Die neue Suche: Faceted Search

Navigieren per Eigenschaft, Merkmal oder Wert – so könnte man den Begriff Facetten Search einfach formulieren. Diese Art der Navigation gibt es schon eine ganze Weile (besser bekannt als Filternavigation). Heuer beginnen sich Website- und Shopbetreiber ausführlicher mit dem Thema zu beschäftigen. Die Idee basiert im Grunde auf dem > Flamenco-Modell, dessen Interface das Ergebnis einer Studie ist. Flamenco beschreibt sukzessives Filtern, denn mit jedem Klick wird das Suchergebnis etwas weiter eingeschränkt.

Die erste fundierte Studie zu diesem Thema wurde von usability.de durchgeführt. Diese hat mich dazu inspiriert, mal einen allgemeinen Überblick aus Dieser Studie zu schaffen und darüber hinaus noch ein paar Themen anzusprechen. Die aktuelle Studie können Sie unter > www.usability.de nach Registrierung kostenlos herunter laden.

Faceted Search ermöglicht Usern nun, Produkte oder Informationen zu finden, die auf mehr als einer Dimension basieren – und das im Grunde parallel und zeitgleich.

Beispielsweise Schuhkauf: Der eine interessiert sich für rote und weiße Farben, der andere sucht sich Schuhe nach dem Typ aus (Sportschuh, Freizeitschuh). Rot, Weiss, Sportschuh und Freizeitschuh stellen diese Facetten dar.

Im Idealfall verlässt der User nicht die aktuell gewählte Seite und hat zu jederzeit die Kontrolle über den Weg zu seinem Suchergebnis. Es gibt keinen definierten Weg, dem der User folgen muss.

Im folgenden ein paar Tipps, wie Sie eine Faceted Search einsetzen oder eine bestehende optimieren können.

Basis

Als Grundlage dient eine Datenbank, die natürlich die Eigenschaften (Facetten) der Produkte enthält. Die Inhalte dieser können Sie durch Usertests, Cardsorting oder Interviews optimieren. In Usertest erhalten Sie ebenso wichtige Informationen über die Priorisierung der Facetten Ihrer Filternavigation.

Platzierung

Häufig werden Filternavigationen im linken Seitenbereich angeordnet (amazon.de); einige Beispiele zeigen diese oberhalb einer Ergebnisliste. Die Platzierung auf der rechten Seite ist eher selten – auch hier läuft man Gefahr, dass die Filternavigation übersehen wird.

Bei otto.de wird eine Drill-Down-Navigation der Produktkategorien linksseitig mit einer Filterleiste oberhalb der Ergebnisliste kombiniert. Hier lauert die Gefahr, dass User diese übersehen.

Filter auf otto.de

Layout

Gestalten Sie die Faceted Search so, dass User diese klar vom Content und der Pagenavigation unterscheiden und erkennen können. Die Filternavigation ist ein interaktives Instrument. Hier ist es entscheidend, dass Sie auf gelernte Mechanismen und bekannte interaktive Elemente zurückgreifen.  Verwenden Sie beispielsweise Checkboxen, versuchen Sie nicht, diese besonders zu gestalten.

Checkboxen real gestalten

Zusätzliche Klarheit schaffen Sie, wenn Sie mindestens eine Facette beim Erreichen der Seite ausklappen. Wenn der Platz es erlaubt, ist nichts gegen das gänzliche Ausklappen einzuwenden. Ist das Angebot pro Facette umfangreicher, bieten Sie den Rest per Link an: „mehr Auswahl“.

Filter bereits ausgeklappt, mehr Auswahl

Werte, Zahlen

Wichtige Facetten (Marken beispielsweise) sollten durchaus kombinierbar sein.

Bspw. Marken kombinieren

Schieberegler erhöhen den Spass. Sie sollten pfeilartig gestaltet sein, die Interaktivität sollte klar angedeutet werden. Bei manchen Größen empfiehlt sich der Einsatz von Textfeldern, um eine Spanne einzugeben, da der begrenzte Platz bei bestimmten Anwendungen dazu führt, dass der Schieberegler sich nicht genau einstellen lässt. Zudem kann es schneller gehen,  mal eben „2 bis 5 Zimmer“ bei einer Immobiliensuche als Zahlen einzutippen.

Schieberegler und Eingabefelder

Zurücksetzen / Filter aufheben

Achten Sie auf das Wording: „Filter löschen“ kann Unsicherheit hervorrufen. Besser eignet sich „Filter aufheben“ oder „Filter zurück setzen“.

Immer umfangreicher werdende Sortimente erfordern einfache und selbsterklärende Navigationen. Die Faceted Search ist eine gute Möglichkeit, so lange sie durchdacht und und gut gestaltet ist. Sie sollte den User unterstützen und ihm helfen, sein Wunschergebnis gut zu erreichen. Tests mit echten Usern können hilfreich und aufschlussreich sein, da es oft notwendig ist, die eigene „Katalogisierungsdenke“ im Sinne des Users und dessen Ansprüche zu überdenken.

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Ronald Grimminger Ronald Grimmiger beschäftigt er sich mit der Optimierung von digitalen Strategien. Dabei setzt er sich mit Modellen der Kommunikation, Neuromarketing und Konsumpsychologie sowie Verhaltensökonomie und deren Zusammenhang mit Automation von digitalem Marketing auseinander. Zudem ist er als Dozent für Onlinemarketing und Conversion Optimierung an der Hochschule Darmstadt (h_da) tätig.@RonGrimminger auf twitter /// xing /// linkedIn

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8 Reaktionen auf  “Die neue Suche: Faceted Search”

Kommentare

  1. Markus Kehrer Markus Kehrer

    Ein sehr schöner Artikel, den ich genauso unterschreiben kann!
    Nichts ist für den User als auch für den Shopbetreiber wichtiger, als dass der Kunde sich über Filtermöglichkeiten zum einen das gesamte Sortiment erschließen kann und zum anderen aber auch bedarfsgerecht das gesuchte Produkt findet.
    Wichtig dabei ist auch, dass die Filter dynamisch erzeugt werden und zum Kontext passen – bei Hosen z.B. sind die „Grundbedürfnisse“ Länge, Weite, Schnitt, Farbe, Marke. Das ist bei Schuhen wieder ganz anders 🙂
    Das schöne an Faceted Navigation ist auch, dass die Kunden tiefer ins Sortiment einsteigen und so nicht nur die Schnelldreher erwerben, sondern auch zu spezifischeren Produkten kommen, die sonst auf Seite 14 „verstecken“ und nicht angesurft werden.
    Auch wichtig ist das Thema auf der anderen Seite für den SEO Bereich oder fürs Marketing & Merchandising (Thema Zielgruppe gezielter Ansprechen und erkennen!)… das würde jetzt aber vom obigen Thema abschweifen.

    „Mehr Facetten braucht das Land“ – würde ich als Resümee aus dem Artikel ziehen.

  2. Ronald Grimminger Ronald Grimminger

    Hallo,

    danke für Ihr Kommentar. Richtig: Die Inhalte dürfen natürlich nicht automatisch oder gar aus Sicht der Warenwirtschaft generiert werden. Genau das passiert noch allzu häufig.

  3. Thorsten Wilhelm Thorsten Wilhelm

    Schöner Beitrag, mit vielen gelungen Beispielen und Anregungen. Freue mich auf weitere, solche Beiträge von Ihnen.

  4. Ronald Grimminger Ronald Grimminger

    Ja gerne, vielen Dank.

  5. Miriam Miriam

    Gut wäre wenn es mal, ein einheitliches Wording zu all
    diesen Begriffen geben würde.Normierte Begriffe, Bezeichnung wären
    da wichtig.Gibt es dafür eigentlich schon eine Gruppe die sich
    international mit dem Thema befasst ? Viele Grüße

  6. Katharina Meiners Katharina Meiners

    Ich hab mich kürzlich (mal wieder) intensiv mit dem Thema
    beschäftigt und bin zu ähnlichem Schluss gekommen. Hier werden sehr
    gute Beispiele gezeigt. Auch ich habe in Nutzertests die Erfahrung
    gemacht, dass die o.g. Kombination (wie bei otto.de) der Filter
    oben und links zwar gut gedacht ist, aber meist zu großen
    Verwirrungen führt.

  7. Markus Kehrer Markus Kehrer

    Eine Filternavigation auf der linken Seite wird am ehesten als solche direkt vom Anwender wahrgenommen und benutzt.
    Über den Ergebnissen platziert hat man 2 Probleme:
    – entweder es sieht aus wie bei otto.de und man gerät in die Gefahr, dass der User die Filter nicht wahrnimmt
    – oder aber die Filter „verbrauchen“ wertvollen Platz „over the fold“ den man auch für 2-4 Top-Produkte nutzen könnte.

    @Miriam: Was meinen Sie mit normierten Begriffen?

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  1. […] basiert. Mehr Information zum Aufbau und Hintergrund dieser Suche finden Sie im Artikel “Die neue Suche: Faceted Search” von Ronald […]

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