Von Manuel Brückmann | Tipps | 3 Reaktionen

3 Praxisbeispiele für den kreativen Einsatz von Testingtools

Klingt komisch, ist aber durchaus möglich. Tatsächlich gibt es eine Reihe von praktikablen Einsatzmöglichkeiten, die über den ursprünglichen Zweck – dem Verproben von Optimierungshypothesen im Vergleich von Ursprung und Variation(en) mit entsprechender Erfolgsauswertung – hinausgehen.

Die folgenden drei Beispiele sind nicht frei erfunden, sondern tatsächlich echte Anwendungsfälle aus der Praxis. Vorab – ein Testingtool für diese Zwecke zu „missbrauchen“ ist in der Regel keine saubere Lösung, aber in gewissen Situationen ist die Ausnahme eben die Regel:

1) Contentmanagement durch Testingtool

Content Management durch Testingtools

Viele Testingtools bieten (unterschiedlich) komfortable Contentmanagement Funktionen. Es gibt tatsächlich den Fall, dass das Testingtool ein einfacheres, schnelleres oder sogar komfortableres CMS bietet, als das im Unternehmen eingesetzte.

Noch schlimmer, teilweise steht sogar gar kein richtiges CMS zur Verfügung oder es besteht kein Zugriff darauf, so dass Änderungen beispielsweise über die Agentur / IT erfolgen müssen.

Wenn dann Änderungen noch an Deploymentzyklen gebunden sind, wird es wahrlich grausig, beispielsweise für eine Marketingabteilung Änderungen zeitnah auf der eigenen Website, Microsite, Landingpage o.ä. umzusetzen. Sicherlich läuft hier in diesem Fall etwas nicht ganz rund, denn dieser Zustand ist weder besonders agil, noch ist er Ziel- und Lösungsorientiert. Unserer Erfahrung nach aber keine Ausnahme.

Wir kennen und erleben hier z.B. einen Fall, bei welchem eine Microsite komplett per Testingtool zu 100% ausgespielt wird, sogar Seiten durch das Tool „erfunden“ werden.

Die Änderungen für laufende Kampagnen können hierbei wesentlich schneller und agiler durchgeführt werden. In diesem Beispiel wird darüber hinaus nicht nur die Microsite, sondern auch weiterführende Prozesse dauerhaft manipuliert, um auch hier beispielsweise Kampagneninhalte in den Prozess zu integrieren. Hier wären diese Änderungen – aufgrund hoher Komplexität am System – viel zu aufwendig als dass diese durch die IT auch nur Ansatzweise agil genug durchgeführt werden könnten.

2) Hotfixes am System durch Testingtool

404 Error - Page not found! - Einsatz von Testingtools

Ein noch abwegiger Einsatzzweck ist tatsächlich Bug- bzw. Hotfixing durch ein Testingtool. Hier greift sich sicherlich jeder „ordentliche“ Entwickler an den Kopf. Aber auch dieser Fall kam in der Vergangenheit schon häufiger vor.

Ähnlich wie beim ersten Beispiel sind auch hier – häufig durch hohe Komplexität bedingte – lange Deploymentzyklen dafür verantwortlich, dass kleinere Fehler am System direkter und schneller durch das Testingtool gefixt werden können. Zumindest übergangsweise.

In einem konkreten Fall wurde z.B. in einem Shopsystem bei einem Kategorie-Template nicht die richtige Kategorie-ID an die Warenkorb-URL angehängt, so dass dies beim Aufruf des Warenkorbs zu einem 404-Fehler (Seite nicht gefunden) führte. Die Notlösung per Testingtool ließ sich hier innerhalb weniger Minuten durch das Auslesen der notwendigen ID im Formular und manipulieren der Warenkorb-URL direkt lösen. Sicherlich keine dauerhafte Lösung – keine Frage, aber das Problem ist damit bis zum nächsten Release aus der Welt. Klar könnte man jetzt behaupten, dass bei der Qualitätskontrolle so ein Fehler nicht durchs Raster fallen dürfte – aber Fehler passieren, gerade bei komplexen System und Prozessen. Natürlich lassen sich nicht alle Arten von Fehlern durch ein Testingtool beheben, in einigen Fällen wird man um einen Emergency-Change nicht herumkommen. Schön, dass es manchmal eine kurzfristige Rettung gibt. Gerade inhaltliche Fehler, wie beispielsweise Rechtschreibfehler oder Bugs am Layout, welche sich per CSS oder JavaScript kurzfristig beheben lassen, sparen Zeit und Geld.

Ein weiteres Beispiel in diesem Zusammenhang ist CrossBrowser-Fixing. In einem Fall hatte ein Kunde funktionelle Probleme mit einer Browserversion aus Redmond – es ließen sich aufgrund eines Scriptfehlers keine Produkte mehr in den Warenkorb legen – auch Layoutelemente waren stellenweise nicht wie in anderen Browsern.

Bevor die Fehler längerfristig durch den IT-Dienstleister behoben werden konnten, wurden diese übergangsweise durch das Testingtool ausgebessert.

3) Client / Device spezifische Inhalte ausliefern

Desktop to Mobile - Einsatz von Testingtools

Das dritte Praxisbeispiel geht in Richtung Mobile bzw. Responsive Layout.

Der Shop eines Kunden existierte bislang nur als Desktop-Version. Da das Konzept der mobilen Version bereits in der Schublade lag, allerdings die Umsetzung erst für das nächste Halbjahr eingeplant werden konnte, wurde diese kurzerhand durch das Testingtool vorgezogen.

Dank Targeting und der Möglichkeit, z.B. Grafiken Serverseitig für iPad und Co. zu konvertieren, sowie einem Responsive Layout und der dynamischen Anpassung der Inhalte konnte die mobile Version schon früher realisiert werden. Als Zusatz wurde das Bedienkonzept per JavaScript noch um Funktionen wie z.B. Gesten erweitert.

Ein Großteil dieser Änderungen konnte später aufgrund der verwendeten Frontend-Technologien 1:1 für die permanente Umsetzung wieder verwendet werden.

Fazit

Mit Testingstools lassen sich neben dem eigentlichen Einsatzzweck auch andere Dinge realisieren. Das schöne dabei, grundsätzlich könnten diese Sonderfälle dennoch mit getestet werden.

Auch wenn bei den angebrachten Beispielen z.B. das Testen einer nicht gefixten Originalversion gegen eine mit korrigierten Fehlern wenig Sinn macht, würde zumindest das Testen einer neuen Microsite oder einer mobilen Version des Shops Sinn machen. Allerdings idealerweise im Vorfeld. Die Testsieger sollten dann bis zum finalen Release zu 100% ausgespielt werden.

Dennoch: Wie schon in der Einleitung erwähnt, ist die Verwendung der Tools für diese Sonderfälle eine Übergangslösung – welche zwar zuverlässig funktioniert – eine schnelle und saubere dauerhafte Lösung ist natürlich stets zu präferieren, auch um den Traffic und damit die Kosten für die Tools im Rahmen zuhalten.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Testingtools neben der 0815-Testingwelt? Über Erfahrungen zu weiteren Einsatzmöglichkeiten würde ich mich freuen.

Manuel Brückmann

Manuel Brückmann ist als Mitglied der Geschäftsleitung bei konversionsKRAFT für den Bereich Technologie verantwortlich. Er beschäftigt sich neben der Beratung im Bereich Testing mit eCommerce-Entwicklung und -Optimierung.
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3 Reaktionen auf „3 Praxisbeispiele für den kreativen Einsatz von Testingtools

  1. Hallo Herr Brückmann,

    sehr gelungener und einzigartiger Artikel.Als CMS auch einsetzbar?

    • Hallo Mario,

      danke für Dein Feedback. Freut mich dass der Blick über den Tellerrand anklang findet.
      Ja, es ist tatsächlich möglich über Testingtools Content zu pflegen. Allerdings wie beschrieben sehr unterschiedlich komfortabel.
      In diesem Zusammenhang setzen wir häufig die CMS Funktionalität ein, um gezielte Inhalte z.B. für Kampagnen oder Zielgruppen auszutauschen – also das Testingtool eher für gezieltes Targeting einzusetzen.

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