Von André Morys | News | 3 Reaktionen

Conversion Conference West 2011: 21 Learnings aus San Francisco

Der erste Tag der Conversion Conference 2011 West war voll gepackt mit Highlights zu Themen wie

  • Social Media
  • Persuasion
  • Advanced Testing und
  • CRO in großen Unternehmen.

Wem der 11 Stunden Flug ins regnerische Kalifornien zu weit war, der findet hier die 21 wichtigsten Learnings der Conversion Conference an Tag 1:

Keynote: Tim Ash über Conversion Optimierung und Social Media

Conversion Conference 2011

  1. Likes sind Micro-Conversions und haben einen Wert – wer arbeitet bereits systematisch an der Optimierung dieser Micro-Conversions? Wer kennt ihren Wert? Wer errechnet den ROI?
  2. Es gelten die gleichen Conversion-Regeln für Social Media, Konsistenz, Relevanz, Wert, Klarheit, etc. sind die gleichen Trigger die dazu führen, dass Menschen auf ein „Like“ oder „Share“ klicken.
  3. Es braucht klare Trigger – Tim zitiert BJ Foggs Behaviormodel (Action = Motivation * Ability * Trigger) – auch auf Social Media Seiten muss das „What’s in it for me?“ klar formuliert sein
  4. „Fight the Filter“ – facebook filtert 98.2% des Content auf der Zeitleiste aus, analog zu SEO, wo nur noch 5% auf die zweite Seite klicken rät Tim zu einer Strategie, die er als Massive Content Domination bezeichnet; Inhalte müssen immer wieder aufbereitet und neu „verteilt“ werden um die Zielgruppe zu erreichen
  5. Richtig Messen – zu viel Beachtung finden nach Tims Meinung die absolten Zahlen (z.B. Anzahl der Fans), es geht jedoch nicht nur um Quantität sondern auch um Engagement (also wäre die richtige Metrik Reichweite * Engagement, oder?)
  6. „Humanize the Experience“ – bei Social Media geht es um die Menschen und nicht die Technologie, es braucht authentische Contents, echte Menschen die schreiben und echte zwischenmenschliche Kommunikation statt „Marketing-Blabla“

Brain Stuff: Susan Weinschenk über Neuro Webdesign

Susan ist Autorin des Buchs „Neuro Web Design“ und sprach über die Unterbewussten Trigger der Konsumpsychologie. Vorträge wie dieser sind einer der Gründe, warum es sich lohnt zu Konferenzen in die USA zu reisen – der Reifegrad der Sichtweisen auf Aspekte der Konsum- und Verkaufspsychologie ist deutlich weiter. Susan sprach über die wichtigsten Trigger aus der Konsumpsychologie, unter anderem:

  1. Menschen orientieren sich an anderen Menschen – „Social Proof“ ist einer der stärksten Trigger der Konsumpsychologie. Beispiele: Mozilla schreibt auf der Firefix-Downloadseite, dass Firefox bereits zig-Milliardenmal herunter geladen wurde („dann muss das ja gut sein“)
  2. Wenn es weniger Kekse gibt, sind sie leckerer – „Scarcity“ (Verknappung) ist ein Trigger, der unser Verhalten sehr stark prägt. Unsere unterbewussten Prozesse haben Angst, nichts mehr abzubekommen („Noch 1 auf Lager“) und beschleunigen die Entscheidung
  3. Auswahl ist gut – zu viel Auswahl ist manchmal schlecht – Menschen bleiben an einem Tisch mit 26 Marmeladensorten stärker hängen, kaufen aber mehr bei einem Tisch mit nur sechs Marmeladensorten. Bei zu viel Auswahl treffen Menschen überhaupt keine Entscheidung (Was heißt das für unendlich scrollende Kategorieseiten?)
  4. Bilder und Geschichten wirken Wunder – unser „Mittelhirn“, d.h. der Bereich, der für die Verarbeitung von Bildern und Geschichten verantwortlich ist, spielt auch eine große Rolle bei Entscheidungen – daher ist der Einsatz von Bildern mit Menschen und deren Geschichten immer etwas sehr konversionsförderndes (so lange die Bilder und Geschichten authentisch sind)

Advanced Testing: Eric J. Hansen (Sitespect) über MVT bei Mozilla.com

Eric gab wertvolle Einblicke in fortgeschrittene Test-Strategien und deutlich tiefer gehende Tests als bei der üblichen Landingpage Optimierung üblich. (Anm. für alle, die Sitespect nicht kennen: Sitespect ist derzeit das einzige Tool, dass über eine Proxy-Einbindung den Datensctrom manipluieren kann sodass auch ausgefallene Tests und Manipulationen möglich sind, z.B. zu Ladezeiten)

  1. Kontinuierliche Verbesserung als Unternehmensstrategie – Unternehmen wie Mozilla haben in 2009 noch Testing gelegentlich eingesetzt und sich über Uplifts gefreut, inzwischen ist Kontinuierliche Optimierung als Prozess mit langfristigen Zielen vom Management als Ziel angeordnet
  2. Niemals zufrieden geben – die Download-Conversion der Firefox Download Website beträgt 80% (Mozilla fragt sich, warum 20% nicht laden – sehr gut!)
  3. Dutzende Tests sind manchmal nötig, um ein Resultat zu erzielen – viele Veränderungen führen nicht zu signifikanten Ergebnissen. Nicht aufgeben, weiter testen.
  4. Lerne aus Tests und gehe Dingen auf den Grund – war es das aufgeräumte Layout oder die bessere Ladezeit? Mozilla hat weiter getestet und herausgefunden, dass 46% niedrigere Ladezeiten die CR nochmals nochmals um 15% verbessern.

Conversion Optimierung in großen Unternehmen

In dieser Session lieferten die CRO-Verantwortlichen großer internationaler Konzerne (Mattel, Realplayer, Symantec) wertvolle Erfahrungsberichte und Einblicke in ihre Stratgien und Themen als Conversion Verantwortlicher. Die wichtigsten Erkenntnisse waren:

  1. „Understand IT cycles“ – Veränderungen müssen in Releases organisiert werden, CRO braucht schnellere Prozesse – Verstehe und Optimiere IT Prozesse
  2. „Optimize the speed of execution“ – die Geschwindigkeit der Prozesse wird zum strategischen Marketing-Erfolgs-Faktor
  3. „Get the word out“ – zu wenige Menschen sind in die Optimierung und ihre Effekte involviert, die Aufgabe des „Chief Conversion Officers“ muss es daher sein, so viele Menschen und Abteilungen zu integrieren (es gibt tatsächlich Firmen, bei denen selbst der Hausmeister auf Testergebnisse wettet)
  4. „Avoid IT where possible“ – es wird jedem schnell klar, dass wenn Geschwindikeit ein Erfolgsfaktor ist, dann verringern zu komplexe Prozesse den Erfolg. Große Unternehmen setzen daher Technologien ein, um Landingpages etc. „auf der grünen Wiese“ zu testen
  5. „Roll out internationally“ – CRO Verantwortliche müssen Prozesse und Strategien entwickeln, um Learnings international auszurollen die auch interkulturelle Aspekte und Unterschiede berücksichtigen
  6. „Know the Stakeholders“ – in großen Organisationsstrukturen wird es zum Überlebensfaktor die Ziele, Zuständigkeiten und Abhängigkeiten aller internen Stakeholder zu kennen und zu berücksichtigen
  7. „Be prepared for changing the course“ – Ziele basieren auf Strategien und Strategien verändern sich. Als Conversion Optimierer eines großen Konzerns sollte man darauf schnell reagieren können und Teststrategien und KPIs anpassen können.

Internationale Conversion Alliance gegründet

Im Rahmen der Conversion Konferenz haben WiderFunnel, multiplica, Conversion Factory, Conversionista! und Web Arts ein internationales Netzwerk gegründet. Mit insgesamt 115 Conversion-Experten in 15 Büros ist dies die weltweit größte Ressource für internationale CRO Projekte. Die Ziele der Alliance

  • Netzwerk für Lokalisierung internationaler Projekte
  • Sicherstellung von Qualitätsfaktoren für CRO Projekte
  • Austausch von Expertenwissen auf globaler Ebene
  • Gemeinsame Forschung und internationale Studien

Global Conversion Alliance

Zugang zu den Services ist zunächst nur über die Mitglieder möglich.

Morgen folgt Teil 2 mit der Berichterstattung zu zweiten Tag und weiteren Themen, u.a.:

  • Mobile CRO (sehr spannend – Heuristiken für Apps und mobile Websites)
  • Formularoptimierung (Techniken für mehr Leads)
  • Personas, Cognitive Styles, Conversion Design
  • „Confessions“ von Bryan Eisenberg

André Morys

André Morys ist Gründer und Vorstand von konversionsKRAFT und beschäftigt sich seit 1996 mit der Conversion Optimierung von Websites und Onlineshops. André Morys ist Dozent für User Experience an der TH Mittelhessen und Autor des Fachbuchs "Conversion Optimierung". Er ist häufiger Sprecher und Moderator auf Konferenzen.
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3 Reaktionen auf „Conversion Conference West 2011: 21 Learnings aus San Francisco

  1. You rock it, man! Danke für das Update, viel Erfolg und viele Kontakte. Dass der gute Herr Morys selbst einen einwandfreien Vortrag in SF hingezaubert hat (zumindest was man so auf Twitter liest), das hat er mit keiner Silbe erzählt 😉

    • Toller Bericht, vielen Dank! ich freue mich schon auf Teil 2.

      • Hallo Moritz, wie hast Du das denn herausgefunden 🙂 Vielen Dank für die Blumen…

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