6 Pfeiler für eine erfolgreiche mobile Strategie

 Für Unternehmen wird es immer wichtiger, sich mit einer mobilen Strategie auseinander zu setzen. Ohne mobile Website geht es nicht mehr. Besser noch: eine App! Es drängt sich der (berechtigte) Verdacht auf, dass jede Firma in irgendeiner Form mobil erreichbar sein muss. Welche Form ist aber die Richtige? Nach welchen Kriterien wird die mobile Strategie gewählt um die angestrebten Ziele zu erreichen?

Mobile ist nicht der kleine Bruder des Internet. Vielmehr gilt es, das World Wide Web als Ganzes zu betrachten. Dem Nutzer ist es egal, welches Gerät er nutzt um an seine Informationen zu gelangen. Darum ist „Mobile“ kein Buzzword sondern eine wichtige und interdisziplinäre Kommunikationsstrategie im Marketing-Mix.Wann ist im mobilen Sektor der Break-Even-Point erreicht, so dass sich die Investition in eine mobile Webseite oder Strategie amortisiert und für die Marke bzw. das Unternehmen rentabel wird?

Die Zielgruppe – Mobile Nutzer ticken anders

Wichtiger als eine mobile Webseite oder App zu entwickeln ist es, seine Kunden und Zielgruppe zu kennen. Anhand dieser Kenntnis lässt sich ableiten, ob eine mobile Strategie sinnvoll ist. Mit fundierten Kenntnissen lassen sich nicht nur die richtigen Mittel wählen, sondern diese auch zielgerichtet abstimmen. Es taugt nichts, seine Webseite 1:1 auf das Smartphone zu übertragen. Hier lauert die nächste Stolperfalle, denn nicht alle Besucher Ihrer Seite nutzen das Smartphone sondern gegebenenfalls auch ein Tablet oder das Notebook. Finden Sie nicht nur heraus, welchen Gerätetyp ihre Kunden nutzen, um an bestimmte Inhalte zu gelangen, sondern betrachten Sie auch die Umstände und Örtlichkeiten unter denen sie nachgefragt werden – ein Smartphone kann schließlich überall eingesetzt werden. Kunden verwenden gerne unterschiedliche Touch-Points um mit Ihrem Unternehmen in Verbindung zu treten. Diese sollten natürlich bedient und voll ausgeschöpft werden.

International agierende Unternehmen müssen sich den Gepflogenheiten des jeweiligen Landes unterwerfen. So kann die Verteilung der Betriebssysteme und Geräte in Europa anders aussehen, als in den USA.

Folgende Fragen sollten Sie für sich beantworten:

  • Welchen Inhalt möchten Sie zur Verfügung stellen?
  • Sind die Inhalte auch relevant für mobile Nutzer?
  • Welche Endgeräte nutzen Ihre Kunden?

Der quantitative Schatz – Analytics Daten

Einer der wertvollsten Schätze für die Entscheidungsfindung bei der Frage nach einer mobilen Strategie sind Analytics Daten. Mit ihnen kann eindeutig identifiziert werden, wie viele Zugriffe bereits über mobile Geräte auf Ihrer Seite erfolgen und mit welchen Geräten die Webseite aufgerufen wird:

Google Analytics Daten - aufgeschlüsselt nach Betriebssystem. Hier sind iOS und Android relevant.

Google Analytics Daten – aufgeschlüsselt nach Betriebssystem. Hier sind iOS und Android relevant.

Fragen, die bei der Analyse hilfreich sind:

  • Welche Inhalte werden mobile nachgefragt?
  • Gibt es Präferenzen der Nutzer bei Betriebssystemen und Geräten?
  • Welche Bildschirmauflösungen werden genutzt?

Definieren Sie Ziele!

Vielerlei Ziele können mit einer Webseite verfolgt werden. Sei es die reine Bereitstellung von Informationen, die Lead Generierung oder das Verkaufen von Produkten. Seien Sie sich im Klaren darüber, ob die Ziele einer Desktop Webseite die gleichen sein sollen, wie die einer mobilen Seite.

Mit einer mobilen Strategie können Neukunden gewonnen oder die bereits bestehende Kundenbindung gestärkt werden. Auch plattformübergreifende Kampagnen sind eine Möglichkeit, mit den Kunden zu interagieren. Darum ist zu erörtern, über welchen Geräte-Kanal der Kunde sinnvoll angesprochen und ggf. weiter geleitet werden kann. Apps dienen nicht zur Neukundengewinnung, denn die Marke nach der gesucht wird, muss bekannt sein. Der Kunde sucht also nicht im App Store nach seinem Anliegen, sondern eher mit Hilfe einer bekannten Suchmaschine im Browser. Für Kundenbindung hingegen kann eine App durchaus Vorteile bringen.

Der Audi Konfigurator im Vergleich: Auf der Tablet optimierten Webseite findet der Nutzer lediglich rudimentäre Anpassungsmöglichkeiten. Die beinhaltet dagegen die volle Bandbreite an Optionen.

Der Audi Konfigurator im Vergleich: Auf der Tablet optimierten Webseite findet der Nutzer lediglich rudimentäre Anpassungsmöglichkeiten. Die App beinhaltet dagegen die volle Bandbreite an Optionen.

Ein Beispiel: Hersteller von Automobilen verwenden gerne Auto-Konfiguratoren auf ihrer Webseite. Die potenziellen Kunden stellen sich ihr Traumauto zusammen und wählen die gewünschten Komponenten. Überträgt man diese Funktion auch auf ein Smartphone? Hier wäre eine App für das Tablet beispielsweise sinnvoller. Die Verwendung kann in aller Ruhe auf der Couch durchgeführt und mit Freunden beraten werden. Ganz anders auf dem Smartphone. Was will der Nutzer, wenn er die Webseite des Herstellers mit dem Smartphone aufruft? Er wird einer anderen Motivation folgen und vielleicht Händler in seiner näheren Umgebung suchen um direkt mit dem Handy eine Probefahrt zu vereinbaren.

Sie sehen also, nicht jedes Medium muss als „eierlegende Wollmilchsau“ verwendet werden. Es ist vielmehr die Kunst zu verstehen, in welcher Situation zu welchem Medium gegriffen wird und darauf agil zu reagieren.

Technische Realisierung

Die technische Umsetzung will gut durchdacht sein. Es gibt verschiedene Ansatzpunkte, die umstritten diskutiert werden. Soll nun eine mobile Webseite mit responsive Webdesign erstellt werden, erfordert dies auch eine neue Konzeption der Webseite. Auch das verwendete CMS sollte dafür gewappnet sein, die Webseite passend zum Endgerät auszuspielen. Ladezeiten dürfen dabei nicht außer acht gelassen werden. Sind diese nicht optimiert, wird eine zu lange Wartezeit vom Nutzer abgestraft und zum echten Conversionkiller.

Um den Erfolg zu messen, müssen geeignete KPIs definiert und die dazugehörigen Tracking Methoden implementiert werden. Nur so lässt sich belegen, ob die gewählte Strategie erfolgreich ist oder eine Überarbeitung benötigt.

Entscheiden Sie sich zur Umsetzung als App, rutschen sie eventuell in ein noch größeres Pflege-Aufwand-Dilemma. Schließlich müssen alle gängigen Betriebssysteme der Tablets und Smartphones bedient und stetig auf dem neusten Stand gehalten werden. Das erfordert ein erhöhtes Kontingent an Ressourcen, die sich ausschließlich um die Wartung einer App kümmern.

Die App von Modomoto nutzt einen internen Browser für die Darstellung. Somit sind die Inhalte der Webseite nicht mobile optimiert und lassen sich schlecht lesen.

Die App von Modomoto nutzt einen internen Browser für die Darstellung. Somit sind die Inhalte der Webseite nicht mobile optimiert und lassen sich schlecht lesen.

Hybrid Apps müssen im Store herunter geladen werden, greifen aber die Informationen aus dem Internet ab und sind nur bedingt offline zu gebrauchen. Eine Hybrid App kann den zusätzlichen Aufwand der Pflege ersparen, da nicht die App sondern die Seiteninhalte aktualisiert werden müssen. Dennoch sollte die App nicht nur ein erweiterter Browser sein. Als negatives Beispiel dient hier Modomoto. Die App lässt eine einfache Verwaltung des Kundenkontos zu. Will der Nutzer aber sein persönliches Outfit festlegen, wird der App interne Browser mit der regulären Webseite geöffnet. Dies hat zu Folge, dass die Darstellung nicht optimiert ist und die Erwartungen des Kunden hier nicht erfüllt werden.

 

Kontinuierlicher Fortschritt

Die Medien „Mobile“ und Internet entwickeln sich rasant. So wurde das Thema Mobile seit dem Jahr 2011 von einem Hype regelrecht zu einem Pflichtprogramm. Darauf muss das Unternehmen gefasst sein und beinahe ein eigenes Team bereitstellen, um für Trends sowie die wachsende Anzahl an Geräten gewappnet zu sein.

Mobile Kampagnen können zur Stärkung der Marke verwendet werden. Unterschiedliche Techniken wie bspw. Geo-Tracking schlagen sich in neuen Möglichkeiten in der Kundenkommunikation nieder. Diese müssen aber auch korrekt und in einem sinnvollen Nutzungskontext angewendet werden. Aktuelle technische Features sind beispielsweise:

  • Couponing über Apps
  • Location Based Services, welche den aktuellen Standort des Nutzers einbeziehen
  • QR Codes um eine URL oder Landingpage schnell zu erreichen
  • E-Mails jederzeit abrufen zu können, also Newsletter zu empfangen

Ressourcen frei stellen

Für ein solches Projekt sind enorm viele Ressourcen notwendig, welche eng als Team zusammen arbeiten müssen. Hier sind Abteilungen wie Marketing, Sales und E-Commerce gezwungen gemeinsam zu interagieren. Es gibt vier wichtige Faktoren um ein solches Projekt kompetent zu bewältigen: Zeit, Qualität, Umfang und Ressourcen.

Projektmanagement Faktoren

Meist ist die Zeit sehr begrenzt bemessen. An dieser Stellschraube lässt sich also wenig ändern. An der Qualität möchte man natürlich keine Abstriche hinnehmen. So bleibt es am Umfang und den Ressourcen hängen, die es letztendlich richten müssen. Wird der Umfang hinterfragt, so bleiben eventuell wichtige Funktionen, welche für den Nutzer besonders relevant und „conversion-fördernd“ sind, schon einmal auf der Strecke liegen. Also ist der einzige Hebel die Ressourcen aufzustocken.

Es stellt sich die Frage: Warum nicht also auf Agenturen und Berater zurückgreifen, die bereits Erfahrungen im mobilen Umfeld sammeln konnten? Ihr Team kann von der Expertise profitieren und sich auf wichtige, interne Entscheidungen konzentrieren. Unter Zuhilfenahme externer Ressourcen müssen nicht erste Gehversuche unternommen werden, bei denen die Gefahr besteht, dass Experimente keinen Mehrwert für das Unternehmen bringen. Im Gegenteil, denn Sie sparen Zeit und arbeiten zielstrebig auf die bestmögliche mobile Strategie aus Kundensicht hin.

 

Zusammenfassung der 6 Pfeiler für eine mobile Strategie

Es bedarf einer ganzheitlichen Betrachtung um zu erörtern, ob und welche Strategie für Ihre Kunden passend und wirkungsvoll ist. Werden folgende Punkte nicht betrachtet kann es sein, dass unnötig Zeit und Geld investiert wird:

  1. Kennen Sie die Zielgruppe um mobile Kampagnen abzustimmen.
  2. Nutzen Sie quantitative Daten um zu erfahren, ob und in welcher Weise Nutzer ihre Seite mobile aufrufen.
  3. Ziele müssen für eine erfolgreiche mobile Strategie im Vorfeld definiert werden.
  4. Klären Sie die technische Realisierung frühzeitig ab um für den Kunden die passende Plattform bereit zu stellen.
  5. Auf dem aktuellen Stand bleiben heißt die Devise im mobilen Zeitalter.
  6. Externe Agenturen oder Dienstleister unterstützen mit fundiertem Knowhow.

Weiterführende Quellen:

Ratgeber Mobile-Strategie: Tipps für eine sinnvolle Vorgehensweise – t3n.de

Die 3 Säulen des responsive Webdesign

Mobile Motivation Index – 5+1 Faktoren für mobile Webseiten

Responsive Website Testing – Wie man mobile Websites testen kann

Besonderer Dank für das Titelbild an Robert Hohn

  • Send to Kindle
  • https://www.konversionskraft.de/?p=17038
Dennis Herzberger Als Senior Conversion Architect bei der Web Arts AG hat sich Dennis Herzberger der Usability und User Experience von Webseiten gewidmet. Sein leidenschaftlicher Fokus liegt auf der Konzeption und Optimierung von mobilen Webseiten und Onlineshops. Folgen Sie ihm auf Twitter.

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7 Reaktionen auf  “6 Pfeiler für eine erfolgreiche mobile Strategie”

Kommentare

  1. Mario Mario

    Sehr wichtige Eckpunkte aus einer ganzen Strategie. Kann ich nur zustimmen und sagen: Toller Artikel mit richtig viel Mehrwert!

  2. Lena | Shopgate Lena | Shopgate

    Ein wirklich spannender Artikel! Mobile ist mein Alltag daher habe ich beim durchstöbern verschiedener Blogs schon zahlreiche Ratgeber gelesen. Allerdings finde ich, dass dieser Artikel alle wichtigen Fakten klar auf den Punkt bringt. Anzumerken wäre nur, dass nicht nur Agenturen Unterstützung bei der App Entwicklung und Pflege bieten!

  3. Markus Kehrer Markus Kehrer

    Sehr schöner Artikel, vielen Dank dafür!
    Besonders der Einstieg ist sehr gut gewählt – nicht einfach drauflos „wir müssen auch mobile machen…“. Sondern genau schauen wo die User herkommen, welche Devices mit welchen Auflösungen und OS setzen sie ein. Und daraus dann Ziele ableiten. Oft werden diese Punkte, zumindest gefühlt, übersehen oder übersprungen.

  4. Michael Marheine Michael Marheine

    Klar ticken die anders! Es ist ja auch eine ganz andere Situation, wenn diese User auf solche Daten zugreifen. Wer früher am Rechner sass, der musste das Ding erst einmal aus machen und herunter fahren, dann sich anziehen, hinfahren, ansehen, handeln, Kauf vollziehen …

    Heute wird vor Ort auf diese Daten zugegriffen und direkt ein Kauf vollzogen – zumindest wäre dies möglich. Damit sind die Daten zu einem ganz anderen Zeitpunkt in der Kaufkette anzubieten bzw. abgerufen. Die dDaten sind unmittelbar vor dem Kauf relevant geworden!

    Michael Marheine

  5. Sascha Thattil | YUHIRO Sascha Thattil | YUHIRO

    Oftmals werden Mobile Apps nicht umgesetzt, aufgrund einer fehlenden Strategie für diesen Bereich. Unter anderem Ecommerce Unternehmen verpassen den Einstieg in die Welt der Apps. Jedoch kauft bereits ein substantieller Teil der Smartphone/ Tablet Nutzer Mobil ein.

    Auch Unternehmen aus anderen Sparten schrecken von einem Einstieg in den Bereich Mobile Anwendungen ab, da diese oftmals nicht wirklich in die Unternehmensstrategie oder in die bestehenden Systeme integriert werden können. Artikel wie diese helfen diese Hürden etwas zu senken.

    Mit einer durchdachten Strategie kann man in diesem Bereich Erfolge erzielen. Denn Apps sind nicht mehr nur ein Hype, wie im Artikel erwähnt, sondern bereits ein integraler Bestandteil der meisten Kunden- und Unternehmensprozesse.

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