Von Manuel Ressel | Serien | 12 Reaktionen

Konversionsbooster Teil 2: Die Produktpräsentation

Die Produktpräsentation hat einen entscheidenden Einfluss auf die Konversionsrate eines Produktes. Viele Onlineshops vernachlässigen dies und konzentrieren sich auf eine ausführliche Produktinformation, einen knalligen Warenkorb-Button oder verlassen sich auf ihren „unschlagbaren“ Preis.
Doch Entscheidungen sind größtenteils irrational, von Emotionen gesteuert. Eine gelungene Produktpräsentation ist eine gute Möglichkeit eine emotionale Aktivierung auszulösen, die rationale, vorwiegend preisgesteuerte Entscheidungsprozesse beim Kunden außer Kraft setzt.
Eine gelungene Produktpräsentation kann auf verschiedenen emotionalen Ebenen den Kunden ansprechen.

1. Sicherheit

Amateurbilder von Produkten können die Echtheit der Ware in Frage stellen. Der Shop macht keinen professionellen Eindruck und strahlt keine Sicherheit für den Besucher aus. Professionelle Bilder schaffen hingegen eine Vertrauensbasis.

2. Verlangen

Eine impulsante Produktinszenierung, Zoomansicht von Details und Ansichten aus verschiedenen Perspektiven steigert das Verlangen nach dem Produkt. Bewegte Bilder können diesen Effekt verstärken.

3. Gegenseitigkeit

Produktbilder und -videos können auch informativ sein. Wieviel passt in die Tasche, wie sieht mein Notebook in dem Sleeve aus oder wie funktioniert dieses Gerät? Der Kunde hat viele Fragen. Werden diese schon durch die Produktpräsentation beantwortet erhält der Kunde sozusagen eine Beratung. Dies löst ein Gefühl der Gegenseitigkeit beim Kunden aus, der dann eher bereit ist bei diesem Shop sein Geld auszugeben.

Gelungene Beispiele

Chrome

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Chrome bietet gute und viele Produktbilder aus verschiedenen Perspektiven. Auch der informative Inhalt der Bilder ist sehr gut. So werden Rucksäcke mit Inhalt gezeigt, um dem Kunden direkt deutlich zu machen, wieviel und was alles in den Rucksack reinpasst.

Hull City AFC

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Der Fußballclub hat eine besondere Darstellung ihres kompletten Spielsets. Über Pfeile lässt sich der Spieler stufenweise um 180° drehen. Darunter werden Bilder von den Einzelteilen und Details des Sets angeboten.

Incase

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Schicke Fotos aus verschiedenen Blickwinkel mit Informationsgehalt, wie das Sleeve ohne und mit Inhalt aussieht.

Kumo

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Das Produktbild ist auf einer großen Bühne aufgespannt und integriert sich als Hintergrundbild in die Seite. So werden Produkte emotional inszeniert. Zusätzlich werden Detailaufnahmen oder Videos zu dem Produkt zur Verfügung gestellt.

La Perla

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La Perla macht keine Kompromisse und schneidet den Models im Vergleich zu anderen Shops weder Beine noch Kopf ab. Große Ganzkörperaufnahme als Emotionsverstärker ist das Ergebnis. Wer kann da noch widerstehen?

Mexx

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Auch Mexx fährt relativ große Bilder auf mit direkter Zoomfunktion und zwei Perspektiven. Leicht zu bedienen und schick anzusehen.

Musik-Schmidt

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Musik-Schmidt hat eventuell nicht die modernste Seite,  aber dafür setzen sie schon längere Zeit gekonnt Produktvideos ein. Mitarbeiter stellen in Videos die Instrumente vor, die dann sowohl im Shop bei den Produkten zu finden sind, auf YouTube veröffentlicht werden und auch auf dem Musikblog von Musik-Schmidt zu sehen sind. Der Kunde bekommt einen Eindruck vom Klang, Funktionen und der Handhabung des Instruments und gleichzeitig bekommt er noch gezeigt, dass bei Musik-Schmidt kompetente Mitarbeiter arbeiten, die sich mit den Instrumenten auskennen und hilfreiche Tipps geben können. Zusätzlich werden sogar noch Audiofiles für den genauen Höreindruck des Instrumentes angeboten.

Nort Berlin

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Man könnte fast meinen, man könnte in den Bildschirm greifen und sich den Schuh herausnehmen. Die große realistische Produktdarstellung steigert das Verlangen. Der Effekt wird durch kleinere Bilder von Detailaufnahmen verstärkt.

Scrap Graphic

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Die Zielgruppe des japanischen Shops sind Künstler und Kreative. Was liegt da näher als die Produktbilder als Kunst zu inszenieren? Momentaufnahmen mit Wasser oder außergewöhnliche Perspektiven – die Kreativität der Produktfotos trifft den Nerv der Zielgruppe.

The Affair

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Der T-Shirt Shop The Affair ist komplett in Flash umgesetzt und geht noch einen Schritt weiter als der Fußballclub Hull City AFC. Während beim Fußballclub die 180° Drehung nur stufenweise möglich ist, ist hier ein stufenloses flüßiges Drehen möglich. Das T-Shirt ist zum anfassen nah und weckt Begehrlichkeiten.

Fazit

Große professionelle Bilder wecken das Interesse am Produkt. Werden Details sichtlich wird das Produkt liebenswerter. Immer mehr Shops setzen bei der Produktdarstellung auf freigestellte Bilder und integrieren die Bilder fließender in die Seite.

Neben der emotionalen Ansprache sollte man die Informationen, die ein Bild transportieren kann nicht vergessen. Mit Bildern kann man zeigen, was in die Tasche reinpasst, wie der Blumenstrauß in einer wohnlichen Umgebung aussieht, wie ein Kunstwerk in einem eingerichteten Raum an einer Wand aussieht oder – vor allem wichtig für Frauen – wie der Schuh am Fuß aussieht. Mit solchen Bildinformationen kann man direkt Fragen des Kunden klären ohne dass dieser sich lange Texte durchlesen muss. Der Kunde bekommt eine bessere Vorstellung vom Produkt und wird in seiner Entscheidung gefestigt.

Empfehlenswert ist auch der Einsatz von Produktvideos. Der Einsatz von bewegten Bildern kann sowohl Emotionen als auch den Informationsgehalt steigern.

Welche Onlineshops haben Ihrer Meinung nach eine gelungene Produktpräsentation? Teilen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren mit.

Manuel Ressel

Manuel Ressel ist Head of UX Design bei konversionsKRAFT. Seine Leidenschaft gilt dem Thema der Emotionalisierung von Kauf-Prozessen in E-Commerce-Portalen. Manuel Ressel ist unentwegt auf der Suche nach einzigartigen Shop-Perlen und neuen Design Trends im E-Commerce und sammelt diese in dem E-Commerce Showcase conversiondesign.de. Folgen Sie ihm auf Twitter, Google+ oder Facebook.
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12 Reaktionen auf „Konversionsbooster Teil 2: Die Produktpräsentation

  1. von Webstandard-Team

    Klasse Beitrag, vielleicht wäre ein „Misslungenes Beispiel“ als Gegenüberstellung ganz interessant.

    • Das Internet ist leider voll von schlechten Beispielen ;-)Spaß beiseite: Sehr guter Artikel!

      • Das Design wird ja häufig durch die technischen Möglichkeiten des Shopsystems eingeschränkt. Deshalb fände ich es spannend, kurz das Shopsystem zur erwähnen, in welchem das Design umgesetzt wurde.

        • @ Webstandard-Team: Ich glaube nicht, dass man unbedingt „misslungene Beispiele“ gegenüberstellen muss. Anhand der verschiedenen emotionalen Ebenen von Produktbildern, die ich erläutert habe, sollte man als Shopbetreiber einen Blick auf seine eigenen Produktbilder werfen und überlegen, ob die Produktbilder die verschiedenen Ebenen abdecken.

          @Gabriel Beck: Auch wenn es ein Scherz war… Ein Fünkchen Wahrheit steckt ja schon drin. 😉

          @ A. Jahn: Ich kenne nicht zu jedem Design das passende Shopsystem. Teilweise stecken da auch Individual-Lösungen bzw. kleinere Shopsysteme von Agenturen dahinter.
          Mexx basiert auf Intershop und hebt sich allerdings bei der Produktpräsentation deutlich von anderen Shops mit Intershopbackend wie Otto oder Baur ab.
          Kumo hat ein komplett individuelles Flash-Frontend mit einem Magento-Backend.
          Moderne Shopsysteme bieten gute Möglichkeiten das System nach seinen Vorstellungen anpassen zu können. Auch kleinere, ausgefallenere Shopsystem lassen sich ansich mit etwas Aufwand anpassen. Manchmal kommt man allerdings um die Mithilfe des Shopsystembetreibers nicht herum, dann sollte man auf jeden Fall das Gespräch suchen.
          Generell sollte heutzutage ein Shopsystem einer Individualisierung nicht im Wege stehen.

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