Von Susanne Seibold | Hintergründe News Trends | 5 Reaktionen

OMG – Ich muss kaufen!!!

„OMG OMG BIN SO FROH“
*Tief einatmen* Nein, ich muss das jetzt nicht kaufen… *Tief ausatmen“
„argh… es wird immer verführerischer – meine arme Kreditkarte *seufz*“

Nö, hier handelt es sich nicht um das neue Album einer angesagten Rockband. Es geht tatsächlich um einen Onlineshop, der in den letzten Wochen für reichlich Furore sorgte. asos.de ist seit dem 28. Oktober mit einem riesigem Angebot an trendiger Mode auch für die deutschen Fashionistas einfacher zugänglich.

Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen hat bislang eine fast beispiellose Erfolgsgeschichte hingelegt. Neben einem eigenem Damen- und Herrenlabel bietet der Shop ein vielfältiges Spektrum an stylishen und angesagten Marken. Von bezahlbaren Einzelstücken bis hin zu angesagten Designer-Teilen widmet sich das Angebot von asos hauptsächlich und nach eigener Aussage an trendbewusste Menschen zwischen 16 und 34 Jahren.

Die Reaktionen auf den Deutschlandstart können innerhalb der Zielgruppe kaum positiver sein. Alle Trendsetter und die, die es werden wollen können es kaum erwarten in der „größten Garderobe der Welt“ zu shoppen.

asos Startseite

Ich frage mich, warum dieser Shop eine solche Faszination auslöst.
Zum einen ist es sicherlich der Markenhintergrund und die Geschichte des Unternehmens. Schritt für Schritt und doch schneller als manch andere wurden neue Wege ausprobiert. Sowohl in der Sortimentspolitik als auch im Online-Marketing. Über die Jahre hinweg konnte sich asos ein glaubwürdiges und in Sachen Fashion richtungsweisendes Image aufbauen. Doch lassen wir diese nicht unwichtigen Aspekte ausser Acht und widmen uns dem Onlineshop, so besticht dieser vor allem durch ein minimalistisches Design – nicht gerade unverwechselbar. Während uns die Startseite mit diversen Location Shots mitteilt, dass wir auf der Website viel Fashion und vielseitige Styles erwarten können, wirkt der Rest hingegen nüchtern und auf das Wesentliche bezogen. Klassische Shopelemente wie etwa ein gut sichtbarer Warenkorb oder Preishinweise auf der Startseite werden gänzlich ignoriert.

Sind das etwa die Erfolgsgeheimnisse des Shops an sich?
Ich denke, dass sich hier tatsächlich das ein oder andere Erfolgsindiz versteckt. Asos verzichtet gewollt auf farbige Flächen oder gezielt stark hervorgehobene Navigationselemente. Bis auf den Warenkorb (und hier macht es schließlich am meisten Sinn) sind Hintergrund und Text im schlichten Schwarz/Weiß-Stil gehalten. Sogar der Preis hebt sich nicht sonderlich ab.

Steigt man tiefer über eine Kategorie ein, so wirkt sich das minimalistische Design durchaus positiv aus. Hier stehen die Produktabbildungen im Vordergrund und die User können all ihre Energie auf die Produkte richten, ohne großartige Ablenkung. Die Abbildungen sind auf den Produktübersichten bereits so groß, dass man sich einen guten ersten Eindruck verschaffen kann. Ja, hier ist die Größe entscheidend darüber, ob das stöbern oder shoppen als angenehm oder unangenehm empfunden wird. Millimeter können ausschlaggebend sein.

asos Produktübersicht

Unter den Produktabbildungen finde ich ein weiteres Detail:
Eine Kurzinformation, die auf besondere Produktmerkmale aufmerksam macht. Neben den Standards wie beispielsweise Markenname, Produktart und dem Preis erfährt man hier weitere wichtige Informationen, wie bspw: „Lederjacke mit asymmetrischem, aufgesetztem Reißverschluss“.

Produktberschreibung

Warum diese zusätzlichen Produktinformationen an dieser Stelle so wichtig sind, lässt sich leicht beantworten: Anhand der verkleinerten Produktabbildungen sind derartige Produktdetails oftmals nicht sofort erkennbar. Der Shop weist bereits an dieser Stelle auf wichtige Produkteigenschaften hin, die man der reinen Abbildung oft gar nicht so entnehmen kann.

Will man lediglich stöbern, so können bis zu 1.500 Produkte in einer Kategorie schon mal leicht überfordern. Bei dieser riesigen Auswahl würde ich mir wünschen, dass man sich einzelne Produkte markieren oder merken kann. Ja ich weiß, die gute alte Merkliste hat bei vielen langsam ausgedient, doch es reicht schon ein kleines Icon unter der Abbildung, welches ein Abspeichern der Auswahl ermöglicht. Nicht anders entscheiden wir so auch oft in Klamottenläden: Unentschlossen halten wir zwei, drei, vier Shirts in der Hand und gehen in Gedanken die Vorzüge des einen gegebenüber dem anderen durch, bevor wir uns dann mit den Auserwählten in die Umkleide begeben. Und das was sich in der Umkleide abspielt, spiegelt uns auf Online-Modeshops die Produktdetailseite wieder: hier probieren wir das Produkt an und sehen uns in Gedanken damit schon auf der nächsten Party tanzen. Dieser Gedanke wird auf asos.de gefördert: ein Highlight des Shops sind definitiv die Inhalte der Produktdetailseiten. Per Video können sich die User die Produkte auf dem Onlineshop-Catwalk ansehen.

Dieses Feature habe ich bereits in einem älteren Beitrag erwähnt, da ich der Meinung bin, dass es sich hier (noch) um ein Begeisterungsmerkmal handelt.

asos Produktdetailseite

Fazit:
Unter anderem werden bestimmte Crosselling-Features wie „Andere Kunden kauften auch“ kaum noch wahrgenommen geschweige denn gewollt. Ich habe in Laboren oft miterlebt, dass diese sogar mit „Manipulation“ assoziiert werden. Hier keimt das Gefühl, dass diese Vorschläge keinen Kunden- sondern Absatzorientierten Zweck verfolgen. Es gibt als noch ein paar Abzüge in der B-Note.

Auch wenn man es dem Shop auf dem ersten Blick nicht unbedingt ansieht, dahinter verbirgt sin ein stark präsentierter Content mit einem guten Ansatz zur Produktpräsentation.

Susanne Seibold

Susanne Seibold untersucht Online-Shops mit Fokus auf die emotionale Wahrnehmung innerhalb der Zielgruppe. Ihre Leidenschaft gilt dem Joy of Use von Online-Shops und Communities.
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    5 Reaktionen auf „OMG – Ich muss kaufen!!!

    1. HallO Susanne,

      hatte ich ebenfalls beleuchtet und bis begeistert:

      http://mode-und-schuhe.blogspot.com/2010/11/asos-startet-in-deutschland-durch.html

      LG

      David

      • Huhu Susanne… da lese ich wie immer den Blog und will nur mal kurz gucken gehen, wie gut mir die Seite gefällt. Kann ich die Kreditkartenrechnung an euch weiterleiten? 😉 Leider wirklich sehr nette Seite!

        • Hm also ich finde Upsells ala „andere kauften auch“ etc. oft recht hilfreich um Alternativen zu einem Produkt zu finden. Sehe darin nicht direkt einen Manipulationsversuch – zumindest in den meisten Fällen nicht.

          • Hey,
            @David: schöner Artikel – danke!
            @Babett: neee, leider nicht… aber wir können zusammenlegen und fragen ob wir bei asos einen Mengenrabatt bekommen 😉
            LG, Susanne

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