Responsive Website Testing – Wie man mobile Websites testen kann

Worauf man bei Responsive eCommerce Sites achten sollte, haben meine Kollegen bereits in zahlreichen Artikeln zum Thema erläutert. Aber wie gut funktioniert die responsive oder mobile Website im Vergleich zur Desktop Version? Eine Frage, die nur durch responsive Website Testing beantwortet werden kann.

Und wie funktioniert jetzt Testing bei mobilen Websites? In diesem Artikel werde ich genau auf diese Frage und die aktuell gebotenen Funktionen der Tools eingehen.

konversionsKRAFT Smartphone Mashup

Kurzer Exkurs: Wie lässt sich eine Website responsive machen?

Der einfachste und gängigste Weg ist die Verwendung von sogenannten Media Queries. Dabei werden die bestehenden Desktop Style-Attribute der Website um Attribute für andere Bildschirmauflösungen erweitert. So kann beispielsweise auf die Auflösung, das Pixelverhältnis – Smartphones haben häufig eine höhere ppi (Pixel pro Zoll) als ein Desktop-Bildschirm (z. B. 72ppi vs. 326ppi beim aktuellen iPhone), Portrait oder Landscape reagiert werden.

Neben der Anpassung für mobile Endgeräte kann hierbei natürlich auch für niedrigere Desktop-Auflösungen (z. B. Netbooks) oder Tablet-PCs optimiert werden.

Damit eine Website nicht nur vom Layout auf das Endgerät passt, sollte eine „echte“ mobile Website entsprechende Funktionen bieten, welche die User Experience unterstützen.

Hierauf sind wir in anderen Artikeln bereits detaillierter eingegangen. Technisch wird dies in der Regel durch entsprechende JavaScript-Frameworks ermöglicht.

Worauf muss man beim responsive Testing achten?

Grundsätzlich gibt es 3 Themen, die hierbei eine Rolle spielen:

  • Umfang – Welche Endgeräte? Wie weit soll die Website responsive werden?
  • Konzept – Wie umfangreich sind die Anpassungen?
  • Implementierung – Wie und was soll alles angepasst werden? Was können die verschiedenen Testingtools mittlerweile?

Umfang

Generell sollte man sich zuerst die Frage stellen, ob man – bevor man die gesamte Website für einen Test responsive macht – nicht nur einen Teilbereich, z. B. einen definierten Pfad wie Mobile Landingpage > Dankeseite anpasst.

Der zweite Aspekt sind die unterschiedlichen Endgeräte und damit die entsprechenden Auflösungen die abgefragt und angepasst werden müssen. Macht es Sinn, direkt für alle gängigen Endgeräte einen Test aufzusetzen oder sollten im ersten Schritt nur für z. B. 2 – 3 Geräte Optimierungen und Hypothesen verprobt werden? Ein Blick in die Website-Analysezahlen hilft hier weiter. Oft ist der Traffic für den Test das Kriterium, welches letztlich die Entscheidung zum Umfang beeinflusst. Bei der Traffic-Betrachtung spielen zwei Fragen eine entscheidende Rolle:

  1. „Lohnt es sich für diese paar Prozent den Aufwand zu betreiben?“
  2. „Reicht mein Traffic für den Test aus, um in einem überschaubaren Zeitraum valide Testergebnisse zu liefern?“

Letzteres ist stets eine Ermessensfrage, die tatsächlich im Testing-Alltag – unabhängig vom mobile Thema – am häufigsten gestellt wird. Testlaufzeit Kalkulatoren (z. B. Wingifys A/B test duration calculator) geben hier ein Indiz für die Testdauer, aber ein Garant für ein valides Testergebnis im kalkulierten Zeitraum ist das nicht. Zu viele Einflussfaktoren spielen hier eine Rolle.

Es ist wichtig sich über den Umfang im klaren zu sein – je mehr Endgeräte und/oder Auflösungen im Spiel sind, desto aufwendiger werden entsprechend die Konzepte für die einzelnen Geräte und letztlich das Test-Setup sowie die Implementierung.

Konzept

Im einfachsten Modell stellt das Konzept lediglich sicher, dass alle „relevanten“ Informationen stets für das Endgerät entsprechend angepasst und sichtbar sind. Unnötige Informationen werden ausgeblendet. Die Darstellung ist stets für die gebotene Auflösung optimiert.

Die Königsdisziplin dagegen beinhaltet viel mehr. Zum Beispiel die Überlegung, welche Nutzergruppen gerade hinter dem Endgerät sitzen (z. B. kann die Desktop-Nutzergruppe anders motiviert sein als die mobile und der iOS-Nutzer anders angesprochen werden als der Android oder Windows).

Auf welche motivierenden Faktoren beim Konzept eingegangen werden kann, wird in der Artikelserie zum Mobile Motivational Index genauer beschrieben.

Neben der bloßen Anpassung der Darstellung können und sollten im Konzept entsprechend auch inhaltliche Änderungen und Erweiterungen berücksichtigt werden. Das gilt auch für funktionelle Verbesserungen, die der entsprechenden User Experience zuträglich sind.

An dieser Stelle wird bereits klar, wie wichtig der definierte Umfang ist. Im Vergleich zum reinen Conversion Testing auf dem Desktop kann hier der Aufwand ganz leicht das Budget sprengen. Gerade wenn man bedenkt, dass pro Endgerät auch noch unterschiedliche Variationen möglich sind und die Änderungen im Konzept und Umsetzung für jedes Gerät / Auflösung und Variante entsprechend bedacht werden wollen.

Implementierung

Sind Umfang und Konzept klar, beginnt die eigentliche Herausforderung: das Test-Setup. Hier kommt es jetzt darauf an, wie weit einem das Conversion Testingtool entgegen kommt.

Das führt uns direkt zur Frage: „Was können die Tools zum aktuellen Zeitpunkt?“

Ohne auf einzelne Anbieter einzugehen, lässt sich allgemein sagen, dass auch hier – wie so häufig beim Thema mobile – die Entwicklung und Funktionen noch in den Kinderschuhen stecken.

Viele Tools brüsten sich bereits mit „Mobile Testing Support“. Schaut man sich allerdings die Funktionen im Detail an, läuft es meist auf folgende zwei Features hinaus:

  • Endgerät-spezifisches Targeting und
  • Preview der Darstellung im Endgerät (teilweise Live, teilweise als Screenshot)

Grundsätzlich ist das schon mal nicht schlecht – es lassen sich damit auf jeden Fall entsprechende Tests realisieren. Ein Test lässt sich z. B.

  • nur für entsprechende Geräte / Auflösungen ausspielen
  • einzelne Variationen lassen sich für bestimmte Geräte / Auflösungen ausspielen
  • Testergebnisse können nach Geräten gefiltert / segmentiert werden
  • die Umsetzung lässt sich im Voraus auf verschiedenen Geräten betrachten

Leider ist das Test-Setup – natürlich abhängig vom bereits angesprochen Umfang – entsprechend aufwändig. Allgemein stehen hierfür im Prinzip zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

Möglichkeit 1 – Fokus auf Endgeräte

Pro Endgerät / Auflösung wird eine entsprechende Variation ausgespielt, d. h. jede Variation wird auf ein Endgerät entsprechend segmentiert.

Vorteil: Es lässt sich genau vergleichen, welches Endgerät wie gut im Vergleich mit einem anderen oder Desktop funktioniert.

Dies macht besonders dann Sinn, wenn das Tool zum einen keine Ergebnis-Segmentierung anbietet, und in der breiten Masse der Conversions nicht nachvollzogen werden kann, welches Gerät am besten performt.

Zum anderen ist es sinnvoll, wenn das Konzept eben nicht „nur“ die bloße Darstellung anpasst, sondern pro Gerät / Auflösung auch andere Inhalte bzw. Hypothesen verprobt werden sollen.

Möglichkeit 2 – Fokus auf Hypothesen

Eine Variation beinhaltet Anpassungen für mehrere Endgeräte / Auflösungen. Diese können innerhalb der Variation beispielsweise durch die im Exkurs kurz angerissenen Media-Queries und JavaScript-Methoden ermöglicht werden. Testingtools aus dem gehobeneren Preissegment ermöglichen aber auch serverseitige Anpassungen, so dass die Änderungen gezielt und direkt für Endgeräte zur Verfügung gestellt werden können.

Vorteil: Es können hierbei pro Variation entsprechend eine Hypothese für mehrere Endgeräte / Auflösungen verprobt werden. Dafür ist – sofern kein Website-Analyse-System angebunden ist bzw. das Tool keine Ergebnis-Segmentierung bietet – nicht klar, welche Geräte wie im Detail konvertieren.

Fazit

Mobile Commerce ist in aller Munde – nachvollziehbar, bei der derzeitigen Wachstumsrate. Responsive Websites werden immer populärer, die wachsende Nutzergruppe schreit förmlich nach entsprechenden Lösungen. Mit steigenden Nutzerzahlen im mobilen Sektor werden somit auch die Anpassungen immer wichtiger.

Auch wenn Conversion Testing im Desktop-Bereich noch längst nicht in allen eCommerce-Unternehmen angekommen scheint, wird meiner Meinung nach der Drang nach mobile bzw. responsive Conversion Testing proportional zur Wachstumsrate steigen.

Es bleibt zu hoffen, dass hier die Toolanbieter in den kommenden Monaten noch mit einigen Funktionen und weiteren Möglichkeiten aufwarten. Aber auch aktuell ist es bereits möglich – wenn auch gegebenenfalls mit Einschränkung – mobile Websites und responsive Layouts in Tests zu verproben.

Es spricht also nichts dagegen, zum aktuellen Zeitpunkt erste Gehversuche im mobile Testing zu wagen. Selbst komplexe Testkonzepte und Setups lassen sich bereits realisieren, wenn auch mit entsprechendem Aufwand.

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Manuel Brückmann Manuel Brückmann ist als Mitglied der Geschäftsleitung bei der Web Arts AG für den Bereich Technologie verantwortlich. Er beschäftigt sich neben der Beratung im Bereich Testing mit eCommerce-Entwicklung und -Optimierung. Folgen Sie ihm auf Twitter oder verlinken Sie sich auf Google+, XING oder LinkedIn.

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4 Reaktionen auf  “Responsive Website Testing – Wie man mobile Websites testen kann”

Kommentare

  1. Alexander Richter Alexander Richter

    Danke für den tollen Artikel!
    Responsive Layouts lassen sich tatsächlich einfacher testen als Browser- bzw. Geräte-Weichen etc. Vielleicht darf ich hier den Link-Tipp zu www.mobiproof.com loswerden. Dort kann schnell und auf vielen Geräten die Darstellung getestet werden. Eventuell ist dies ja auch für die Liste in diesem Artikel interessant.
    Gruß,
    Alexander Richter

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