Mode-Versandhandel und wann „fühlen“ zweitrangig wird!

Versandhändler für Mode stehen vor einer ganz besonderen Herausforderung: den nirgendwo sonst ist das Gefühl für Stoffe, Schnitte oder Muster wichtiger als hier. Gut, Schnitte und Muster lassen sich durch hochwertige Bilder und Beschreibungen noch sehr gut in einem Online-Shop abbilden. Doch das Gefühl das man hat, sobald man in den Laden geht und ein bestimmtes Kleidungsstück in die Hand nimmt lässt sich im Online-Umfeld einfach nicht abbilden.

Daher wird schon seit ein paar Jahren nach neuen, innovativen Methoden geforscht, wie man das "Fühlen von Stoffen und der Beschaffenheit" von Kleidung möglichst durch ein anderes "Fühlen" ersetzen kann. Von der 360-Grad-Produktfotografie über Produkt-Videos bis hin zu persönlichen und individuellen Empfehlungen innerhalb einer Community á la stylefruits.de, stehen den Online-Händlern mittlerweile eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung. In der Hauptsache geht es doch darum, den User von dem Produkt zu überzeugen, d.h. eine möglichst genaue Beschreibung und Darstellung abzuliefern, die kaum Raum für die Frage offen lässt, wie sich das ganze wohl anfühlen könnte.

Doch es gibt einen Typ von Usern, bei denen die Haptik zweit- wenn nicht so gar dritt-rangig ist. Der Typ "Ich möchte so sein wie...". Ich behaupte mal, dass wir hier von einer hauptsächlich jüngeren weiblichen Zielgruppe sprechen können. In einschlägigen Boulevard-Blättern oder (Fashion-)Blogs werden die Styles von Film-Stars, Models oder Musikern präsentiert. Die meist teuren Styles der Stars & Sternchen, die hauptsächlich aus richtig teuren Markenklamotten bestehen, werden zum "nachstylen" in einer günstigeren Variante vorgestellt. Der Look kann sofort von den Usern kopiert werden - hauptsache es ist gerade "en Vogue".

Was also liegt näher, als in den Online-Shops verstärkt mit den Styles bekannter Gesichter zu arbeiten und den Usern genau diese in einer Variante zu präsentieren, die sie sich leisten können? Gerade für Fashion-Online-Shops die an und für sich bereits eine junge Zielgruppe ansprechen, könnte dies doch eine viel versprechende Alternative sein. Es gibt sie nämlich tatsächlich, die User, die sich ohnehin nicht so sehr mit der Haptik beschäftigen möchten, sondern eher daran interessiert sind möglichst stylish auszusehen. Und wenn das Oberteil für 29.95 € nach einem halben Jahr die ersten Fäden verliert, ist das auch nicht so schlimm - bis dahin ist es sowieso nicht mehr trendy.

Ein Beispiel aus dem Online-Bereich liefert der Online-Shop von 7trends. Unter der Kategorie "Looks" werden einzelne Looks präsentiert. Man kann sich das mit dem Star zusammen abgebildete Outfit fast 1:1 nachkaufen, ohne sich in größere Umkosten stürzen zu müssen. Und doch erhalten die User hier noch das ganz besondere Gefühl mitgeliefert auf einem Level mit den berühmten Vorbildern zu sein. Und wenn es nur über das Outfit oder einzelne Kleidungsstücke funktioniert - es scheint zumindest gut zu funktionieren. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Konzept innerhalb dieses ganz bestimmten Käufertyps sehr gut aufgeht.

Doch mit diesem Ansatz ist nicht jedem Shop geholfen, da die Zielgruppen oft vielschichtiger sind und der Anteil des Typs "Nachstyler" oder "Ich möchte so sein wie..." eher geringer ausfallen könnte. Daher sollte dieser Ansatz auch eher am Rand und nicht hauptsächlich integriert werden, den es gibt viel mehr User, die sich auf ihren individuellen Geschmack verlassen und das "Nachstylen" eher als aufdringlich empfinden.

Ich bin wirklich gespannt, was sich in diesem Bereich in den nächsten Monaten bzw. Jahren noch tun wird, um auch die "gefühlsbetonteren" Menschen schneller zu überzeugen, Kleidung verstärkt online zu kaufen.

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Susanne Seibold Susanne Seibold untersucht Online-Shops mit Fokus auf die emotionale Wahrnehmung innerhalb der Zielgruppe. Ihre Leidenschaft gilt dem Joy of Use von Online-Shops und Communities.

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2 Reaktionen auf  “Mode-Versandhandel und wann „fühlen“ zweitrangig wird!”

Kommentare

  1. Björn Björn

    Dieses Problem stellt sich uns schon seit Jahren.
    Wie erkläre ich meinen Kundinnen (Mütter) wie sich die Sachen anfühlen? Gerade wenn der Hersteller neue Innovationen einfließen läßt, die die Stoffe noch leichter und bequemer machen? Ich denke aber das diese „junge weibliche“ Zielgruppe tatsächlich kaum wert auf Qualität legt, sondern wirklich nur trendy sein will.
    Egal… zum Glück kommen die Mütter wieder, die wir einmal überzeugen konnten… und irgendwann werden diese „jungen Damen“ auch mal Mütter 😉

    Gruß
    Björn

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