Von Matthias Henrici | News Trends | 2 Reaktionen

Live von der ECOM, Berlin’09 – Trends im Online-Handel, Part I

Premiere für die Ecom in Berlin. Der Verband der Versandhändler hat sich entschieden, einen eigenen e-Commerce Kongress zu etablieren um die Anforderungen der angeschlossenen Mitglieder stärker in den Agenturen zu etablieren. Der Standort Berlin wurde gewählt, um einen stärkeren Kontakt zur Politik zu suchen, insbesondere unter den Aspekten der Bedrohung der Listenprivilegien durch überzogene Datenschutzrichtlinien der Gesetzgeber. OK, soweit so gut. Wo e-Commerce drauf steht ist der Konversionskraft-Blog natürlich dabei. Wir berichten deshalb heute live von der Ecom und freuen uns gemeinsam auf neue Inputs und spannende Themen. Unser Berichts-Schwerpunkt liegt natürlich bei der Konversions-Optimierung, aber der eine oder andere Blick über diesen Tellerand hinaus sei uns gestattet.

Vor zehn Jahren haben sich  Versandhändler gefragt, ob man je mit dem Internet Geld verdienen kann. Damals hat man noch viel über Bannerwerbung gesprochen, man war abhängig vom Katalog. Heute schmunzeln wir natürlich darüber, schließlich kommen 20 bis 30 Prozent der Neukunden des „klassischen Versandhandels“ mittlerweile aus dem Internet. Und die Zeit bleibt nicht stehen, die Dinge verändern sich weiter, es geht heute um andere Themen, die man sich 1999 noch gar nicht richtig vorstellen konnte: Das Internet drängt sich fundamental in die Gesellschaft(en) und die Konferenz hat es sich zur Aufgabe gemacht 5 Jahre vorauszudenken und zu fragen inwieweit man aus Social-Commerce denn nun endlich auch Geld machen kann. Die Monetarisierung von Foren und Communities, also wenn man so will das Thema „Social-Commerce-Conversion-Optimization“ wird DAS Thema der Zukunft.

Anthony Williams ist der Autor von „Wikinomics“ und bot dem Auditorium einen kurzen Überblick über das, was wir im Prinzip unter dem Thema Web 2.0 bereits kennen. Den Unterschied von bipolaren zu multipolaren Plattformen in Beziehung gesetzt zu den überraschend starken Wachstumsraten von mobilen Devices in Afrika und Asien und der damit verbundenen Zukunft des mobile-Commerce war nicht wirklich neu. Ein etwas älteres Beispiel der schon bekannten Vorgehensweise von P&G, die eine „Wisdom-of-the-crowd“ Search&Development Idee in die Tat umgesetzt haben wurde kurz angerissen. Interessanter war dagegen schon die Vorstellung von „open-source-product“ Aktivisten (Slogan: If you can‘t open it, you don‘t own it), ebenso wie die Plattform „Ponoko.com“ die kleineren Produktdesignern eine weltweit vernetzte Herstellungs-, Logistik- und Vertriebsplattform bietet. Williams sprach von so genannten „Prosumern“ anstelle von „Consumern“, also Menschen, die sich verstärkt in Marken- und Produktentwicklung einbinden lassen (wollen) und damit Unternehmen stärker zu einem, dem Kunden gleichwertigen Knotenpunkt in einem globalen Peer-to-Peer-Netzwerk machen. Insgesamt war es ein recht uninspirierter, old-fashioned Web 2.0 Vortrag mit einer Ansammlung bereits bekannter UGC-Links wie www.fixmystreet.com, www.whatdotheyknow.com, www.eurotechnology.com (eine Plattform für Barcode-Labeling), www.theyworkforme.com, www.blogger.com (die in Sachen Informations-Produktion bereits 2006 CNN überholt hatten). Eine konkrete, in Zahlen abgefasste Antwort auf die Frage nach der Monetarisierung von Social-Communities blieb leider aus.

Iris Ben David stellte ihr Projekt www.Styleshake.com vor, eine recht spannende Make-Your-Own-Style-Fashion-Website, bei der insbesondere Frauen als Zielgruppe ihre Kleidung selber gestalten können. Es ist möglich, sich ein Kleid auf dieser Plattform aus über 1.000.000 Design-Kombinationen selbst zusammenzustellen. Diese selbst gestalteten Kombinationen werden innerhalb weniger Minuten in den Produktionsprozess überführt und innerhalb weniger Tage an den Kunden ausgeliefert. Fast alle Kundinnen haben selbst noch nie ein Kleid geschneidert oder entworfen. Interessant ist die geringe Retouren-Rate von unter 8% bei diesem Konzept, welches ja immerhin mit einem großen Risiko durch eine mangelnde Passform verbunden ist. Sehr spannend ist, dass die Conversion-Rate dieser Seite bei 25% bis zum Registrierungsformular liegt, leider gab es keine Zahlen zur Overall-Conversion-Rate.

Denis Duval, Vice-President von 3 Suisse aus Frankreich und Power-Sponsor von Syleshake erklärte, dass es in Zukunft für ein Unternehmen nicht mehr möglich sein könne, ohne Zugang zu Social Networks wettbewerbsfähig zu sein. Frau Ben David bestätigte, dass Plattformen wie facebook, einen ungleich größeren CPC aufweisen würden als Google Adwords.

Weiter ging es mit Dr. Schnieders, Director Online Medien bei der Otto Gruppe: Er zeigte ein paar sehr spannende Zahlen zur Rolle der so genannten Intermediäre, also jener Webseiten, von denen es mehr als 400 in Deutschland gib, die Online-Produkt und Preisvergleichsysteme anbieten. Eine der erschreckendsten Zahlen – zumindest für Online-Marketeers – ist, dass bereits über 70% aller online Käufer Preisvergleichssysteme nutzen. Das bedeutet:

  • Die Anbieterauswahl verlagert sich zunehmend nach hinten. Früher wurde zuerst der Anbieter ausgewählt und dann die Produktauswahl angesteuert, seit einiger Zeit ist es genau umgekehrt.
  • Es zeigt sich, dass die Intermediäre zunehmend an Macht gewinnen. In Brasilien hat sich eine Plattform namens BUSCAPÉ derartig „breit gemacht“, dass sie Shop-Plattformen sogar „zwingen“ ein Bewertungsformular in den Checkout-Prozess einzubauen, damit User den Versender bewerten können.
  • Intermediäre sind zunehmend in der Lage, Marktforschung zu betreiben und massiv Einfluss auf Shop-Betreiber zu nehmen
  • Intermediäre können teilweise sehr viel besser als Händler Produktinformationen darstellen, sie tun das, indem sie einfach alle Informationen von allen Plattformen intelligent agreggieren.

Diese interessante Entwicklung wird natürlich Auswirkungen auf SEO und SRO Operationen haben.

Otto hat versucht, mit smatch.com darauf zu reagieren und eine one-stop-shopping Plattform etabliert, um den Konzepten der Preisvergleichs-Systeme ein Produktführerschaftssystem (Category Leadership) entgegenzusetzen. Otto hat über 100 Händler auf dieser Plattform eingebunden und möchte zusätzlich mit Hilfe emotionaler, USG gesteuerter Produktempfehlungs-Instrumentarien einen größeren Value für Kunden generieren.

–> weitere Berichte zur Ecom demnächst in diesem Blog.

Matthias Henrici

Matthias Henrici ist eCommerce-Mann der ersten Stunde. Bereits Anfang der neunziger Jahre entwickelte er wertschöpfende Multimedia-Projekte u.a. für deutsche und internationale Unternehmen. Seit 11 Jahren lehrt er als Dozent für Usability und Neuro-Marketing an deutschen Hochschulen. Matthias Henrici auf XING
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    2 Reaktionen auf „Live von der ECOM, Berlin’09 – Trends im Online-Handel, Part I

    1. von free book summaries

      Powerful post.

      • 🙂

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