3 Tipps für (noch) bessere Produktfotos

Anders als im klassischen Ladengeschäft gibt es in Onlineshops keine Verkaufsregale, an denen Produkte aus realer Perspektive betrachtet oder auch mal in die Hand genommen werden können.


Bessere Produktfotos - TippsDas Fehlen dieser haptischen Wahrnehmung macht es Onlinekäufern oft schwer, ein Urteil über die Dimension, die Materialbeschaffenheit und letztendlich die Qualität eines Produktes zu fällen um damit zur Kaufentscheidung zu kommen.

Natürlich können solche Eigenschaften theoretisch alle über die textliche Produktbeschreibung kommuniziert werden.

Weitaus aktivierender und überzeugender ist es für den Kunden allerdings, die entscheidungsrelevanten Merkmale über die visuelle Präsentation vermittelt zu bekommen. Nicht ohne Grund bestätigen Studien immer wieder, dass gute Fotos für Onlinekäufer viel wichtiger sind als die Beschreibung in Textform.

Doch was machen gute Produktfotos eigentlich aus?

Beim Gedanken an die Optimierung von Produktabbildungen kommen einem schnell viele Ideen. Sicherlich sinnvolle Ansätze sind da zum Beispiel:

  • Fotos aus allen relevanten Perspektiven
  • hohe Farbechtheit und professionelle Anmutung der Abbildungen
  • hochauflösende Bilder mit hohem Detailgrad
  • eine intuitiv bedienbare Zoomfunktion

Schaut man sich aktuelle Shops an wird allerdings schnell klar, dass die genannten Punkte bereits von den meisten Anbietern umgesetzt wurden. Eine positive Abhebung von der Konkurrenz ist für Shopbetreiber auf dieser Ebene demnach nur noch begrenzt möglich.

Es stellt sich also die Frage, welche Form von Abbildungen tatsächlich noch eine deutliche Differenzierung vom Wettbewerb ermöglichen? Welche shopexklusiven Inhalte können positiv zur Kaufentscheidung beitragen und den Besucher damit im besten Fall zur Bestellung im eigenen Shop bewegen?

Im Folgenden möchte ich dazu drei Ideen vorstellen:

1. Zeigen Sie Produkte während der Benutzung

Abbildungen von Produkten während der Benutzung können Besuchern wichtige Informationen vermitteln, welche mit einer freigestellten Darstellung niemals übertragbar sind. Weiterhin können solche Darstellungen dazu verhelfen, das Produkt „realer“ wahrzunehmen um damit die fehlende Haptik des Online-Schaufensters zu kompensieren.
Produktfoto freigestellt
Der rechts abgebildete Rasenmäher der Marke Fiskars ist in unzähligen Onlineshops bestellbar. In den meisten Fällen wird allerdings auch nur genau dieses freigestellte Foto gezeigt. Gerade bei einem Preis von gut 250 Euro bietet hier ein einziges Bild nur sehr wenig Informationen.

Besser macht das Amazon, hier wird der Spindelmäher zusätzlich in realer Umgebung in Aktion gezeigt. Dadurch wird zum Beispiel sofort deutlich, dass sich das Gerät auch für randloses Rasenmähen direkt vor Mauern oder Zäunen eignet.

Produktfoto in Benutzung

Einen echten Mehrwert bildet auch das folgende Beispiel des Mini-Akkubohrers. Hieraus gehen Anwendungsmöglichkeiten hervor, die dem Besucher zuvor eventuell noch garnicht bewusst sind (kompaktes Werkzeug für den Winterurlaub).

Produktfoto in Benutzung - Tipps

Die untenstehende Abbildung des Trockenrasierers vermittelt ebenfalls einen Vorteil (einfache Nassreinigung) implizit über die Bildsprache, ohne dass dazu die Beschreibung gelesen werden muss.

Produktfoto in Verwendung - Tipps

 

2. Schaffen Sie einen Rahmen um das Produkt (Framing)

Durch einen geschickt gewählten Hintergrund können Produkte gezielt in Szene gesetzt werden. So wirken die Loungemöbel beim Möbelhändler Kieppe auf der modernen Terasse mit Meerblick sehr hochwertig und fast schon exklusiv. Mit freigestellten Fotos wäre dieser Eindruck hingegen kaum zu vermitteln.

Produktfotos - Framing

Auch der Händer lounge-zone.de macht vom sogenannten Framing Gebrauch, in dem die moderne und hochwertige Architektur im Hintergrund positiv auf die eigentlich beworbene Couch abstrahlt.

Produktfotos - lounge-zone

3. Verdeutlichen Sie Dimensionen

Allein auf Basis von Fotos ist es für Besucher oft sehr schwierig, die Dimensionen eines Artikels zu erkennen. Aber auch die Angabe in gängigen Maßeinheiten in der Beschreibung ist für viele nicht wirklich hilfreich - unter anderem weil das Gefühl für Längeneinheiten immer weiter abnimmt.

Abhilfe schaffen hier bekannte Bezugsobjekte innerhalb der Fotos, anhand derer die tatsächlichen Größen eingeschätzt werden können.

So stellt Amazon seinem Kindle einen Bleistift zur Seite. Jeder Mensch weiß wie dick ein Bleistift ist - und damit wird auch jedem Besucher implizit klar, wie dick ein Kindle ist.

Produktfotos - Dimensionen Kindle

Ähnlich wurde das bei der Einführung des MacBook Airs von Apple gelöst, bei der eine Hand als bekanntes Bezugsobjekt die dünne Bauweise des Geräts verdeutlichte.

Produktfotos - Dimensionen MacBook

In einem weiteren Foto des bereits gezeigten Handrasenmähers bei Amazon werden durch den Mann im Hindergrund als Bezugsgröße auch hier sehr schnell die groben Produktmaße klar. Gleichzeitig wird der Artikel auch nochmals in Aktion gezeigt.

Produktfotos in Action

Fazit

Zweifellos ist die Produktion und Pflege von eigenem Fotomaterial für Onlinehändler mit einem nicht geringen Aufwand verbunden. Andererseits ermöglichen derart individuelle Inhalte eine eindeutige Differenzierung vom Wettbewerb, was über klassische Versandhandelsleistungen wie Sortiment, Lieferzeit, Preis oder Versandkosten mittlerweile kaum noch möglich ist.

Für Händler ist es demnach sehr empfehlenswert genau zu analysieren, welche Abbildungen für die jeweilige Zielgruppe entscheidungsfördernd sein könnten. Um den Aufwand im ersten Schritt gering zu halten bietet es sich an, dies zunächst auf Top-Produkte zu beschränken und bei Erfolg im Anschluss sukzessive für das gesamte Sortiment zu etablieren.

Gerne möchte ich an dieser Stelle noch auf zwei weitere Artikel hinweisen, welche auf die visuelle Präsentation von Produktverpackungen und Produktzubehör eingehen.

Kennen Sie noch weitere Darstellungsformen, welche dem Besucher einen wirklichen Mehrwert verschaffen? Über Kommentare freue ich mich.

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Marcel Licht Marcel Licht ist Mitglied der Geschäftsleitung der Web Arts AG. Er beschäftigt sich seit 2009 mit der Conversion Optimierung von Websites namhafter Unternehmen aus den Bereichen Finanzen, Telekommunikation, Tourismus und Onlinehandel. Weiterhin ist Marcel Licht Dozent für Conversion Optimierung an der Hochschule Darmstadt. Seine Artikel erschienen bisher in Publikationen wie iBusiness, Website Boosting, t3n, Chip und weiteren Magazinen. Marcel Licht auf XING.

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8 Reaktionen auf  “3 Tipps für (noch) bessere Produktfotos”

Kommentare

  1. Axel Copypast Axel Copypast

    Amazon hat die Funktion Bilder von Kunden anzusehen und eigene hochzuladen. Ist auch eine gute Möglichkeit Produkte im Einsatz zu sehen.

  2. Stefan Klenk Stefan Klenk

    Gute Anmerkung von Axel.
    Uservideos gehen auch teilweise.

  3. Marcel Licht Marcel Licht

    Die Möglichkeit bei Amazon eigene Bilder hochzuladen und auch mit Kommentaren zu versehen ist wirklich sehr gut.

    Der im Fazit vermerkte Artikel zu Produktverpackungen greift dieses Thema auch weiter auf. Hier sieht man dass viele Nutzer Fotos von Verpackungen und auch von Zubehör einstellen. Dieses angedeutete Verpackungserlebnis kann ganz sicher positiv zur Kaufentscheidung beitragen.

  4. Vadim Jacobi Vadim Jacobi

    Hallo Marcel, ein weiteres interessantes Thema bei der Produktdarstellung sind 360 bzw. 3D Animationen. Das ganze ist nicht wirklich neu, im Moment aber wieder stark im kommen! Hier ein paar Links:
    http://www.ajax-zoom.com/examples/example15.php
    http://www.ajax-zoom.com/examples/example29.php

  5. Svitlana Svitlana

    Oh, ich wollte ja auch die 360-Grad-Präsentation als ganz erfolgreiche Präsentationform nennen… Diese scheint mir sehr hilfreich für den Kunden sein, die jetzt ganz realistische Vorstellung über die Artikeln haben. Es wäre auch gut die oben genannte Verfahren (bzw. Dimension-verdeutlichung, Präsentation in Umgebung) mit 360-Grad-Präsentation zu kombinieren.

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