Von André Morys | Conversion Optimierung |

Wer kennt den Klondike-Effekt der Conversion-Optimierung?

Vor über hundert Jahren kamen hundertausende Goldgräber in ein schwer zugängliches Gebiet in Nordamerika. Als verarmte und mittellose Einwanderer folgten Sie einer Botschaft: „Gold! Gold! Gold! Gold!“.
Klondike-Effekt der Conversion-OptimierungIm Jahr 1897 berichtete der Seattle-Post-Intelligencer erstmals von spektakulären Goldfunden am Yukon. Nur wenige hundert Männer waren in dem entlegenen Gebiet tätig und konnten erstmals von nennenswerten Funden berichten. Gleichzeitig kamen hunderttausende Einwanderer in Schiffen nach Nordamerika und suchten nach einem besseren Leben und Reichtum. Dies führte zu einem massiven und geschichtsträchtigen Effekt: dem Goldrausch am Yukon.

Graben. Finden. Handeln.

Heute passiert etwas ganz ähnliches. Die Goldsucher sind Portal- und Shop-Betreiber auf der Suche nach neuen Ertragshebeln. Sie sind zwar nicht arm – sie haben aber verstanden, dass auf ihren Seiten ein gigantisches Potenzial schlummert, was nur gehoben werden muss.

Goldsuchen und Conversion-Optimierung finden im Niemandsland unterschiedlicher Fähigkeiten statt. Deshalb stecken Agenturen, Dienstleister und Optimierer ihre Claims ab. Zwischen Web-Marketing, Usability, Frontend, Technologie und User-Experience gibt es eine beinahe gesetzlose Grauzone ohne Zuständigkeiten, die es zu beackern gilt.

Wie lange lohnt es sich, nach Gold zu suchen?

1896, ein Jahr vor dem eigentlichen Goldrausch, entdeckte John McQuesten, dass es sich bald nicht mehr lohnen würde, nach Gold zu suchen. Er beschäftigte sich stattdessen mit Infrastruktur und betrieb z.B. die erste Schiffsverbindung auf dem Yukon-River. Statt im Schlamm zu graben, genoss er mit seiner Familie schon kurze Zeit später den Reichtum im sonnigen kalifornischen San Jose (113 Jahre später übrigens Austragungsort der ersten Conversion Conference).

Noch finden clevere Shop-Betreiber recht leicht die wertvollsten Gold-Nuggets auf dem großen und weiten Feld des E-Commerce. Ein Feld, das vernarbt ist vom explosionsartigen Wachstum der letzten 15 Jahre. Steigerungsraten jenseits der 40% waren ein Nährboden der Mittelmäßigkeit und Dünger für selbstgefällige Lösungen, die es überhaupt nicht nötig hatten sich am Bestmöglichen zu orientieren. Dafür war im Sinne der maximalen Skalierung überhaupt keine Zeit.

Was ist nun der eigentliche Klondike-Effekt?

Nun, es geht um zwei Phasen:

Klondike-Effekt Phase 1: Das erste Nugget der CRO ist schnell gefunden

Die „Gold! Gold! Gold!“-Meldungen von heute heißen „234% Uplift durch eine bessere Landingpage“.

Noch ist alles in Ordnung. Die Nuggets liegen auf der Straße, man muss sie nur aufheben! Auch wenn es nicht Hunderttausende sind – viele folgen dem Ruf. Die John McQuestens dieser Zeit heißen Google Website Optimizer, Vertster, Optimizely, Test & Target, & Co. Die breite Masse stürzt sich systembedingt auf die Stellen, wo schnelle Erfolge mit wenig Aufwand zu erwarten sind – und das ist auch gut so.

Das erklärt, warum Landingpage-Optimierung (im Sinne einer punktuellen Optimierung) derzeit populärer ist als Conversion-Optimierung (die systemische Optimierung des Ganzen). Das macht rein betriebswirtschaftlich auch Sinn – sofern jeder weiß, was ihn in der zweiten Phase Schritt erwartet.

Klondike-Effekt Phase 2: Kaufe ich eine größere Schaufel oder konstruiere ich ein Bergwerk?

Wir stellen uns vor: Die ersten Optimierungs-Projekte waren erfolgreich. Jetzt wird jedes Pixel nach weiteren Optimierungs-Hebeln abgesucht.

Roter oder blauer Button? Links oder rechts? Was kommt danach?

Headline geändert. Klappt nicht.

Mist. Nochmal anders.

Klappt auch nicht. Verd…..!

Von den vielen erfolglosen Optimierungsversuchen, die nach dem ersten Goldfund Uplift kommen, spricht niemand mehr.

Keine Case-Study zeigt die harte Arbeit, die hinter der dritten, vierten, fünften oder zehnten Optimierungsrunde steckt. Erst wenn die Schaufel stumpf und abgenutzt ist, schaut der eine oder andere neidisch auf das Berkwerk, dass der Wettbewerber auf seinem Claim nebenan gebaut hat…

Der Klondike-Effekt:

Am Ende gibt es zwei Gruppen: Schaufel- und Goldminenbesitzer. Worin liegt der Unterschied? Goldminenbesitzer lassen sich nicht von ihrem Glauben beirren. Sie kennen die Realität.

Klondike-Effekt der Conversion-Optimierung

Der Reihe nach:

Es gibt zwei Phasen. Phase 1 heißt: Die erste Freude ist groß – in der ersten Phase stehen Schaufelbesitzer gut da und freuen sich über ihre Funde in Form der anfänglichen „234% Uplift“. Doch langfristig reicht das nicht aus…

In Phase 2 trennt sich die Spreu vom Weizen. Diejenigen, die früh auf den Bau eines effektiven und effizienten „Bergwerks“ (in Form von CRO-Prozessen) gesetzt haben, konnten im Laufe der Zeit ihre Konversionsrate darüber nochmals vervielfachen.

Bei der Conversion-Optimierung und beim Bergbau geht es jeweils darum, in mühevoller Kleinarbeit die richtigen Stellen zum Optimieren bzw. Graben zu finden.

Die Goldminenbesitzer sind es, die am Ende den Markt dominieren.

Fünf Überlebens-Tipps aus dem Klondike-Effekt:

  1. Niemals zu früh freuen: Am Anfang liegen überall Gold-Nuggets herum. Am Anfang.
  2. Nicht Überschätzen: Die Wettbewerber bauen schon längst ein Bergwerk, während Du noch schaufelst.
  3. CRO ist harte Arbeit: Lass‘ Dich nicht von oberflächlichen Cases zum Kauf einer Schaufel verführen.
  4. Radikal denken: Wer gar nicht gräbt, hat schon verloren. Und:
  5. Bau‘ ein Bergwerk! CRO ist eine langfristige Investition, bei der es um die Effizienz und Effektivität von Prozessen geht.

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André Morys

André Morys ist Gründer und Vorstand von konversionsKRAFT und beschäftigt sich seit 1996 mit der Conversion Optimierung von Websites und Onlineshops. André Morys ist Dozent für User Experience an der TH Mittelhessen und Autor des Fachbuchs "Conversion Optimierung". Er ist häufiger Sprecher und Moderator auf Konferenzen.
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1 Reaktion auf „Wer kennt den Klondike-Effekt der Conversion-Optimierung?

  1. Schöner Text, dieser Vergleich mit den Goldgräbern. Mal sehen, was ich so alles mit der Schaufel mache 🙂