Von Manuel Ressel | Trends | 5 Reaktionen

Eindeutige Positionierung: Single Purpose Websites

Es wird ja immer gepredigt, dass eindeutig positionierte Shops mehr als doppelt so hohe Konversionsraten haben im Vergleich zum Gesamtdurchschnitt. Ein Trend zeichnet sich ab, der es mit der eindeutigen Positionierung nur allzu genau nimmt – und zwar „Single Purpose Websites“.

Also Websites, die nur einen Zweck verfolgen, nur ein Produkt verkaufen, nur eine Dienstleistung anbieten oder nur eine Funktion erfüllen.

Schauen wir uns zunächst mal ein prominentes Beispiel an. Die Seite silverbackapp.com bietet lediglich ein Produkt an und zwar ein Usability-Testing-Tool. Die einzige Funktion der Seite ist es dem Besucher zu zeigen, was das Tool macht und warum der Besucher es benötigt und dem Besucher natürlich ermöglichen es direkt runterzuladen um es zu testen bzw. um es zu kaufen. Hierfür reicht eine einzige Seite!

Silverback
Silverback

Vorteile bringt die Single Purpose Website für jeden – vom Kunden bis zum Betreiber

1. Kunde

Der Kunde muss sich nicht durch ewig lange Seiten wühlen, um dann festzustellen, dass das Angebot nichts für ihn ist. Innerhalb weniger Sekunden ist die Botschaft der Seite und der Funktionsumfang erfasst. Der Besucher kann direkt abwägen, ob das Angebot interessant für ihn ist und weiß sofort, was zu tun ist.

2. Marketer / Texter

Die Konzentration auf eine Sache sorgt dafür, dass man mit wenigen Wörtern wiedergeben kann, um was es geht. Die Botschaft kann leicht und schnell rübergebracht werden. Sprache und Bilder können auf das eine Ziel hin ausgerichtet werden und müssen nicht mehrere Sachen und Zielgruppen gleichzeitig abdecken.

3. Informationsarchitekt / Designer / Entwickler

Die Komplexität großer Websites und Programme kostet jede Menge Zeit für die Konzeption und Umsetzung. Single Purpose Websites sind einfacher gestrickt und lassen sich schneller umsetzen.

4. Analyst

Besucher stöbern auf der Seite ohne wirkliches Ziel oder finden geforderte Informationen nicht und verlassen die Seite wieder. Ein Störungssignal für Analysten welches falsch gedeutet werden kann. Single Purpose Websites reduzieren diese Störung, da der Benutzer direkt weiß, ob das Produkt für Ihn sinnvoll ist oder nicht und dementsprechend sofort die Seite verlässt oder weitere Aktionen auf der Seite ausführt.

5. SEO/SEM Spezialist

Die Kommunikation zum Abschluss ist für den SEM Spezialist auf einer Single Purpose Website deutlich effizienter möglich. Der gesamte Aufbau kann sich nach dem gewünschten Ziel richten und Anzeigen können klarer formuliert werden, als bei großen Portalen, da die Zielgruppe ebenfalls sehr spitz ist.
Für den SEO Spezialist ist die Single Purpose Website jedoch ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite kann man sehr spitz auf Linksuche gehen und bekommt sicher gute themenrelevante Backlinks, auf der anderen Seite wird die Menge der möglichen Inbound-Links immer kleiner je spitzer der Purpose ist.

6. CRO Spezialist

Während bei normalen Seiten komplette Besucherwege getestet und optimiert werden müssen, gibt es hier nur wenige Elemente, Headlines, Formulare, Call to Actions, die getestet werden müssen. Schnell erlangt man hier signifikante Ergebnisse, die die Konversion erhöhen.

7. Betreiber

Der Betreiber muss nicht versuchen die eierlegende Wollmilchsau zu sein und jedem Alles recht machen. Mehr Features und Produkte heißt nicht zwangsläufig einen Mehrwert für den Kunden. Eine größere Auswahl kann die Suche erschweren oder sogar eine Entscheidung für ein Produkt verhindern. Stattdessen sollte man sich auf die Hauptmerkmale konzentrieren und in diesen besser sein als die Konkurrenz. Manchmal ist weniger eben mehr.

Vergleicht man herkömmliche Seiten mit Single Purpose Websites werden die Vorteile deutlich

Yahoo vs. Google

Yahoo
Yahoo
Google
Google

Hauptmerkmal beider Seiten ist die Suchmaschine, wobei beide Unternehmen wesentlich mehr Dienste neben der Suche anbieten. Bei Yahoo geht aufgrund von Überflutung von Diensten und Nachrichten das eigentliche Merkmal die Suche fast schon unter, während bei google die Suche im Vordergrund bleibt und nur dezent auf andere Dienste verwiesen wird.

Opodo vs. Kayak

Opodo
Opodo
Kayak
Kayak

Suchen Sie günstige Flüge? Dann sind sie hier richtig. Kayak stellt die Funktion klar in den Vordergrund. Opodo versucht eher noch mit Teasern und Angeboten den Besucher zu locken. Die Funktion günstige Flüge zu finden, wird erst sehr spät wahrgenommen.

wetter.com vs. Umbrella today?

wetter.com
wetter.com
Umbrella today?
Umbrella today?

Neben dem Wetterbericht deckt wetter.com viele andere Bereiche wie Gesundheit, Reise, Freizeit etc. ab. Dies vermutet man hinter der Domain wahrscheinlich eher weniger. Der Funktionsumfang von umbrella today wird schon durch die Domain erklärt – benötige ich heute einen Regenschirm oder nicht. Ich kann lediglich meine Stadt eingeben und ich erhalte das Ergebnis. Auf Wunsch kann ich mich täglich über Handy oder E-Mail informieren lassen, ob ich einen Schirm benötige oder nicht.

Andere interessante Beispiele:

weshootbottles.com

weshootbottles.com
weshootbottles.com

Auch hier erklärt alleine die Domain schon, was hinter der Seite steckt. Eine derartige Spezialisierung auf Flaschenfotografie lässt jeden Allround-Fotografen alt aussehen. Das Vertrauen in ein erfolgreiches Ergebnis steigt ins Unermessliche – spätestens nachdem man die Referenzen durchgescrollt hat. Falls man doch eher einen Fotografen für Büchsen sucht gibt es gleich noch das passende Pendant weshootcans.com.

Firetask

Firetask
Firetask

Der App Store von Apple bietet mittlerweile jede Menge Apps für das iPhone an. Da kann ein einzelnes App schon mal untergehen. Logische Konsequenz ist es da nur, eine eigene Seite für das App anzulegen. Sofort ist der Sinn des Programms und dessen Funktionen deutlich und man wird direkt zum App Store weitergeleitet, damit man sich das App direkt auf sein iPhone laden kann.

Fazit

Single Purpose Websites weisen viele Vorteile auf. Vor allem die Zeitersparnis für Kunde und Betreiber ist ein wichtiger Faktor. Aber Vorsicht! Dieses Modell eignet sich natürlich nicht für jeden Zweck. Ist das Angebot breiter gefächert, würde diese Art einer Website nicht greifen, da nur ein Bereich hervorgehoben wird und der Rest wahrscheinlich untergeht. Kunden, für die der hervorgehobene Bereich nicht relevant ist, sind dann schnell weg, obwohl man eventuell mit den anderen Bereichen die Wünsche hätte erfüllen können. Single Purpose Websites eigenen sich nur, wenn das Geschäftsmodell sehr produktfokusiert und von der Idee her lediglich einen Zweck erfüllen soll.

Manuel Ressel

Manuel Ressel ist Head of UX Design bei konversionsKRAFT. Seine Leidenschaft gilt dem Thema der Emotionalisierung von Kauf-Prozessen in E-Commerce-Portalen. Manuel Ressel ist unentwegt auf der Suche nach einzigartigen Shop-Perlen und neuen Design Trends im E-Commerce und sammelt diese in dem E-Commerce Showcase conversiondesign.de. Folgen Sie ihm auf Twitter, Google+ oder Facebook.
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5 Reaktionen auf „Eindeutige Positionierung: Single Purpose Websites

  1. von Edelstahlschmuck24.com

    Sind schon lange am überlegen unseren einzelnen Geschäftsbereichen eigene Seiten zukommen zu lassen, ich denke nach Durchsicht dieses Artikels ein absolutes PRO.

    • So ein Schritt muss auf jeden Fall sehr gut überlegt werden. Wenn die Zielgruppe zu sehr auseinander geht, kann so ein Schritt schon sinnvoll sein. Es gibt allerdings auch Punkte, die auf jeden Fall zu bedenken sind bei so einem Cut. Wie werden Bestandskunden abgefangen und auf die richtigen Seiten gelenkt? Wie werden bisherige SEO-Arbeiten gesichert und nicht einfach weggeschmissen? Und noch viele weitere Punkte und Fragen, die geklärt werden müssten…

      • Wir haben bereits angefangen für einzelne Themenbereiche unseres Webshops extra Seiten zu erstellen und diese gesondert zu promoten. Vielen Dank für Ihren Beitrag. Wir werden sicherlich auch fokusierte Artikelseiten testen.

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