Von André Morys | Trends | 11 Reaktionen

Fünf Paradigmen-Wechsel für den E-Commerce im Jahr 2010

Seit es das Internet gibt, haben Versandhändler stets versucht, die Mechanismen der realen Welt in das neue Medium zu übertragen: Informationsprozesse, Transaktionsprozesse, Kaufprozesse. Ist damit bald Schluss? Still und heimlich haben sich die Regeln geändert. Wir dokumentieren die fünf Paradigmen-Wechsel für den E-Commerce im Jahr 2010.

bitkom_internetnutzer_dloadWir haben uns an Wachstum gewöhnt. Der Onlineumsatz wächst, der Werbemarkt wächst, die Zielgruppe wächst. „Online führt“ ist der Titel des diesjährigen Versandhandelskongresses. Seit es das Internet gibt, haben wir stets versucht, die Mechanismen der realen Welt in das neue Medium zu übertragen. Wir haben Informationsprozesse übertragen, Transaktions- und Kaufprozesse sowie die Prinzipien der Werbung. Wir fühlen uns sicher in dieser neuen Welt der digitalen Kommunikation.

Doch der Schein trügt. Ganz still und heimlich haben sich durch das Internet die Regeln geändert. Zuerst waren es nur Buzzwords. Web 2.0. Social Media. Blogs. Twitter. Erst Jahre später entdecken einzelne Unternehmen die betriebswirtschaftliche Bedeutung dieser Trends. Doch was bleibt?

dinoDie „Dino-Debatte“ im Anschluss an den Versandhandelskongress zeigt die Relevanz der Thematik. Bislang Geblendet durch das immense organische Wachstum des Internets haben viele Online-Retailer ein paar relevante Details übersehen. Web 2.0 war keine Mode – denn es wird nicht irgendwann vorübergehen. Neuromarketing ist kein Buzzword – sondern ein neu erkanntes Grundprinzip des menschlichen Fühlens und Handelns. Kundenorientierung ist keine Managementphilosophie – es ist inzwischen ein überlebenswichtiger Wettbewerbsfaktor.
Viele traditionelle und erfahrene Versandhändler fühlen sich mittlerweile unsicher. Einige haben eine beinahe ein Jahrhundert andauernde erfolgreiche Unternehmensgeschichte hinter sich und sehen eine Bedrohung in der Macht der Kunden. Sie sehen schier unlösbare Herausforderungen auf sich zukommen, die die neuen und unbegrenzten Kommunikationsprozesse des Mediums Internet nach sich ziehen.

Die alten Regeln funktionieren immer weniger. Märkte und Dialoge werden transparenter, gleichzeitig sinkt die Aufmerksamkeitsspanne der Konsumenten. Werbung funktioniert bald nicht mehr. CPC-Kampagnen werden immer teurer und wirkungsloser, die Deckungsbeiträge werden kleiner. Und das Wachstum?

Irgendwann wird selbst im Internet das Wachstum zurückgehen und irgendwann ganz aufhören. Voller Nostalgie werden wir uns an die Eldorado-Zeiten zu Beginn des Jahrtausends erinnern, als wir noch keinen Verdrängungswettbewerb im Internet hatten.

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Was lässt sich daraus ableiten?

Wie sehen die Spielregeln von morgen aus? Die Paradigmen der Vergangenheit ändern sich in Zukunft und sind seit längerem dabei, sich zu ändern. Wer nicht nur überleben, sondern sogar aus einer starken Position heraus seine Zukunft sichern will, der sollte seine Zukunftsfähigkeit anhand der folgenden Paradigmenwechsel überprüfen:

  1. Onlinekampagnen  >> Vertriebsprozesse
  2. Awareness >> Behaviour
  3. Unterbrechung  >> Relevanz
  4. Reichweite  >> Nähe
  5. Kreativität >> Konsumpsychologie

Denken Sie noch in Kampagnen oder schon in Vertriebsprozessen? Den kompletten Artikel mit allen Details zu den fünf Paradigmen können Sie übrigens bei iBusiness.de nachlesen.

André Morys

André Morys ist Gründer und Vorstand von konversionsKRAFT und beschäftigt sich seit 1996 mit der Conversion Optimierung von Websites und Onlineshops. André Morys ist Dozent für User Experience an der TH Mittelhessen und Autor des Fachbuchs "Conversion Optimierung". Er ist häufiger Sprecher und Moderator auf Konferenzen.
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11 Reaktionen auf „Fünf Paradigmen-Wechsel für den E-Commerce im Jahr 2010

  1. Hallo Herr Morys,

    der Artikel bringt die Situation genau auf den Punkt. Bereits in Juni hat Amir Kassaei auf der DMMK über einen Paradigmenwechsel und einer Systemkrise gesprochen.

    Awareness >> Relevanz
    Überinformation >> Orientierung
    Media >> Content

    Viele Grüße!

    • Pingback: Twitted by morys
    • Im 5. Punkt wird mir Herr Kassaei spätestens widersprechen.

      • Bei Punkt 5 werden viele widersprechen, schliesslich gehört „Kreativität“ zur Kernidee jeder gut sortierten Agentur und Marketingabteilung. Aber als puren Selbstzweck hat sie sich überlebt, die „red-dot-award“ ausgezeichnete Seite nutzt gar nix wenn die Konversion dahinter nicht stimmt.

        • Es ist schon wichtig die Zielgruppe, auch wegen dem zunehmenden Information Overkill, neurologisch anzutriggern.

          Ich denke das die beste Kreativität nichts bringt wenn an der Zielgruppe vorbei gestaltet wird.

          Diese Meinung vertritt auch Kassaei, zumindest hat er uns das auf der Keynote so vermittelt.

          • Die Frage bei der Kreativität lautet: Ist Kreativität Mittel zum Zweck oder der Zweck ansich? So gesehen ist Kreativität eine unerlässliche Fähigkeit und Grundvoraussetzung für Innovationen. Ohne Kreativität kann ich keinen Kunden erreichen – genau so wie kein Schreiner ohne Säge arbeiten kann. Trotzdem wird der Schreiner nicht nach seiner Säge beurteilt – anders als die Agentur.

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