Von Manuel Ressel | Serien | 4 Reaktionen

Konversionsbooster Teil 4: Die Kategorieseite

Die Kategorieseite ist eine der Seiten mit einem extrem hohen Potential Besucher zu verlieren und andererseits auch eine der Seiten, bei der Heuristiken, die auf anderen Seiten funktionieren nicht auch zwangsläufig bei der eigenen Webseite funktionieren müssen.
Wichtig ist es hier seine Besucher genau zu kennen und genau auf ihre Bedürfnisse und Anforderungen einzugehen.
Welche Fehler Sie machen können und an welchen Stellschrauben Sie drehen können, will ich Ihnen etwas näher bringen.

Vergleichbarkeit

Sind ihre Produkte miteinander vergleichbar? Ist der visuelle Vergleich entscheidend oder müssen Produktinformationen verglichen werden können? Hier entscheidet ihr Angebot.
Mode zum Beispiel sollte visuell vergleichbar sein. Unterschiedliche Hintergründe oder Posen der Models können die Vergleichbarkeit einschränken.
Bei elektronischen Geräten hingegen entscheidet neben dem Design auch die Technik die in dem Produkt steckt. “Erfüllt das Handy alle Funktionen, die ich benötige?”, könnte ein innerer Dialog ihrer Besucher sein. Fangen Sie diese Besucher ab und beantworten Sie ihre Fragen.

Keine Vergleichbarkeit bei Klingel: verschiedene Posen, teilweise gelegt und verschiedene Hintergründe verhindern eine gute Vergleichbarkeit der Produkte
Keine Vergleichbarkeit bei Klingel: verschiedene Posen, teilweise gelegt und verschiedene Hintergründe verhindern eine gute Vergleichbarkeit der Produkte
Gute Vergleichbarkeit bei Esprit: Gleicher Bildausschnitt, gleicher Hintergrund und eine relativ gleiche Haltung der Models sorgen für eine gute Vergleichbarkeit
Gute Vergleichbarkeit bei Esprit: Gleicher Bildausschnitt, gleicher Hintergrund und eine relativ gleiche Haltung der Models sorgen für eine gute Vergleichbarkeit
Auch eine Möglichkeit: Vodafone bietet einen Direktvergleich zwischen ausgewählten Handys. Aber Vorsicht! Nur auf diese Möglichkeit zurückgreifen, wenn Sie wie z.B. bei technischen Geräten Sinn macht. Bei Modeartikeln ist so eine Vergleichsfunktion eher unnötig, da nicht viele Parameter verglichen werden müssen.
Auch eine Möglichkeit: Vodafone bietet einen Direktvergleich zwischen ausgewählten Handys. Aber Vorsicht! Nur auf diese Möglichkeit zurückgreifen, wenn Sie wie z.B. bei technischen Geräten Sinn macht. Bei Modeartikeln ist so eine Vergleichsfunktion eher unnötig, da nicht viele Parameter verglichen werden müssen.

Varianten

Varianten eines Produktes sollten unter einer Produktkarte vereint werden. Doch die verschiedenen Varianten müssen dann auch kommuniziert werden.

Varianten bei Esprit: Unterhalb des Produktbildes werden direkt die verfügbaren Farben abgebildet. Über einen Klick auf die Farbe wechselt das Produktbild.
Varianten bei Esprit: Unterhalb des Produktbildes werden direkt die verfügbaren Farben abgebildet. Über einen Klick auf die Farbe wechselt das Produktbild.

Informationen

Wieviel Informationen benötigt der Besucher um sich für ein Produkt zu entscheiden? Diese Frage müssen Sie als Shopbetreiber beantworten können, um die richtige Menge an Informationen abzubilden, die den Besucher optimal berät und ihn dabei aber auch nicht zu sehr überfordert und ablenkt.
Hier spielt auch der Punkt “Vergleichbarkeit” eine Rolle. Die Produkte müssen mit den angebotenen Informationen vergleichbar sein.
Bei Parfums oder Medikamenten zum Beispiel ist für mich als Besucher neben der Bezeichnung, einer Abbildung und dem Preis auch der Inhalt wichtig, damit der Preis besser vergleichbar ist.
Geschickt ist es über einen Mouseover-Effekt zusätzlich Informationen unterzubringen. So können detaillierte Informationen schnell abgerufen werden, ohne dass eine sofortige Informationsüberflutung stattfindet. Man trifft also aufgrund der Grunddaten eine Vorentscheidung und kann sich schnell weitere Informationen anschauen und Produkte vergleichen ohne die Seite verlassen zu müssen.
Ausführlichere Informationen können auch über ein Quickview angezeigt werden. Genaue Produktinformationen werden in einem Layer geöffnet ohne die Seite zu verlassen.

Produktinformationen bei Douglas: Neben dem Preis und dem Inhalt wird direkt auch der Grundpreis pro 100ml angegeben wodurch die Preise leichter vergleichbar werden.
Produktinformationen bei Douglas: Neben dem Preis und dem Inhalt wird direkt auch der Grundpreis pro 100ml angegeben wodurch die Preise leichter vergleichbar werden.
Zusatzinformationen bei Ikea: Per mouseover werden zusätzlich Informationen zum Produkt eingeblendet, die wichtig sind, eine vorherige Anzeige wäre allerdings störend.
Zusatzinformationen bei Ikea: Per mouseover werden zusätzlich Informationen zum Produkt eingeblendet, die wichtig sind, eine vorherige Anzeige wäre allerdings störend.
Quickview bei s.Oliver: Produktinformationen können angesehen werden ohne die Seite verlassen zu müssen.
Quickview bei s.Oliver: Produktinformationen können angesehen werden ohne die Seite verlassen zu müssen.

Filter

Bei einem überschaubarem Sortiment sind Filter nicht dringend notwendig. Im Gegenteil können sie als störend wahrgenommen werden und den Besucher von den Produkten ablenken.
Bei einer gewissen Sortimentsgröße kommt man allerdings nicht mehr um einen Filter herum. Der Besucher muss seine Bedürfnisse genauer spezifizieren, damit die Produktübersicht überschaubar bleibt und man sich nicht in einer endlosen Produktliste verliert.

Filter bei Zappos: Zappos hat ein großes Schuhsortiment. Die FIlterung nach Stil, Schuhgröße, Farbe, Marke und Absatzhöhe erleichtert den passenden Schuh zu finden.
Filter bei Zappos: Zappos hat ein großes Schuhsortiment. Die FIlterung nach Stil, Schuhgröße, Farbe, Marke und Absatzhöhe erleichtert den passenden Schuh zu finden.

Layout

Es haben sich zwei Layoutvarianten durchgesetzt – die Listenansicht und die Gitteransicht (auch Gallerie genannt). Bei der Listenansicht werden Produkte untereinander dargestellt, während bei der Gallerie Produkte sowohl untereinander als auch nebeneinander dargestellt werden. Die Listenansicht bietet Platz für Produktinformationen und wird deshalb häufig verwendet, wenn Produktdaten verglichen werden müssen. Die Gallerie bietet einen gute visuelle Vergleichbarkeit, da man mehrere Produkte direkt vergleichen kann. Beide Layouts zeigen eine bestimmte Produktanzahl pro Seite und die Seiten können über Links geblättert werden.
Doch nur weil sich diese beiden Layoutvarianten etabliert haben, muss dies nicht zwangsläufig heißen, dass dies eine komfortable Lösung für Ihre Zielgruppe ist. Gerade das Blättern von Seiten unterbricht die Konzentration des Kunden auf die Produkte und stört den Flow des Besuchers beim Shoppen.
Zwar bieten einige Shopbetreiber als Option an alle Produkte auf einer Seite zeigen zu lassen, aber auch das vertikale Durchscrollen der Produkte ist nicht für jeden geeignet.
Einige Shopbetreiber setzen horizontale Slider ein. Das horizontale Scrollen imitiert das Feeling im Laden beim Vorbeigehen an Kleiderständern wesentlich besser. Doch Praktikabel bleibt dieses Layout nur bei bestimmten Shops mit überschaubarem Sortiment und bei der die Auswahl über das visuelle bestimmt wird wie bei Mode, Musik, Büchern etc.

Ansichtsauswahl bei o2: Listenansicht, Gallerie mit kleineren Bildern und Galerie mit großen Bildern stehen bei o2 als Ansichten zur Verfügung.
Ansichtsauswahl bei o2: Listenansicht, Gallerie mit kleineren Bildern und Galerie mit großen Bildern stehen bei o2 als Ansichten zur Verfügung.

Horizontaler Slider bei Dripping in Fat: Wie auf einer Kleiderstange sind die T-Shirts bei Dripping in Fat an einer horizontalen Linie aufgehängt und können horizontal durchgescrollt werden.
Horizontaler Slider bei Dripping in Fat: Wie auf einer Kleiderstange sind die T-Shirts bei Dripping in Fat an einer horizontalen Linie aufgehängt und können horizontal durchgescrollt werden.

Horizontaler Slider bei Mexx: Auch Mexx setzt auf horizontales Scrollen der Produkte.
Horizontaler Slider bei Mexx: Auch Mexx setzt auf horizontales Scrollen der Produkte.

Fazit

Kennen Sie Ihre Zielgruppe gut? Bei Ihrer Kategorieseite wird sich zeigen, wie gut Sie ihre Kunden kennen. Gehen Sie auf Bedürfnisse und Vorlieben ein ohne die Übersichtlichkeit außer Augen zu lassen.
So viel wie nötig und wenig wie möglich Funktionen sollte die Kategorieseite besitzen, damit der Besucher nicht mit unnötigen Funktionen überfordert wird, aber trotzdem die Möglichkeit hat schnell ein passendes Produkt zu finden.
Achten Sie darauf, dass der Besucher mit den Gedanken bei den Produkten bleiben kann ohne großartig von äußeren Einflüssen abgelenkt zu werden oder sich auf andere Sachen (wie z.B das Umblättern von Seiten) konzentrieren zu müssen.

Manuel Ressel

Manuel Ressel ist Head of UX Design bei konversionsKRAFT. Seine Leidenschaft gilt dem Thema der Emotionalisierung von Kauf-Prozessen in E-Commerce-Portalen. Manuel Ressel ist unentwegt auf der Suche nach einzigartigen Shop-Perlen und neuen Design Trends im E-Commerce und sammelt diese in dem E-Commerce Showcase conversiondesign.de. Folgen Sie ihm auf Twitter, Google+ oder Facebook.
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4 Reaktionen auf „Konversionsbooster Teil 4: Die Kategorieseite

  1. Wieder einmal ein Artikel, der wesentliche Aspekte trefflich zusammenfasst!

    Ergänzend möchte ich anfügen, dass ich es gut und benutzerfreundlich finde, wenn Kategorieseiten dem Burger King Whopper-Motto folgen: „Have it your way“. Jeder Nutzer sollte sich seine Darstellungsweise selbst aussuchen können: In unserem Shop gibt es eine durch den Benutzer einstellbare Listenlänge und die Möglichkeit zwischen Galerie- und Listendarstellung hin und her zu wechseln. So kann jeder in seinem Lieblings-Anzeigemodus surfen.

    Außerdem setzen wir Filter und Mouseover-Zusatzinfo-Kästen ein. Zu diesen Punkten kann ich Manuel Ressel nur zustimmen.

    Allerdings würde ich jedem Shopbetreiber empfehlen, eher Darstellungskonzepte zu wählen, die nah an erlernten und vertrauten Standards liegen. Ich bin mir nicht sicher, ob unerfahrene oder ältere Nutzer beispielsweise mit Slidern gut klarkommen. Natürlich hängt diese Entscheidung immer auch von der Zielgruppe ab, an die sich ein Shop richtet.

    Grundsätzlich gilt meines Erachtens aber auch: Was simpel ist und von Älteren gut verstanden und bedient werden kann, entlastet auch das jugendliche Hirn und trägt zu einem angenehmen Einkaufserlebnis bei.

    Bekanntlich ist dies genau das Rezept für hohe Konversionsraten: Der Mensch fühlt sich immer dann wohl, wenn das Gehirn im „Automatik-Modus“ fliegen kann und nicht angestrengt werden muss.

    • Hallo Herr Rothe,
      danke für das Feedback. Ich stimme Ihnen zu, wie ich auch schon geschrieben habe, sind horizontale Slider nicht für jeden Shop bzw. dessen Zielgruppe geeignet. Allerdings darf man keinesfalls die Lernfähigkeit der Benutzer unterschätzen.
      Ist eine Lösung intuitiv und leichter nutzbar als ein gelerntes System würde ich auf jeden Fall einen Test empfehlen, wie die alternative Lösung angenommen wird. Pauschal würde ich mich keinesfalls auf das gelernte System verlassen, denn wenn dies nicht die optimale Lösung für Ihre Zielgruppe ist, entgeht Ihnen schlichtweg einiges an Umsatz.

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