Preispsychologie: dunkles Low-Poly-Muster mit zwei roten Akzenten
Behavior Patterns

13 min Lesezeit

Preispsychologie: Warum 3,99 € wie drei Euro wirkt

Preispsychologie einfach erklärt: Warum 9,99 € billiger wirkt als 10 €, wie Preise wahrgenommen werden und was unsere Tests im Shop zeigen.

Von André Morys · Veröffentlicht am 21.06.2011

Inhalt

  • Preiswahrnehmung ist ein Sammelbegriff: Was darunter fällt
  • Wie Preise wahrgenommen werden: fünf Mechanismen
  • Preiswahrnehmung, Ankereffekt, Decoy-Effekt, Framing und Verlustaversion: der Unterschied
  • Wann passt Preiswahrnehmung? Die Einordnung im Behavior Pattern Model
  • Was unsere Tests zu Preiswahrnehmung zeigen
  • Preiswahrnehmung Beispiele aus der Praxis
  • So setzt du Preiswahrnehmung ein: Checkliste
  • Typische Fehler bei der Preiswahrnehmung
  • Grenzen, Risiken und Dark Patterns
  • Häufige Fragen zur Preispsychologie
  • Weiterlesen
  • Über den Autor und Quellen

E-Mail-Kurs: Behavioral Sciences

Verstehen, was Menschen wirklich bewegt und das eigene Testing auf das nächste Level bringen.

Vier eigenständige E-Mail-Kurse zeigen dir, wie du Behavioral Sciences in deinem Alltag anwendest. Egal ob du mehr Uplift willst, dein Team mitnehmen musst, Behavioral Sciences strategisch verankern oder selbst Expert:in werden möchtest.

Preispsychologie untersucht, wie Menschen Preise wahrnehmen und bewerten. Preiswahrnehmung (englisch Price Perception) beschreibt das Erleben eines Preises, bevor jemand bewusst rechnet. Es hängt von Ziffern, Darstellung, Umgebung und Zahlweise ab. Thomas und Morwitz zeigten 2005, dass wir Preise von links lesen. Deshalb wirkt 3,99 € näher an drei als an vier Euro.

Preiswahrnehmung ist ein Sammelbegriff. Unter ihm sammeln sich mehrere Effekte, die nur lose zusammenhängen. Der Abschnitt weiter unten sortiert sie. Hier geht es um Shops und um die Frage, wie dein Preis ankommt, wenn du ihn nicht änderst.

Kurz gesagt

  • Wirkung: Kunden beurteilen einen Preis nach Ziffern, Darstellung und Zahlweise, bevor sie rechnen. Zwei gleich hohe Preise fühlen sich deshalb unterschiedlich teuer an.

  • Hilft: wenn Kunden die Ersparnis sofort sehen sollen. In einem B2B-Shop stieg die Conversion Rate um bis zu 24,93 %, nachdem wir Ersparnis und Streichpreise deutlicher zeigten.

  • Schadet: wenn eine neue Darstellung verwirrt. Im Warenkorb eines Sporthändlers sank die Conversion Rate um 2,97 %.

Preiswahrnehmung ist ein Sammelbegriff: Was darunter fällt

Preiswahrnehmung ist kein einzelner Effekt wie der Ankereffekt. Der Begriff fasst mehrere Mechanismen zusammen, die beeinflussen, wie ein Preis ankommt. Wir sortieren sie hier offen, damit du Effekte mit eigener Forschung nicht verwechselst.

Preiswahrnehmung Schema: Sammelbegriff für Linksziffer-Effekt, Preis-Qualitäts-Heuristik, Darstellung, Schmerz des Bezahlens und Preisaufteilung

Schema: Fünf Mechanismen fallen unter den Sammelbegriff Preiswahrnehmung. Ankereffekt, Decoy-Effekt, Framing und Verlustaversion haben eigene Artikel.

Wir führen Preiswahrnehmung trotzdem als eigenes Pattern. Der Grund liegt im Kundenproblem. Kunden können den Preis eines Produkts oft nicht einschätzen. Sie wissen nicht, ob 79 € viel oder wenig sind, und urteilen nach Hinweisen wie Ziffern, Darstellung und Zahlweise. Dazu kommt unsere Testbasis. Unser Archiv enthält viele Tests zur Preisdarstellung, die sich keinem anderen Pattern sauber zuordnen lassen.

Vier verwandte Effekte haben eigene Artikel. Der Ankereffekt beschreibt, wie die erste Zahl jedes spätere Urteil an sich zieht. Der Decoy-Effekt zeigt, wie eine unterlegene Option die Wahl lenkt. Das Framing erklärt, wie der Rahmen ein Urteil verschiebt. Die Verlustaversion beschreibt, warum Verluste schwerer wiegen als Gewinne. Hier behandeln wir sie nicht weiter.

Wie Preise wahrgenommen werden: fünf Mechanismen

Linksziffer-Effekt: 9er-Preise und Schwellenpreise

Wir lesen Zahlen von links nach rechts. Die erste Ziffer prägt den Eindruck, der Rest zählt weniger. Thomas und Morwitz nannten das 2005 den Left-Digit-Effect, auf Deutsch Linksziffer-Effekt. In ihren Experimenten wirkte der Abstand zwischen 2,99 € und 3,00 € größer als der Abstand zwischen 2,98 € und 2,99 €. Beide Differenzen betragen einen Cent. Nur im ersten Fall wechselt die linke Ziffer.

Preiswahrnehmung Beispiel: 3,99 € wirkt wegen der linken Ziffer wie drei Euro und nicht wie vier

Prinzip-Skizze: Rechnerisch liegen 3,99 € und 4,00 € einen Cent auseinander. Wahrgenommen zählt die erste Ziffer.

Daraus folgt der Schwellenpreis. Ein Preis knapp unter einer runden Grenze wie 9,99 € oder 49 € wirkt wie die niedrigere Preisstufe. Das erklärt, warum 9er-Preise so verbreitet sind. Es erklärt nicht, ob sie in deinem Shop mehr verkaufen. In unserem Testarchiv liegt kein Test zu 9er-Preisen oder Schwellenpreisen. Die Wirkung bei dir kennst du erst nach einem eigenen Test.

Ein 9er-Preis sendet außerdem ein Signal. Er passt zu Sparsamkeit und Aktion, und er passt weniger zu einer Marke, die Hochwertigkeit ausstrahlen will. Das ist eine Annahme und gehört in einen Test.

Preis-Qualitäts-Heuristik: Teuer heißt gut

Viele Kunden schließen vom Preis auf die Qualität. Plassmann und Kollegen zeigten das 2008 im Hirnscanner. Die Teilnehmer probierten Weine, und dieselben Weine trugen unterschiedliche Preisschilder. Beim höheren Preis bewerteten die Teilnehmer den Wein als angenehmer. Eine Hirnregion für erlebte Annehmlichkeit zeigte dabei mehr Aktivität.

Für deinen Shop heißt das, dass ein niedriger Preis auch Zweifel wecken kann. Das gilt vor allem bei Produkten, die Kunden schlecht beurteilen können. Die Studie hat Wein im Labor untersucht. Das ist eine Übertragung auf Shops.

Darstellung: Schriftgröße, Format und Währungszeichen

Auch die Gestaltung eines Preises verändert, wie er wirkt. Coulter und Coulter fanden 2005, dass Kunden Preise anders bewerten, wenn Schriftgröße und Größe der Zahl zusammenpassen (Size Congruency). Eine kleine Zahl wirkt in kleiner Schrift stimmiger.

Eine Cornell-Studie zu Restaurantkarten fand 2009, dass Gäste mehr ausgaben, wenn die Preise ohne Währungszeichen standen. Ein Restaurant ist kein Shop. Der Befund ist deshalb ein Hinweis und kein Beleg für deinen Shop.

Als Hintergrund dient das Triple-Code-Modell von Dehaene (1992). Es beschreibt, dass das Gehirn Zahlen als Wort, als Größe und als Ziffernbild verarbeitet. Dehaene und Kollegen zeigten 1999, dass genaues Rechnen und grobes Schätzen unterschiedliche Hirnareale nutzen. Im Shop schätzen Kunden meist, statt zu rechnen.

Schmerz des Bezahlens: Zusatzkosten und Zahlart

Bezahlen kann sich wie ein Verlust anfühlen. Prelec und Loewenstein beschrieben 1998 diesen Schmerz des Bezahlens. Er fällt schwächer aus, wenn Zahlung und Konsum zeitlich auseinanderliegen. Zusatzkosten am Ende des Kaufs können ihn verstärken. Das ist eine Vermutung, die unser Zahlarten-Test unten nur teilweise stützt. Der Zusammenhang zur Verlustaversion liegt nahe.

Preisaufteilung: Gesamtpreis, Rate oder Preis pro Tag

Derselbe Betrag kann als Einmalzahlung, als Rate oder als Preis pro Tag erscheinen. Die Idee lautet, dass kleine Beträge weniger wehtun als ein großer. Für diesen Mechanismus haben wir weder eine Studie noch einen eigenen Test. Behandle ihn als Hypothese und verstecke den Gesamtpreis nicht.

Preiswahrnehmung, Ankereffekt, Decoy-Effekt, Framing und Verlustaversion: der Unterschied

Die Grenzen zwischen diesen Effekten sind unscharf. Die Tabelle zeigt, was jeden auszeichnet und woran du ihn im Shop erkennst.

Verwandte Effekte im Vergleich

Effekt

Was passiert

Beispiel im Shop

Preiswahrnehmung

Der Preis kommt je nach Ziffer, Darstellung und Zahlweise anders an.

3,99 € statt 4,00 €.

Die erste Zahl zieht jedes spätere Urteil an sich.

Ein hoher Streichpreis über dem Angebotspreis.

Eine unterlegene Option lenkt die Wahl auf eine andere.

Drei Tarife, von denen einer absichtlich unattraktiv ist.

Dieselbe Information wirkt anders, wenn sie anders gerahmt ist.

90 % fettfrei statt 10 % Fett.

Ein Verlust wiegt schwerer als ein gleich großer Gewinn.

Der Hinweis, welche Ersparnis ohne Kauf verfällt.

Preiswahrnehmung und verwandte Behavior Patterns im Überblick

Wann passt Preiswahrnehmung? Die Einordnung im Behavior Pattern Model

Im Behavior Pattern Model gehört Preiswahrnehmung zur Ebene Stimulanz und dort zu „Produktinformationen unwiderstehlich machen“. Kunden sollen am Preis erkennen, dass sich das Angebot lohnt. Frag dich vorher, ob Kunden an dieser Stelle den Preis nicht einschätzen können oder zögern. Läuft der Kauf ohnehin, bringt eine neue Preisdarstellung wenig.

Behavior Pattern Model mit Preiswahrnehmung auf der Ebene Stimulanz

Im Behavior Pattern Model gehört Preiswahrnehmung zur Ebene Stimulanz.

Auf derselben Unterebene stehen das Framing, Joy and Fun, Preview und Storytelling. Das Framing ist die engste Alternative, weil es ebenfalls die Darstellung eines Preises betrifft.

Was unsere Tests zu Preiswahrnehmung zeigen

Die Tests stammen aus unserem Testarchiv. Die Kunden bleiben anonym. Die Ergebnisse stehen als relative Veränderung der genannten Metrik. Als Beleg werten wir ein Ergebnis ab 95 % Signifikanz. Ein gewonnener Test macht Preiswahrnehmung nicht zur Regel. Er zeigt, unter welchen Bedingungen sie bei diesem Kunden gewirkt hat. Zu 9er-Preisen, Schwellenpreisen und zur Preis-Qualitäts-Heuristik haben wir keinen Test. Diese Abschnitte stützen sich auf Studien.

Test 1: Ersparnis und Streichpreise deutlicher gezeigt in einem B2B-Shop

Seitentyp: Produktdetailseite und Warenkorb. Branche: B2B-Handel. Hypothese: Wenn wir Preise und Ersparnis auf allen Seitentypen deutlich und einheitlich zeigen, bestellen mehr Kunden, weil sie die Ersparnis sofort erkennen.

Beide Varianten gewannen. Die Conversion Rate stieg um 22,37 % in Variante 1 und um 24,93 % in Variante 2, beide signifikant. Der Umsatz pro Besucher stieg um 18,64 % und um 26,52 %. Variante 2 vereinfachte zusätzlich die Preisdarstellung im Warenkorb und lag vorn. Der Test lief 2018 nur auf Desktop. Ein Streichpreis berührt auch den Ankereffekt. Den Anteil von Ersparnis und Anker haben wir nicht getrennt.

Test 2: Angebotspreis mit klarer Befristung bei einem Reiseanbieter

Seitentyp: Angebotsseite. Branche: Reise. Hypothese: Wenn wir Angebotspreise attraktiver und mit klarer Befristung zeigen, legen mehr Besucher ein Angebot in den Warenkorb, weil sie erkennen, dass es sich um ein begrenztes Angebot handelt.

Die Add-to-Cart-Rate stieg um 8,00 % (signifikant). Auf mobilen Geräten lag der Anstieg bei 10,41 %. Am Wochenende blieb der Effekt neutral. Dort lief ein Countdown. Der Test berührt auch die Verknappung. Preisdarstellung und Befristung lassen sich nicht trennen.

Test 3: Rabatt in Prozent als Badge auf dem Produktbild bei einem Modehändler

Seitentyp: Produktlisten. Branche: Mode. Hypothese: Wenn wir die Preisreduktion direkt auf dem Produktbild zeigen, steigt die Conversion Rate, weil die Ersparnis sichtbarer und vergleichbarer wird.

Die Klicks auf Sale-Produkte stiegen um 1,16 % (signifikant). Die Zahl der Produkte auf dem Merkzettel stieg um 2,49 % (signifikant). Auf die Aufrufe der Produktseiten und auf den Kauf wirkte das Badge nicht. Bei den Produktseiten lag die Kontrolle sogar tendenziell vorn. Das Badge lenkte Aufmerksamkeit, verschob das Gesamtergebnis aber nicht.

Test 4: Preisdarstellung in Produktkacheln bei einem Sporthändler

Seitentyp: Produktliste. Branche: Sport. Hypothese: Wenn Kunden eine implizit günstiger wirkende Preisdarstellung sehen, schließen mehr von ihnen eine Bestellung ab, weil sie den Preis als günstiger empfinden.

Die Bestellungen stiegen um 4,40 %. Die Konfidenz lag bei 91,8 % und damit unter unserer Schwelle. Das werten wir nicht als Beleg. Der Kunde hat die Variante trotzdem ausgespielt. Das war eine Geschäftsentscheidung und kein Nachweis der Wirkung.

Test 5: Zahlartenaufschlag für PayPal entfernt bei einem Elektronikhändler

Preiswahrnehmung Beispiel: Zahlartenaufschlag entfernt, PayPal steigt, andere Zahlarten sinken

In der Variante fällt der Aufschlag für PayPal weg. PayPal steigt, die anderen Zahlarten sinken, die Bestellungen insgesamt gewinnen nicht.

Seitentyp: Warenkorb. Branche: Elektronik. Hypothese: Wenn wir den Aufschlag für die beliebteste Zahlart entfernen, bestellen insgesamt mehr Kunden, weil weniger Kunden wegen der Zusatzkosten abbrechen.

Die PayPal-Bestellungen stiegen um 19,56 % in Variante 1 und um 17,50 % in Variante 2. Bei den Bestellungen insgesamt lagen beide Varianten leicht unter der Kontrolle. Einen Gesamtgewinn konnten wir nicht belegen. Eine mögliche Erklärung ist, dass Kunden die Zahlart wechselten, ohne öfter zu bestellen. Belegt ist das nicht. Der Test lief 2014, und sein Report beschreibt die Gesamtwirkung teils widersprüchlich. Belegt ist nur, dass kein Gesamtgewinn vorliegt.

Test 6: Neue Preisdarstellung im Warenkorb bei einem Sporthändler

Seitentyp: Warenkorb. Branche: Sport. Hypothese: Wenn wir die Preisdarstellung im Warenkorb ändern, verbessert sich die Preiswahrnehmung und mehr Kunden schließen ab.

Die Conversion Rate sank um 2,97 % (Signifikanz 99 %). Add-to-Cart-Rate und Umsatz zeigten keinen signifikanten Effekt. Auf Mobile änderte sich nichts. Eine mögliche Erklärung ist Verwirrung durch die ungewohnte Darstellung. Belegt ist das nicht.

Was unsere Metaanalyse über Preiswahrnehmung sagt

In unserer Metaanalyse aller Tests aus dem Archiv zeigte Preiswahrnehmung auf Produktdetailseiten überdurchschnittlich oft Wirkung. Im Warenkorb war sie unterdurchschnittlich. Test 6 passt zu diesem Bild. Die Methodik beschreibt der Artikel zur Metaanalyse.

Preiswahrnehmung Beispiele aus der Praxis

Streichpreis mit Ersparnis in Euro

Ein Streichpreis allein zeigt, dass etwas reduziert ist. Die Ersparnis als Betrag zeigt, wie viel. Kunden müssen dann nicht rechnen. Das passt zu Test 1 und Test 3. Für den Streichpreis gilt eine feste rechtliche Regel (siehe Grenzen).

Ambiente und Preisniveau

Georg Häusel von der Nymphenburg Gruppe berichtete, dass Probanden denselben Parfumflakon teurer schätzten, wenn der Hintergrund eine Parfümerie zeigte, und günstiger vor einem Discounter-Hintergrund. Wir haben die Studie nicht im Original geprüft. Die Idee ist plausibel. Ein sehr edles Shop-Design kann Preise höher erscheinen lassen, auch wenn sie marktüblich sind. Mehr zu solchen Signalen steht im Artikel zu impliziten Signalen.

Zusatzkosten früh zeigen

Kunden, die Versandkosten und Zuschläge erst im letzten Schritt sehen, erleben sie als Überraschung. Das verstärkt vermutlich den Schmerz des Bezahlens. Wir haben dazu keinen Test in dieser Auswahl. Der Gesamtpreis gehört aus rechtlichen Gründen ohnehin früh in den Kaufprozess.

So setzt du Preiswahrnehmung ein: Checkliste

  1. Kundenproblem prüfen: Können Kunden den Preis nicht einschätzen, oder halten sie ihn für zu hoch, obwohl er marktüblich ist? Dann hilft die Darstellung. Stimmt der Preis selbst nicht, hilft sie nicht.

  2. Mechanismus wählen: Entscheide, ob Ziffer, Qualitätssignal, Darstellung, Zusatzkosten oder Aufteilung dein Problem trifft. Teste pro Variante nur einen Mechanismus.

  3. Ersparnis zeigen: Nenne den Betrag der Ersparnis neben dem Preis. Der Streichpreis muss echt sein.

  4. Gestaltung angleichen: Die Optik des Preises soll zum Markenauftritt passen. Ein edel gesetzter Preis wirkt in einem Discount-Umfeld fremd.

  5. Zusatzkosten früh nennen: Versand, Aufschläge und Gebühren gehören früh sichtbar in den Kaufprozess.

  6. Segmente trennen: Werte Desktop und Mobile getrennt aus. In Test 6 änderte sich auf Mobile nichts, in Test 2 war der Effekt auf Mobile größer.

  7. Bis zur Bestellung messen: Klicks auf Sale-Produkte zeigen Aufmerksamkeit. In Test 3 erreichte sie die Bestellung nicht.

Testidee: Wenn wir neben dem Angebotspreis die Ersparnis in Euro zeigen, dann legen mehr Kunden das Produkt in den Warenkorb, weil sie den Vorteil nicht selbst ausrechnen müssen.

Typische Fehler bei der Preiswahrnehmung

  • Eine neue Darstellung geht ohne Test live. Im Warenkorb eines Sporthändlers sank die Conversion Rate um 2,97 %.

  • Klicks gelten als Erfolg. Das Sale-Badge brachte mehr Klicks und mehr Merkzettel-Einträge, aber keinen Effekt auf den Kauf.

  • Ein knappes Ergebnis wird gefeiert. Bei 91,8 % Konfidenz liegt kein Beleg vor, auch wenn die Zahl nach Gewinn aussieht.

  • Der Wegfall von Zusatzkosten gilt als sicherer Hebel. Ohne PayPal-Aufschlag stiegen die PayPal-Bestellungen, die Bestellungen insgesamt aber nicht.

  • 9er-Preise gelten als Selbstläufer. Die Studienlage erklärt den Effekt. Wie stark er in deinem Shop wirkt, weißt du erst nach einem Test.

  • Die Darstellung soll den Preis retten. Ein falsches Preisniveau gleicht keine Gestaltung aus.

Grenzen, Risiken und Dark Patterns

Die Studien in diesem Artikel stammen überwiegend aus Laborversuchen und aus Restaurantkarten. Ein Labor ist kein Shop. Sie liefern Hypothesen, die du in deinem Shop prüfen musst.

In Deutschland setzt die Preisangabenverordnung (PAngV) Grenzen. Verbraucher müssen den Gesamtpreis sehen, also inklusive Umsatzsteuer und sonstiger Preisbestandteile (§ 3 PAngV). Wirbst du mit einer Preisermäßigung, musst du den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage angeben (§ 11 PAngV). Ein erfundener Streichpreis täuscht Kunden. Das ist keine Rechtsberatung. Lass Preisdarstellungen rechtlich prüfen.

Preisdarstellung wird zum Dark Pattern, wenn sie Kunden täuscht. Das trifft auf Zusatzkosten zu, die erst im letzten Schritt auftauchen, und auf Aufschläge, die als Gebühr getarnt sind. Wo die Grenze zur Manipulation verläuft, beschreibt der Artikel zu Dark Patterns.

Häufige Fragen zur Preispsychologie

Was sind psychologische Preise?

Psychologische Preise sind Preise, deren Höhe oder Darstellung auf die Wahrnehmung der Kunden zielt. Das bekannteste Beispiel ist der 9er-Preis wie 9,99 €. Dazu gehören auch Schwellenpreise knapp unter einer runden Grenze und Preise ohne Währungszeichen. Der Linksziffer-Effekt von Thomas und Morwitz (2005) erklärt, warum sie wirken können. Ob sie in deinem Shop verkaufen, zeigt nur ein Test.

Was ist ein Beispiel für Preiswahrnehmung?

Ein typisches Beispiel ist der Preis 3,99 €. Er wirkt näher an drei als an vier Euro, weil wir die erste Ziffer stärker gewichten. In unserem Test mit einem B2B-Shop stieg die Conversion Rate um bis zu 24,93 %, als wir die Ersparnis deutlich zeigten. Weitere Beispiele stehen im Abschnitt zu den Praxisbeispielen.

Was ist der Unterschied zwischen Preiswahrnehmung und Ankereffekt?

Der Ankereffekt beschreibt, dass die erste genannte Zahl alle späteren Urteile zu sich zieht, etwa ein hoher Streichpreis. Preiswahrnehmung ist weiter gefasst und umfasst auch Ziffern, Gestaltung und Zahlweise. Die Tabelle weiter oben vergleicht beide mit Decoy-Effekt, Framing und Verlustaversion. Der Artikel zum Ankereffekt vertieft den Anker.

Warum funktioniert Preispsychologie manchmal nicht?

Meist fehlt das Kundenproblem. Wenn Kunden den Preis kennen und akzeptieren, ändert eine neue Darstellung wenig. Im Warenkorb eines Sporthändlers sank die Conversion Rate um 2,97 %, möglicherweise weil die Darstellung verwirrte. Außerdem treten Effekte aus Laborstudien nicht automatisch im Shop auf.

Welche drei Arten der Preisbildung gibt es?

Eine einheitliche Dreiteilung gibt es nicht. Am häufigsten nennen Lehrbücher die kostenorientierte, die nachfrageorientierte und die konkurrenzorientierte Preisbildung. Manche Quellen fassen nachfrage-, konkurrenz- und kundenorientierte Preisbildung unter dem Begriff marktorientiert zusammen. Preiswahrnehmung gehört zur Nachfrageseite, weil sie beschreibt, wie Kunden einen Preis erleben.

Welche Methoden gibt es für die Preisgestaltung?

Die Kostenaufschlagsmethode setzt die Kosten plus einen Gewinnzuschlag an. Die wertorientierte Methode folgt der Zahlungsbereitschaft der Kunden. Die wettbewerbsorientierte Methode folgt den Preisen der Konkurrenz. Online kommt die dynamische Preisgestaltung hinzu. Preispsychologie legt keine Preishöhe fest. Sie beeinflusst, wie ein gefundener Preis ankommt.

Welche Faktoren beeinflussen die Preisgestaltung?

Intern zählen die Kosten und die Positionierung. Extern zählen Nachfrage, Wettbewerb und rechtliche Vorgaben wie die PAngV. Bei der Wahrnehmung kommen Ziffern, Darstellung und Zahlweise hinzu.

Weiterlesen

Wie die erste Zahl ein Urteil prägt, beschreibt der Artikel zum Ankereffekt. Wie eine dritte Option die Wahl lenkt, zeigt der Artikel zum Decoy Effect. Warum derselbe Preis je nach Rahmen anders wirkt, erklärt der Artikel zum Framing-Effekt. Warum Verluste schwerer wiegen, steht im Artikel zur Verlustaversion. Wie du vom Kundenproblem zum passenden Pattern kommst, erklärt der Artikel zum Behavior Pattern Model.

Schon gewusst? In unserem kostenlosen E-Mail-Kurs: 6 Schritte zum Behavior-Pattern-Experten lernst du, wie du psychologische Verhaltensmuster erkennst und im Alltag und im Job einsetzt.

Über den Autor und Quellen

André Morys ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der konversionsKRAFT AG. Er arbeitet seit vielen Jahren mit Konsumpsychologie in der Conversion-Optimierung. Die Testergebnisse in diesem Artikel stammen aus dem Testarchiv von konversionsKRAFT. Der Artikel erschien erstmals im Juni 2011 mit Matthias Henrici und wurde im Oktober 2026 vollständig überarbeitet.

  • Thomas, M. & Morwitz, V. G. (2005): Penny Wise and Pound Foolish: The Left-Digit Effect in Price Cognition. Journal of Consumer Research, 32(1), 54–64.

  • Plassmann, H., O'Doherty, J., Shiv, B. & Rangel, A. (2008): Marketing actions can modulate neural representations of experienced pleasantness. Proceedings of the National Academy of Sciences, 105(3), 1050–1054.

  • Prelec, D. & Loewenstein, G. (1998): The Red and the Black: Mental Accounting of Savings and Debt. Marketing Science, 17(1), 4–28.

  • Coulter, K. S. & Coulter, R. A. (2005): Size Does Matter: The Effects of Magnitude Representation Congruency on Price Perceptions and Purchase Likelihood. Journal of Consumer Psychology, 15(1), 64–76.

  • Dehaene, S. (1992): Varieties of numerical abilities. Cognition, 44(1–2), 1–42.

  • Dehaene, S., Spelke, E., Pinel, P., Stanescu, R. & Tsivkin, S. (1999): Sources of mathematical thinking: Behavioral and brain-imaging evidence. Science, 284(5416), 970–974.

  • Yang, S. S., Kimes, S. E. & Sessarego, M. M. (2009): Menu price presentation influences on consumer purchase behavior in restaurants. International Journal of Hospitality Management, 28(1), 157–160.

  • Häusel, H.-G. (2001): Neuromarketing. Sekundärquelle für das Parfum-Beispiel, im Original nicht geprüft.

  • Preisangabenverordnung (PAngV), §§ 3 und 11. gesetze-im-internet.de.