie verpasst haben.

Tag 2 beginnt mit einem Highlight und Best-Practice zum Thema Shopoptimierung – und auch die restlichen Themen waren weiterhin extrem spannend.

Rob Snell: Be real.

Mit Abstand eine der interessantesten Präsentationen eines Online-Retailers und seiner Geschichte kam von Rob Snell. Gemeinsam mit seinem Bruder Steven ist er Betreiber des Shop GunDogSupply.com – ein Shop für Jagdhundbedarf. Er erklärte die Geschichte, wie er 2004 eine Entscheidung traf, die einen enormen Einfluss auf den Geschäftserfolg hatte:

ConversionConference San Francisco - Rob Snell

Die Präsentation gibt es auch hier bei Slideshare, ein enormer Beweis, welchen Erfolg „Authentizität„, „Beziehung“ und „Expertenstatus“ auf den Geschäftserfolg haben.

Die Learnings im Überblick:

  1. Sei ein Experte. Alle anderen sind Retailer. Menschen kaufen aber lieber beim Experten. Sei ein Experte, sei im Dialog mit Deinen Kunden, zeige deine Expertise.
  2. Sei persönlich. Schreibe keine Marketing-Emails sondern sei im echten Dialog. „Be real, people buy from people, not from websites“
  3. Werde zur Autorität. Gute Inhalte informieren Menschen besser, sorgen für bessere Rankings bei Google. Eine Seite „Einkaufsführer“ (Buyers Guide) verbessert die Conversion Rate um durchschnittlich +50% für die empfohlenen Produkte

Sandra Niehaus: Conversion Design Secrets

ConversionConference San Francisco - Sandra Niehaus Wireframe Technik

Sandra Niehaus ist den konversionsKRAFT Lesern ohnehin bekannt – schließlich gab mein Kollege Matthias Henrici der von ihr entwickelten Vorgehensweise den Namen „Niehaus Wireframe Technik„. Sandra zeigte eindrucksvoll drei Tipps, die wertvoll bei der Konzeption konversionsstarker Portale sind:

  1. Go Small – im kreativen Prozess neigen viele schnell dazu, alles zu hinterfragen und zu optimieren. Sandra ermutigt dazu, mit kleinen, in sich geschlossenen Optimierungen zu beginnen und Seiten in kleinen Schritten zu optimieren.
  2. Chunk your Page – Optimierungen sollten für den Designer in einem klaren Briefing geplant werden, mit eindeutigen Definitionen: Was wird optimiert? Was ist das Ziel? Wie wird es gemessen?
  3. Make it Pop – im dritten Teil zeigt sie ein einfaches Conversion-Design-Pattern, das dem Designer hilft die Elemente zu Priorisieren. Neben den bekannten Niehaus Wireframes zeigt sie eine Liste von neun Faktoren, die die visuelle Hierarchie von Elementen definieren:
ConversionConference San Francisco - Tipps
Quelle: SearchEngingeLand

Video und Multimedia im E-Commerce

Patrick Bultema und John Cecil zeigten einige Beispiele innovativer Video- und Multimediaintegration (deren betriebswirtschaftlichen Erfolg sie nicht mit Testing-Ergebnissen untermauern konnten) daher fand ich viel spannender, welche potenziellen Fehler sie aufzeigten:

  1. Schlechte Auslieferung von Media – oft wird bei der Auslieferung gespart, Rich-Media ist Trafficintensiv und Konversionsraten hängen direkt an der Ladezeit, daher sollte nicht an der Auslieferung durch eine gut angebundene Plattform sparen
  2. Unpersönliche und unauthentische Darsteller – die Inhalte des Videos haben eine stärkere Wirkung auf die Menschen, eine merkwürdige Körperhaltung des Darstellers oder ein merkwürdiger Akzent können schnell zum Abbruch führen
  3. Selbst-Startende Videos – der Kontrollverlust der Nutzer ist ein massiver Abbruchgrund, Videos sollten daher erst starten, wenn der Rest der Seite geladen ist und der Nutzer auf den „Start“-Button gedrückt hat. Zur gleichen Kategorie gehört der Fehler, die Start-Stop-Lautstärke-Controls zu vergessen
  4. Video überlagert Call-to-Action – in einigen Beispielen wird klar, dass das eingeblendete Video (meist als Layer) die primäre Call-to-Action überlagert und keinen Kauf-Trigger liefert. Im Idealfall zeigen Videos am Schluss, wo die Call-to-Action-Elemente zu finden sind oder beinhalten selbst einen Button.
  5. Integration an der falschen Stelle der Dramaturgie – Videos, die zu weit oben und zu früh in der Customer-Journey starten haben wenig Einfluss oder sind sogar Rückweisungsmerkmale. Erklärende und vertiefende Informationen sollten bei Bedarf verfügbar sein, vertiefend oder parallel zur primären Information auf der Seite.

Lead Generation – Getting the Form-fill

Raquel Hirsch (wer das ConversionCamp 2010 besuchte kennt sie als Keynote-Sprecherin) präsentierte eine Case-Study zum Thema Optimierung von Lead-Generierungsformulare.

ConversionConference San Francisco - Raquel Hirsch

  1. Das Formular auf einer zweiten Seite (statt direkt auf der LP eingeblendet) bringt +20% Uplift (Visits>Leads) – viele Marketer glauben, es sei komfortabler das Formular direkt einzublenden, Nutzer hingegen sind von Formularen schnell „abgeschreckt“. Das Formular in der Dramaturgie auf der zweiten Seite zu verstecken bringt also einen klaren Conversion-Vorteil
  2. Zu viel Text über SSL und Sicherheit verunsichert Nutzer und hält sie vom Ausfüllen und Abschicken des Formulars ab – statt dessen lieber dezente Signale und Icons verwenden die implizit Sicherheit ausstrahlen
  3. Formulare brauchen eine eigene Headline – in einem Beispiel brachte die Veränderung +7%
  4. Call-to-Action mit Value-Proposition verwenden – nicht „Senden“ verwenden sondern dem Nutzer klarmachen warum das Abschicken gut für ihn ist und welcher Nutzen sich daraus ergibt „WIIFM – What’s in it for me?“
  5. Formular-Feld-Reihenfolge testen – für alle, die nicht auf weitere Felder verzichten können; die E-Mail-Adresse als Feld weiter nach oben zu bringen macht z.B. Re-Targeting möglich und erhöht (in diesem Beispiel) die Ausfüll-Conversion
  6. Keine „Reset“ oder „Felder löschen“-Buttons verwenden (Bonus-Idee für alle, die das tatsächlich noch tun)

Bryan Eisenberg: Confessions of a Conversion Rate Optimizer

Conversion-Guru und Bestseller-Autor Bryan Eisenberg beendet die ConversionConference mit einer mitreißenden Keynote, die Conversion Optimierung im größeren Zusammenhang der Geschichte und der Werbebranche bringt:

  1. David Ogilvy 1963: „In the mordern world of business, it is useles to be a creative, original thinker unless you can also sell what you create“ (ein kurzes Zitat zum Nachdenken für alle Kreativen und Agenturjünger dieser Welt von ihrem Idol, das zählen wir mal nicht als richtigen Tipp)
  2. „You have it in your power to rescue the advertising business!“ – David Ogilvy ruft in einem Video aus den Sechzigern dazu auf, mit der Geldverschwendung in der Werbung aufzuhören. Aus der heutigen Sicht der Conversion Optimierung steckt darin eine explosive Wahrheit!Anschaubefehl:
  3. Seit 2002 sinken die durchschnittlichen Konversionsraten – (Quelle: shop.org) warum? Bryan sagt: zu viele Verantwortliche sind immer noch auf der „kreativen Werberseite“ und lassen sich von Oberflächlichkeiten und Awards beeindrucken anstatt sich um den ROI zu kümmern („Seit den Sechzigern hat sich nicht viel geändert“)
  4. „Optimise Or Die“ – Online-Unternehmen, die sich nicht um ihren ROI kümmern werden in den nächsten Jahren große Probleme bekommen weil die Konsolidierung des Marktes unaufhaltsam ist
  5. „Understand the Hierarchy of Optimization“: Functional > Accesible > Usable > Intuitive > Persuasive (diese Hierarchie erklärt, warum der ROI von Usability-Projekten laut Jakob Nielsen jedes Jahr fällt, derzeit 83%)
  6. „CRO gets more Complex“ – vor zehn Jahren gab es noch LPO Projekte mit 5.400% Uplift – heute müssen tausende Optimierungs-Möglichkeiten in Prozessen priorisiert werden – Aufwand, Ressourcen, potenzieller Impact – der durchschnittliche Uplift sinkt. Effektive CROs verlangen mehr Einfluss auf die Gestaltung, IT ist der Conversion-Killer
  7. „Speed of Execution“ – die Effizienz von Optimierungsmaßnahmen leidet unter der permanent steigenden Menge und  Komplexität von: Tools (immer mehr), People (immer mehr) und Prozesse (immer mehr)
  8. „Don’t Slice & Dice“ – Bryan rät dringend davon ab, zu viele Veränderungen auf einmal zu testen.  um die Prinzipien von Ursache und Wirkung zu verstehen
  9. „Limited time and resources are the major barrier to improve conversions“ – die internen Organisationstrukturen sind der größte Conversionkiller für Unternehmen
  10. „Testing is about finding results fast“ – Unternehmen testen zu große komplexe Dinge, statt in kontinuierlichen Prozessen viele kleine permanente Verbesserungen zu erzeugen
  11. „The Conversion Trinity“ – 1) Relevance: are you relevant? 2) Value: Do I know why it is the right solution? 3) Call-to-Action: What do I have to do?

Wer Bryan Eisenberg persönlich treffen möchte (er ist einer der wenigen Menschen auf der Welt, der die Conversion-Gesetze in Bezug auf Organisationen, Prozesse und sonstige Conversion-Killer versteht) der sollte sich unbedingt auf die Warteliste für den ConversionSummit setzen – dort hält Bryan die Eröffnungs-Keynote:

André Morys

André Morys ist Gründer und Vorstand von konversionsKRAFT und beschäftigt sich seit 1996 mit der Conversion Optimierung von Websites und Onlineshops. André Morys ist Dozent für User Experience an der TH Mittelhessen und Autor des Fachbuchs "Conversion Optimierung". Er ist häufiger Sprecher und Moderator auf Konferenzen.
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