Von Matthias Henrici | Hintergründe Theorie | 5 Reaktionen

Konversionskiller Sprache – wie schlechte Übersetzungen deutsche Unternehmen blamieren

„Guten Tag – du wolle uns kennelernen? Wir haben zu machen Konversion-besser eine Blog geschrieben!“

Was wäre wenn wir Sie in Zukunft auf unserem Blog so begrüßen würden? Die „inneren Dialoge“ unserer Blog-Besucher könnte man in diesem Falle ungefähr so beschreiben:

a) Au weia! Ein Blog der ganz sicher von der Nigeria-Connection betrieben wird

b) Die Betreiber haben kein Interesse an internationalen Kontakten, die machen das nur so aus einer Laune heraus

c) Aha, wieder ein Blog „Deutsch-für-Anfänger“

Nicht gut und dennoch Alltag in Deutschland. Englische Übersetzungen deutscher Webseiten führen häufig ein solches Dasein in der Grauzone zwischen sprachlichen Alpträumen und unfreiwilliger Komik.

Nach Friedemann Schultz von Thun wissen wir, dass Kommunikation in mehreren Ebenen funktioniert, dazu gehört eine Sachebene, eine Appell-Ebene, eine Selbstoffenbarung und Beziehungsebene/Beziehungshinweise. Sprache ist das Trägermedium der verschiedenen Ebenen, das „unsachgemäße“ Beherrschen des Trägermediums führt zu einer weiteren Störung der Kommunikationsebenen mit denen Kommunikation per se und alleine schon in der Muttersprache ein komplexes Thema ist. Zwar haben wir in unserer Gesellschaft gelernt, Toleranz gegenüber Nicht-Muttersprachlern zu gewähren, dass gilt aber nicht dort wo Zeit und Muße genug vorhanden wäre, eine adäquate Übersetzung sicherzustellen – z.B in einer Bedienungsanleitung, einem Buch oder einer Internet-/Shop-Seite. Ganz sicher würde die emotionale Signatur, die mit dieser Ansprache mitschwingt, negative, unsichere, zweifelnde Emotionen aufkommen lassen. Die Konsequenz für die Konversion von Besuchern zu Kunden, kann man sich an fünf Fingern ausrechnen.

Was im privaten Rahmen, im persönlichen Gespräch noch durch andere Signale wieder aufgehoben werden kann, funktioniert auf einer englischen Übersetzung z.B. bei einem Maschinenbauer und seiner englischen Website schon nicht mehr. Dort wird aus jedem Lapsus eine Konversionskatastrophe.

Wir haben amerikanischen Sprach- und Übersetzungs-Spezialisten einige bestehende, englischsprachige Webseiten namhafter deutscher Unternehmen (Bereich größerer Mittelstand) vorgelegt und sie in Hinblick auf sprachlich-emotionale Resonanz überprüfen lassen. Heraus kam eine Qualität der Übersetzungen die man wohl im Bereich „unterirdisch“ ansiedeln kann.

Ein kleines Beispiel, gefunden bei einem deutschen Maschinenbauer:

For this training, our technicians will discuss and advice in all questions regarding our services.“

„Advice in all questions“ existiert als Term im Englischen nicht. Allein die Benutzung von „advice“ als Verb ist bereits falsch, wenn dann müsste es  „advise“ heißen.  Übersetzt man den obigen Satz wieder zurück ins Deutsche klingt das etwa so:

„Für dieses Training stehen unsere Techniker für Diskussionen und Anratung bezüglich unserer Dienste zur Verfügung.“

Auf anderen Seiten finden sich sportlich formuliere Sätze wie hier: „We are specialized for construction works and deliever as fast as we can!“  Na denn, hoffentlich geht’s auch wirklich schnell genug.

Ein Hersteller für Stahlmasten wollte wohl ein „prägnantes“ Zeichen setzen und textete: „Our steel power poles are pregnant landmarks in many countries“ Übersetzung: „Unsere Strommasten sind schwangere Markenzeichen in vielen Ländern“

Wie ernst professionelle Übersetzer sich diesem Thema annähern, beschreibt einer der seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland lebenden amerikanischen Übersetzer so: „Ich übersetze gerne und gut vom Deutschen ins Englische. Als Amerikaner ist man natürlich ein „native-speaker“ so dass man die „emotionale Reichhaltigkeit“ seiner Muttersprache beherrscht, aber obwohl man als Übersetzer selbstverständlich auch das Deutsche beherrschen muss, heisst das noch lange nicht, dass es auch vice versa geht. Oft fehlen die letzten 10% emotionale Sprachempathie und das sind vielleicht die entscheidenden 10% die aus einer simplen Übersetzung eine konversionstaugliche Übersetzung machen.

Wir alle lachen über lustige Übersetzungen die man oft in Handbüchern von chinesischen Elektronikartikeln findet. Wer würde denken, dass deutsche, ins Englische übersetzte Webseiten den Angelsachsen fast genauso viel Spass bereiten können? Zur Zeit sammeln wir Beispiele für Web-Übersetzungsfehler, die deutschen Mittelständlern nicht nur die Lead-Konversion verhageln, sondern vielleicht sogar Blamage pur sind. Wer teilnehmen will und ein paar spannende, lustige, grauenvolle Fallbeispiele liefern kann, ist hiermit gerne eingeladen uns daran teilhaben zu lassen 😉

Matthias Henrici

Matthias Henrici ist eCommerce-Mann der ersten Stunde. Bereits Anfang der neunziger Jahre entwickelte er wertschöpfende Multimedia-Projekte u.a. für deutsche und internationale Unternehmen. Seit 11 Jahren lehrt er als Dozent für Usability und Neuro-Marketing an deutschen Hochschulen. Matthias Henrici auf XING
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