Von Matthias Henrici | Tipps | 4 Reaktionen

8 hilfreiche Wege um einen CRO-Spezialisten in den Wahnsinn zu treiben

Seien wir doch mal ehrlich. Geht uns das nicht allen auf die Nerven, dieser elende Konversionraten-Hype? Diese Online-Sau, die da so brutal durchs digitale Dorf getrieben wird? Gehen sie uns nicht langsam auf den Keks, diese so genannten „CRO-Spezialisten“, die doch eigentlich der Restmüll unserer e-Commerce Generation sind, die Leichenfledderer der „Google-Economics? Ist es nicht endlich an der Zeit dagegen etwas zu unternehmen?
Wir meinen: Ja! Und wir helfen gerne und zwar mit 8 totsicheren Tipps um diese eingebildeten CRO-Fuzzis in den kompletten Wahnsinn zu treiben.

Die Vorbereitung

Eine generalsstabsmäßige Planung ist alles! Googeln Sie zunächst im Internet nach diesen selbsternannten „Fachleuten“, mittlerweile gibt es ja genug davon. Laden Sie den Herrn oder die Dame oder gar die ganze Truppe zu sich ein. Anlocken können Sie solche subversiven Elemente am Besten mit vorgetäuschten oder realen Umsatzproblemen oder einer Konversionsrate von irgendwas unter 1 Prozent. Auf so was sind diese „Dienstleister“  so scharf wie Bluthunde auf rohe Leber. Sobald die hungrigen Wölfe die Schwelle Ihres Unternehmens überschritten haben, sind sie Ihnen restlos ausgeliefert, Sie haben die Beute am Haken, es kann losgehen:

Tip 1) Just feel it

Die neunmalklugen Typen die sich jetzt noch so selbstbewusst in Ihren Konfi-Sesseln lümmeln weiden sich gerade diabolisch an Ihrer vermeintlich niedrigen Konversionsrate? Gut. Jetzt ist es Zeit diesen Oberlehrern den ersten Schlag zu versetzen: Sagen Sie Ihnen, dass Sie die niedrige Konversionsrate aus „so einer Ahnung“ heraus vermuten. Von einer gefühlten Konversion haben alle CRO-Spezialisten einen Heidenrespekt! Beharren Sie aber unbedingt darauf, dass Sie mindestens von einer Verdreifachung dieser Konversionsrate ausgehen, drohen Sie damit, dass Sie sich andernfalls einen anderen Konversionsspezialisten suchen, die Welt ist voll davon.

Tip 2) Geheimnisse sollten besser geheim bleiben

Die erste Verwirrung ist gelungen. Garantiert werden diese Bastarde noch mehr Informationen von Ihnen verlangen, beispielsweise Ihren Google-Analytics Zugang, die durchschnittlichen Warenkörbe, Umsatz und Rendite, CPO und andere belanglose Infos, die Sie natürlich nicht gleich parat haben können. Selbstverständlich lehnen Sie dieses unverschämte Ansinnen, diesen Eingriff in Ihre Intimsphäre kategorisch ab, wo kämen wir dahin? Vergessen Sie nicht immer wieder anzudeuten, dass Sie an so etwas wie eine „Konversionsrate“ eigentlich gar nicht glauben und es für eine Chimäre alternder Internet-Agenturbesitzer halten. Es sind schon erste Merkmale von Verunsicherung bei Ihren Gästen zu erkennen? Dann weiter so!

Tip 3) Die Info-Verzögerungstaktik

Sie merken, dass unsere  „CRO-Gurus“ nicht locker lassen und unbedingt diese Infos wollen? Dann ist es genau der richtige Zeitpunkt um die bereits vorbereitete 60 seitige Geheimhaltungserklärung herauszuholen und unterschreiben zu lassen. Gespickt mit juristischen Fallen, Tricks und hohen Konventionalstrafen knallen Sie es den verdutzten Wunderknaben auf den Tisch. Da bleibt kein Auge trocken, vor allem Ihre nicht, wenn Sie vor lauter Lachen nicht mehr an sich halten können. Ganz wichtig: Sollte der CRO-Mensch tatsächlich so dumm sein und diesen Wisch unterschreiben, anstelle schreiend aus dem Haus zu rennen, dann verzögern Sie den Versand dieser Informationen um mindestens vier Wochen hinaus oder lassen es gleich ganz bleiben!

Tip 4) Wissen ist Macht – macht nichts!

Schalten Sie jetzt erst mal auf Stur – es ist Zeit genug. Lassen Sie die CRO-Firma immer wieder bei Ihnen anrufen oder antanzen und – wenn Sie sich nicht gerade mal wieder verleugnen lassen  – fragen Sie energisch nach den Kosten, die sind Ihnen natürlich deutlich zu hoch! Aber Achtung! Ganz schlaue CRO-Leute werden Sie auf den Return-on-Invest ihrer Leistung verweisen. Vergessen Sie daher nicht nach Beweisen für das Können dieser selbsternannten Koryphäen zu fragen. Dass es keine CR-Professur oder einen Doktor für Conversion-Optimierung gibt sollte Sie nicht davon abhalten, eine solche akademische Ausbildung als Grundvorraussetzung für eine fruchtbare Zusammenarbeit einzufordern. Denken Sie unbedingt daran nach dem Google-Conversion-Professional-Zertifikat zu fragen, die blutunterlaufenen Augen Ihres Gegenüber werden Bände sprechen!

Tip 5) Gemischtes Zielgruppen-Allerlei

Auf die Frage welche Zielgruppen Sie haben – und glauben Sie mir, diese Frage kommt leider immer – sollten Sie möglichst ausweichend antworten oder aber laut und deutlich: “ Alle Menschen, ob jung oder alt, die lesen und schreiben können und einen Internetzugang in der Nähe haben!!“ Das dürfte reichen um bei diesen eingebildeten CRO-Lackaffen erste pathologische Arterienverengungen auszulösen.

Tip 6) Das Schweigen der Zahlen

Gewöhnen Sie sich daran, stets irgendwelche Zahlen zu nennen, wenn Sie keine haben, denken Sie sich welche aus, je unrealistischer desto besser. Auf jeden Fall macht es einen professionellen Eindruck wenn Sie behaupten neuerdings 100 potenzielle Kunden pro Stunde zu haben und eine Konversion von 1,2457% bei einem Warenkorb von 246,- € pro Minute. Ihre Gäste werden sicher Augen machen. Falls es wider Erwarten zu einer Zusammenarbeit kommt, dann lassen Sie die Leute auf gar keinen Fall an wichtigen Dingen hantieren , z.B. den Check-Out-Prozess. Sie haben doch nicht jahrelang an diesem multidimensional-komplexen System gearbeitet, nur um sie von ein paar halbgaren Jungspunten in Grund und Boden optimieren zu lassen?! Erklären Sie den Warenkorb für geistiges Sperrgebiet und bestehen Sie darauf, dass alles seine Grenzen haben muss. Seien Sie versichert: CRO Spezialisten macht so etwas gaga! Jetzt werden ganz sicher die ersten Fingernägel angeknabbert. Ein gutes Zeichen.

Tip 7) Und jetzt erst mal einen ReLaunch

Fordern Sie umfangreiche technologische Expertisen, Softwarevergleiche und modernste amerikanische Tools an, lehnen Sie diesen ganzen Psychokram wie Motivation, Usability, behavioural-targeting und ähnlichen Nonsens ab. Sollten Sie das nicht schaffen, beauftragen Sie parallel bei einer anderen Firma schon mal einen Komplett-Relaunch, totschick soll er aussehen und mit viel 3D-Optik, sie sind schliesslich Ästhet, insbesondere bei Landinpages! Herzrasen, Augenflattern und Anzeichen geistiger Umnebelung dürften nun Anzeichen ernster psychischer Störungen bei Ihren CRO-Lieblingen sein.

Tip 8.) Kohle satt fürs coole Web-Marketing

Die Jungs oder Mädels haben immer noch nicht genug von Ihnen? Zeit für den Todesstoß! Sobald Sie merken, dass tatsächlich trotz aller Bemühungen Ihrerseits die Konversion nach oben geht, stellen Sie schnell ganz neue, schicke vom Sohn Ihrer Tante ihrer Schwippschwägerin weiterentwickelte Seiten live. Die Konversion geht jetzt nach unten? Dann ist das genau der richtige Moment um den CRO-Leuten Unfähigkeit und Ignoranz vorzuwerfen. Erklären Sie zudem den verdutzten Typen, dass bei SEM-Investitionen von über 80.000 Euro pro Monat an Google Adwords logischerweise kein Geld mehr für Konversions-Optimierung übrig sein kann und verweigern Sie jede weitere Zusammenarbeit. Blicken Sie in die irrlichternden Augen dieser Hunde und beobachten Sie den aufkommenden Wahnsinn. Jetzt ist es geschafft.

Jetzt aber hopp – ab in die Anstalt!

Na also. Die kräftigen Männer von der Psychiatrie sind im Anmarsch und bringen auch die weißen Jacken mit. So schnell werden Ihre „Dienstleister“ nicht wieder aus der Anstalt gelassen und wenn dann nur unter Einsatz härtester Psychopharmaka. Sie haben sich und uns von der Pest dieser Möchtegern-Optimierer befreit. Darauf können Sie stolz sein. Sie dürfen jetzt die weiße Katze streicheln. Danke!

Matthias Henrici

Matthias Henrici ist eCommerce-Mann der ersten Stunde. Bereits Anfang der neunziger Jahre entwickelte er wertschöpfende Multimedia-Projekte u.a. für deutsche und internationale Unternehmen. Seit 11 Jahren lehrt er als Dozent für Usability und Neuro-Marketing an deutschen Hochschulen. Matthias Henrici auf XING
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    4 Reaktionen auf „8 hilfreiche Wege um einen CRO-Spezialisten in den Wahnsinn zu treiben

    1. Sehr schön! Zwar komme ich aus dem SEO-Bereich, aber ich kann die Liste komplett nachvollziehen. Schließlich ist es überall ähnlich. 😉

      • Super Artikel! Erst heute hatte ich ein Werbeschreiben von so einem Optimierer in der Post. Jetzt freue ich mich schon auf das Telefonat mit selbigem in der nächsten Woche 😉

        • Na das nenn ich mal eine gute Story! *LOL* Werde die Tipps mal an bestimmte Stellen weitergeben… *g*

          • nett; eine Oase im Sumpf der Texte

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