Simplifize me – 3 Tipps für mehr Konversion im Warenkorb

Dave Gahan fragt im Song „Judas“ von Depeche Mode treffend: „is simplicity best or simply the easiest?“ Einfachheit ist der Schlüssel zum Erfolg. Scheint etwas einfach, fühlt es sich bequem an. Wir fühlen uns gut, wenn wir etwas einfaches tun können. Unser Gehirn verbraucht keine unnötige Energie, der Mensch wird nicht unnötig belastet – alles ist gut!


Depeche Mode- Judas – MyVideo

Lasst mich durch – ich bin wichtig

Verfügen wir bei einer Sache über geringes Wissen, steht der Mensch einer scheinbar unlösbaren oder sehr schwierigen Aufgabe gegenüber. Er fühlt sich irgendwie beschwert, er wird demotiviert.

Das menschliche Gehirn filtert per emotionaler Weiche den Informationsfluss von den Sinnesorganen zum Großhirn. Vereinfacht gesagt: Unwichtiges bleibt dabei auf der Strecke, nur die wichtigsten Informationen kommen schließlich an.

Nur das Wichtigste kommt wirklich an

In seinem Buch „The Laws of Simplicity“ (2007) definiert der Autor John Maeda 10 Gesetze zur Vereinfachung. Daraus ergibt sich eine zentrale Aufgabe, der  (Conversion) Designer aller Art täglich gegenüber stehen: „Form, Funktion und Menschen in eine sinnvolle Beziehung zueinander zu bringen“.

Und jetzt kommt sie wieder, die alte Leier: Apple macht es der ganzen Welt jeden Tag vor. Das Prinzip der Einfachheit wird in jedem Produkt gelebt. Das führt sogar so weit, dass apple-Fans Fehlern oder Missfunktionen gegenüber tolerant werden. Sie entwickeln gar eine Beziehung zu ihrem Produkt. Hier führt das Prinzip der Simplifizierung zu echter Loyalität des Produktes oder gar der Marke. Wie in einer romantischen Beziehung – es muss einfach Liebe sein;-) Oder?

Heute also 3 Tipps, wie Sie in Sekunden schnelle einen Schritt in Richtung erfolgreicher Konversion gehen können. Die Prämisse lautet dabei:

Zeigen Sie Unwichtiges gar nicht erst an.

Die folgende Grafik zeigt den Zustand eines durchschnittlichen Warenkorbs in deutschen Onlineshops. Plus minus.

die durchschnittliche Ansicht des Warenkorbs deutscher Onlineshops

Tipp 1: Halten Sie Abstand!

Platz schaffen, in dem man deutliche Abstände einsetzt kann bereits Wunder bewirken. Die Orientierung verbessert sch schlagartig, der Mensch empfindet scheinbar geordnete Dinge als „einfacher“ oder „leichter“.

Trennen Sie also in unserem Beispiel ganz konkret Header und Navigation vom Warenkorb. Führen Sie ein rechte Spalte schaffen Sie Abstand nach rechts. Befindet sich unterhalb des Warenkorbs bspw. Cross-Selling oder weiterer Text, Kontaktangaben oder mehr? Führen Sie einen deutlichen Abstand ein.

Abstand hilft

Tipp 2: Drücken Sie „Entfernen“!

Eine weitere Möglichkeit ist die rigorose Streichung von Elementen. Hier gilt es, sich kampfbereit und todesmutig Ihrer Marketing-Abteilung entgegenzustellen, den zu aller erst werden Sie dem Cross-Selling den Garaus machen.

An dieser Stelle des OnlineShops geht es vor allem darum Werte wie Sicherheit und Vertrauen zu etablieren (siehe auch Modell der  > 7 Ebenen der Konversion). Da wirken alle ablenkenden Dinge kontraproduktiv.

Unbedingt testen: Streichen Sie also das Cross-Selling – egal an welcher Position es sich im Warenkorb befindet.

Und wenn Sie schon dabei sind. Streichen Sie alle Elemente, die irgendwie animiert sind oder Bilder enthalten. Weg. Raus damit.

Und schlägt Ihnen der Einwand entgegen, dass über Cross-Selling doch Umsatz gemacht wird, fragen Sie zurück: „Wie viel mehr machen wir möglicherweise ohne?“

Stirb Cross Selling, stirb!

Tipp 3: Weisen Sie deutlich den weiteren Weg

So – jetzt, da alle Unklarheiten und Ablenkungen beseitigt sind, zeigen Sie Ihren Usern noch ganz deutlich, wo es weitergeht. Am besten mit einem Pfeil in der Button-Grafik. Und die Call-to-Action sollte dabei aussehen wie ein echter Button. Auf > Spiegeleffekte oder ähnliche Dinge können Sie dabei locker verzichten.

Deutliche Call-to-Action

Fazit

Der Spruch „Manchmal ist weniger mehr“ hat immer noch seine Berechtigung. Oder jetzt erst recht? Manchmal sind es die einfachen Dinge, die sofort umsetzbar sind und Erfolg bringen können. Am besten verproben Sie die Tipps in einem Test – lassen Sie mich Ihre Ergebnisse wissen, ich bin sehr gespannt!

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Ronald Grimminger Ronald Grimmiger beschäftigt er sich mit der Optimierung von digitalen Strategien. Dabei setzt er sich mit Modellen der Kommunikation, Neuromarketing und Konsumpsychologie sowie Verhaltensökonomie und deren Zusammenhang mit Automation von digitalem Marketing auseinander. Zudem ist er als Dozent für Onlinemarketing und Conversion Optimierung an der Hochschule Darmstadt (h_da) tätig.@RonGrimminger auf twitter /// xing /// linkedIn

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3 Reaktionen auf  “Simplifize me – 3 Tipps für mehr Konversion im Warenkorb”

Kommentare

  1. Olga Olga

    Eines steht also fest, der Onlineshop muss so erstellt werden, als ob der Besucher an der Hand durch den ganzen Bestellvorgang geführt werde. Onlineshop-Usability ist in diesem Fall von der erstrangigen Bedeutung. Wenn dieser sich ganz gut in Ihrem Onlineshop orientiert garantiert das 50% des Erfolgs.

Trackbacks/Pingbacks

  1. […] sehr vielversprechende Potenziale – so kann die Anzahl der Bestellungen beispielsweise durch Simplifizierung, Erhöhung von Transparenz und Vertrauen oder dem Hinzufügen von weiteren Zahlungsmöglichkeiten […]

  2. […] Das “Paradox of Choice” ist deshalb so interessant, weil es durchaus auch in Online-Shops auftreten kann. Durch die technischen Möglichkeiten vielleicht sogar noch stärker als im normalen Handel? Wie verhält sich der Online-Kunde, wenn er mehr/weniger Auswahl hat? Kauft er weniger, wenn er mehr Auswahl hat? Oder geht er einfach zum nächsten Online-Shop und sucht dort weiter? Mir ist jedenfalls bisher keine Studie bekannt, die das Auswahl-Problem explizit in Online-Shops oder auf gewöhnlichen Websites untersucht hat. Weitere Hinweise sind willkommen In diesem Zusammenhang sei auf jeden Fall auf den Beitrag von Ronald Grimminger verwiesen: Simplifize me – 3 Tipps für mehr Konversion im Warenkorb. […]

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