Von André Morys | Conversion Optimierung | 10 Reaktionen

Es lebe die integrale Conversion Optimierung

Zunächst: Es kotzt mich wirklich an. Zu viele Fachleute verschwenden ihre kostbare Zeit damit, ihr Fachgebiet abzugrenzen. Noch schlimmer: Sie verschwenden meine Zeit damit (wenn ich mir den Sermon anhören muss) zu erklären, was richtig und was falsch ist.

Infantile Egotrips testosterongesteuerter Profilierungsjunkies

Die einen behaupten Usability sei Esotherik, die anderen meinen Conversion Optimierung sei eine Modeerscheinung (zu diesem äußerst merkwürdigen Artikel in der IWB habe ich seinerzeit einen eigenen Blogpost geschrieben)

Ich stelle klar:

Conversion Optimierung ist nicht wirklich eine Disziplin.

Echt nicht. Conversion Optimierung ist vielleicht überhaupt keine Disziplin. Es ist ein Ziel. Und jede Maßnahme eines digital Wert-schöpfenden Unternehmens sollte das Ziel haben, Umsatz, Kundenwert oder Deckungsbeitrag zu erhöhen. Es gibt so viele unterschiedliche Wege um dieses Ziel zu erreichen, dass es anmaßend ist, einzelne Disziplinen auszugrenzen.

Ohne Usability keine Conversion

Ja, es gibt sie noch, die fehlende Bedienbarkeit. Bei Online-Shops ist sie zwar nicht mehr der wichtigste Conversion-Killer und inzwischen ist auch den Usability-Experten der Unterschied zwischen Hygiene- und Leistungsfaktoren klar geworden. Die Usability-Forschung liefert aber einen wichtigen Beitrag zur Optimierung von Websites und Onlineshops – ohne diese Forschung wären wir in Bezug auf Conversion Optimierung weit zurück.

Allen Hardcore-Zahlen-Freaks und Testing-Fanatikern rate ich: Um den Unterschied der Disziplinen zu verstehen, sollte man  einen kurzen Moment darauf verwenden, den Unterschied zwischen qualitativer und quantitativer Marktforschung zu verstehen…

Genau dort steckt der Mehrwert der Usability-Forschung. Wer die Ergebnisse aus Labs im A/B-Testing mit harten Euros validiert, der wird mit einem höherem ROI belohnt.

Aaaaaaalso gilt auch:

Ohne Web-Analyse, Zahlen und Testing keine Conversion Optimierung

Umgekehrt gilt das gleiche: Ohne harte Fakten wissen Conversion Optimierer überhaupt nicht, wo sie anfangen sollen. Das Verstehen von Businessmodellen, Wertschöpfungsprozessen und Web-Analyse sind integrale Bestandteile der Conversion Optimierung. Es geht nicht um die Frage, was dem Nutzer besser gefällt (ich habe zu oft die Widersprüche im echten Leben gesehen) sondern darum, was besser verkauft.

Deshalb ist Conversion Optimierung ohne Testing und harte Ergebnisse undenkbar. Aber: Testing versaut. Die Gefahr liegt darin, das eine oder andere Ergebnis nicht nachvollziehen zu können. Sehr schnell fangen Experten an, den Zahlen zu vertrauen ohne die Ursache zu verstehen. „Variante 24 kann doch gar nicht schlechter sein wenn sie bei Ziel A besser performt…. Egal. Wir schalten den Sieger online“. Echte Conversion Superheroes verstehen die Ursachen, sie können die Zahlen nachvollziehen.

Es liegt wohl an den Hirnhälften, den Persönlichkeiten, Erfahrungen – oder woran auch immer – dass es so unnötige Abgrenzungen gibt, denn die Stärke der Conversion Optimierung liegt in der Verbindung beider Philosophien. Usability-Experten, die Conversion Optimierung verstehen sind die besseren Berater. Conversion Optimierer, die Usability und UX verstehen, sind die besseren Conversion Optimierer.

Doch damit nicht genug.

Wo findet die eigentliche Optimierung statt? Die Liste ist also in Wirklichkeit noch viel länger.

Ohne guten Traffic keine Conversion.
Ohne ein gutes Screendesign keine Conversion.
Ohne hammergeile Texte keine Conversion.
Ohne eine starke Marke keine Conversion.
Ohne High-End-Technologie keine Conversion.
Ohne ein gutes User Experience keine Conversion.
Ohne soziale Effekte keine Conversion.
usw….

Integrale  Conversion Optimierung

Conversion Optimierung ist wie der Kitt zwischen den Fugen.

Die Kunst liegt darin, die Disziplinen mit der richtigen Methodik zu verbinden. An der richtigen Stelle die Stärken zu erkennen. Keine Disziplin lässt sich ausgrenzen.

Wer Disziplinen ausgrenzt, der reduziert die Qualität seines Outputs.

Das ist doof und macht überhaupt keine Sinn. Damit grenzen die Ausgrenzer vor allem sich selbst aus. Daher plädiere ich für den Ansatz einer integralen Denkweise, die die Vorzüge aller Disziplinen verbindet.

Also: Schluss mit Ausgrenzung. Es lebe die integrale Conversion Optimierung.

André Morys

André Morys ist Gründer und Vorstand von konversionsKRAFT und beschäftigt sich seit 1996 mit der Conversion Optimierung von Websites und Onlineshops. André Morys ist Dozent für User Experience an der TH Mittelhessen und Autor des Fachbuchs "Conversion Optimierung". Er ist häufiger Sprecher und Moderator auf Konferenzen.
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10 Reaktionen auf „Es lebe die integrale Conversion Optimierung

  1. Kurz und bündig und spricht mir aus der Seele.

    • Bäm! Da hat er es mal wieder auf den Punkt gebracht!

      Und hier ist mein Senf zu dem Artikel:

      Ich gehe so weit, zu behaupten, dass die extremen Abgrenzungsversuche nicht darauf zurückzuführen sind, dass hier „infantile Egotrips testosterongesteuerter Profilierungsjunkies“ vorliegen (was für ein Satz).

      Es zeigt vielmehr den verbitterten Kampf von Experten, die schon seit Jahren das Thema Usability für sich besetzt haben und nun erhöhten Konkurrenzdruck verspüren. Das Thema, die Disziplin oder das Ziel „Conversion Rate Optimierung“ ist noch relativ jung und erfährt einen ganz anderen Hype! Conversion Optimierer kommen vergleichsweise schnell zu Ergebnissen und können diese auch mit Zahlen belegen.

      Usability Experten haben meiner Meinung nach, jahrelang methodisch geforscht, analysiert, befragt und optimiert und somit viele Webseiten zu besseren Webseiten gemacht. Allerdings kenne ich kaum A/B oder multivariate Testergebnisse, die auf Studien basieren und veröffentlicht wurden.
      A/B oder multivariate Tests gehören bei Conversion Optimierern zum Handwerkszeug und führen immer wieder zu nachweislichen Testergebnissen mit (teilweise) wahnsinnigen Steigerungsraten. Diese Testmethoden gehören aus meiner Sicht in das Portfolio jedes Usability Kollegen!

      Die Schnittmenge dieser zwei „Welten“, die sich eigentlich ähnlicher sind, als man denkt, bildet, wie André richtig beschreibt, das Optimum. Der Zweck heiligt die Mittel, bedient Euch derer!

      • Man darf dabei allerdings nicht vergessen, dass einem tagtäglich Internetauftritte begegnen, deren Probleme häufig verstärkt im strukturellen Bereich, also oftmals der Informationsarchitektur oder dem Navigationsdesign, liegen.

        Optimierungen hier quantifizierbar zu machen, bedingt zumeist doch wieder qualitative Analysen oder Tests.

        Ohne eine gute Basis optimiert man auf sehr engem Raum.

        • … und am Ende stellt sich heraus, dass es sogar schon vor dem Internet „Konversionsoptimierung“ gab.

          • es lebe das deppen leer zeichen.

            • Vielen Dank für das wertschätzende Feedback, lieber mr!

              • @Thomas Henssler: Ja, genau! Da gibt es dieses tolle Video von David Ogily: http://www.youtube.com/watch?v=Br2KSsaTzUc&feature=player_embedded

                • Schöner Beitrag

                  • Sehr guter Beitrag und ein schönes übergreifendes Bild auf das Thema. Nur wenn alle genannten Disziplinen an einem Strang ziehen, kommt ein richtig gutes Ergebnis raus.

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