Von André Morys | Hintergründe | 5 Reaktionen

Die wichtigsten Megatrends im E-Commerce

Haben Sie es eigentlich gemerkt? Die Spielregeln haben sich schon vor 10 Jahren geändert. Schon längst leben wir in einem neuen Zeitalter. Das merken wir daran, dass immer wieder große und renommierte Unternehmen in Schwierigkeiten kommen, die die neuen Spielregeln noch nicht beherrschen.Sie haben doch nicht etwa diese Seite angeklickt, weil das Wort „Megatrend“ im Titel stand? Seien Sie ehrlich… sehr gut. Denn das ist der Beweis, dass es gar keine Megatrends gibt… sondern dass die Gesetze der menschlichen Wahrnehmung und Handlung auf Prinzipien beruhen, die sich langfristig nur sehr wenig ändern.

Hier kommt daher mein persönlicher Megatrend Nr. 1:

Web 2.0 existiert nicht.

Der Begriff „Web 2.0“ ist das Eingeständnis, die neuen Spielregeln nicht schnell genug verstanden zu haben. Web 2.0 ist das Geständnis, dass es Web 1.0 gab. Aber: Web 1.0 ist bloß der un-erfolgreiche Versuch, die Regeln von Werbung und Marketing aus dem vergangenen Jahrhundert auf das Internet anzuwenden. Dabei kommunizieren Menschen im Internet wie reale Menschen – jeder mit jedem. Und nicht mehr „top down“ wie im Zeitalter der Massenmedien.

Web 2.0 meint nicht, dass sich das Internet geändert hat. Wir beginnen aber nach vielen Jahren, es nur ansatzweise zu verstehen.

Es gibt keine Megatrends.

Jeff Bezoz, Gründer von amazon, meinte dazu im  Harvard Business Manager „Wir (bei amazon) fragen uns, was sich in den nächsten 20 Jahren garantiert nicht ändert. Das ist die stabile Grundlage für erfolgreiche Geschäftsmodelle“. Eine weise Einstellung – wenn Sie in der Realität berücksichtigt wird.

Megatrend Beispiel Nr. 1: „Social Commerce“. Social Commerce ist kein Megatrend. Die Mechanismen des Social Commerce basieren auf natürlichem menschlichen Verhalten – seit Jahrhunderten verlassen sich Menschen auf die Erfahrungen anderer Menschen. Daher ist es kein Megatrend. Das Internet macht es nur neuerdings möglich, dieses Verhalten zu steuern, zu analysieren und transparent zu machen. Das ist neu – aber kein „Trend“ – den Trends kommen und gehen, das Prinzip hinter Social Commerce wird aber nicht vergehen.

Noch ein Beispiel: Live-Shopping. Ist auch kein Megatrend, weil Menschen schon immer das begehrlich fanden, dessen Ressourcen begrenzt sind. Salz, Gold, Öl oder rote Sportwagen aus Italien – eine Begrenzung der Ressourcen schafft seit Jahrhunderten Begehrlichkeit und steigert den Marktwert von Gütern.

Die neue alte Spielregel heißt: Menschen verstehen.

„Das Verstehen muss dem Beherrschen voraus gehen“ – dieses Zitat ist so alt, dass ich den Autor schon gar nicht mehr kenne. Die Spielregeln des neuen Jahrhunderts legen mehr denn je zu Grunde, Menschen zu verstehen. Ihre Entscheidungsprozesse. Ihre Wahrnehmungsmechanismen, Motive, Erwartungen und Bedenken.

Wie kommunizieren Menschen? Wie bilden sie sich eine Meinung? Wer das verstanden hat, kann im digitalen Zeitalter viel Geld verdienen.

Die Antworten liegen in der Natur der Dinge.

Wer noch in Megatrends denkt, wer an Epochen und Veränderungen aus dem Zeitgeist heraus denkt, der hat die Natur der Dinge und die langfristig gültigen Mechanismen noch nicht hinterfragt. „Was wird sich so schnell nicht ändern?“ Die meisten erfolgreichen Prinzipien ändern sich nicht – sie werden nur in neue Medien, Kanäle oder Dimensionen gebracht.

Eine spannende Lektüre hierzu: Die 16 Basismotive von Reiss, auch Reiss-Profile genannt, erklären den Erfolg beinahe jeder „Web 2.0-Idee“ – egal ob Facebook, Twitter oder Soccial Commerce.

Auch wenn sich einzelne Parameter ändern – im Kern geht es um den Menschen – und der funktioniert prinzipiell genau so wie vor hunderten Jahren. Basismotive ändern sich nicht so schnell.

Wer mit seinem Geschäftsmodell darauf aufsetzt wird langfristig Erfolg haben können.

Was ist Ihre Meinung zu Megatrends, Hype und Web 2.0? Schreiben Sie einen Kommentar!

André Morys

André Morys ist Gründer und Vorstand von konversionsKRAFT und beschäftigt sich seit 1996 mit der Conversion Optimierung von Websites und Onlineshops. André Morys ist Dozent für User Experience an der TH Mittelhessen und Autor des Fachbuchs "Conversion Optimierung". Er ist häufiger Sprecher und Moderator auf Konferenzen.
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5 Reaktionen auf „Die wichtigsten Megatrends im E-Commerce

  1. von Stefan Nievelstein

    Ich habe mich immer gefragt, was hinter diesem Web 2.0 steckt. Im Grunde genommen habe ich es als „Mitmach-Internet“ Verstanden. Doch im Grunde genommen ist dies ja auch nicht neu. Hießen früher solche Seiten noch Foren und Chats und Flirtseiten, heißt es heute Social Networking. Neuer Name, gleicher Inhalt. Zugegeben, die Ausprägungen mögen etwas zielgerichteter sein, aber der Grundgedanke ist, wie in diesem Artikel sehr schön dargestellt, alles andere als neu. Es ist das Menschsein an sich.

    Sehr guter Beitrag, der den „Megatrend“ Web 2.0 vom hohen Ross herunterholt.

    • Ein interessanter Artikel, der einen unerwarteten Ansatz über die Motive eines Menschen ins Feld führt. Wer die Erkenntnisse von Steven Reiss nutzen will um seine Basismotive kennenzulernen sollte uns kontaktieren: http://www.institut-fuer-lebensmotive.de

      • Danke für den Kommentar – aber bitte nicht falsch verstehen: Die Ideen, die hinter Web 2.0 stecken halte ich für gut und richtig. Das Brim-Bam-Borium rund um sngebliche Megatrends halte ich allerdings für falsch. Es überleben die Dinge, die sich so schnell nicht ändern.

        • Web 2.0 ist eine Erfindung von irgendwelchen Menschen. Ich persönlich halte von dem Begriff nix., Das Internet entwickelt sich eben stetig weiter. Das zu nummerieren wäre doch blöd 😀

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