Von Danny Nauth | Tipps | 4 Reaktionen

5 Tipps für eine perfekte Vorbereitung beim Usability Testing

Websites zu optimieren ist eine Kunst, die sich in vielen Facetten präsentiert. Usability Testing ist dabei nur eine von Vielen. Allerdings ergeben sich auch dabei Hindernisse und Stolpersteine.
Um diese zu vermeiden, möchte ich Ihnen in dieser Blog-Reihe einen Leitfaden an die Hand geben, mit dem sowohl Einsteigertests als auch umfangreiche Testkonstruktionen sicher durchgeführt werden können.

Es stellt sich jedoch zunächst die Frage: Welchen Nutzen haben Usability Tests eigentlich?

Die klaren Vorteile des Usability Testings bestehen darin, dass es eine sehr effiziente und intensive Testmethode zur Gestaltung nutzerfreundlicher Websites darstellt. Darüber hinaus schafft es zum einen tiefe Erkenntnisse sowohl quantitativer, als auch qualitativer Natur. Zum anderen erhält man ein direktes Feedback der tatsächlichen Nutzer einer Website.

Neben diesen Vorteilen gilt es allerdings auch zu beachten, dass wirklich wertvolle Ergebnisse auf qualitativer Ebene nur dann erzielt werden können, wenn auch verhaltenspsychologische Aspekte fest im Testing verankert sind.

Näheres dazu finden Sie hier.

Möchte man nun mit dem Usability Testing starten, ist die Vorbereitung eine der wichtigsten Aufgaben, denn sie bildet die Grundlage des gesamten weiteren Vorgehens und stellt den Erhalt von aussagekräftigen Testergebnissen sicher. Dabei sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

1. Das Festlegen der Zielsetzungen und Fragestellungen des Tests

Zu allererst sollte geklärt werden, was überhaupt Sinn und Zweck der Untersuchung ist; sprich, welches Ziel wird mit dem Test verfolgt?

Aus der festgelegten Zielsetzung lassen sich dann die entsprechenden Fragestellungen ableiten, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll. Wichtig dabei ist, darauf zu achten, dass das Ziel messbar und anhand von Key Performance Indicators (KPI) belegbar ist, um so, nach Erhalt valider Ergebnisse, Aussagen über den Erfolg bzw. Misserfolg des Tests treffen zu können.

Ein Beispiel:

Ziel: Steigerung der Newsletter Anmeldungen
Fragestellung: Wie spreche ich meine Kunden am besten an, um die Anmeldungen zu steigern?
KPI: Erfolgreich abgeschlossene Anmeldungen

2. Die Bestimmung eines Testmoderators

Da dieser Punkt allein einen ganzen Post füllen würde, halte ich mich hier kurz.

Die Rolle des Testmoderators ist sehr wichtig, weil er zum einen für die ganze Testabwicklung verantwortlich ist, sprich Führungs- und Organisationstalent besitzen sollte, und zum anderen sämtliche administrativen Aufgaben bewältigen muss.

D.h. über das Wissen und den Umgang mit den benötigten Geräten und der Software hinaus, sollte er auch über gute Fähigkeiten im Umgang mit Menschen haben, sowie flexibel sein und sich mit Konsum- und Verhaltenspsychologie auskennen.

Besonders wichtig ist, dass der Testmoderator neutral gegenüber dem Unternehmen oder der Einrichtung ist, für welche getestet wird, damit eine Verfälschung der Ergebnisse durch subjektive Empfindungen vermieden wird!

3. Die Entwicklung eines Testplans

Die wertvollen Erkenntnisse aus dem Usability Test, ist Ihr Goldschatz.
Die wertvollen Erkenntnisse aus dem Usability Test, ist Ihr Goldschatz.

Jeder Usability Test sollte einem Testplan folgen. Dieser stellt quasi eine Schatzkarte dar, die zum heiß ersehnten Gold führt, den Erkenntnissen.

Er beantwortet folgende Fragen:

  • Warum wird getestet? (Umsatzsteigerung, Leadgenerierung, etc.)
  • Wie wird getestet? (Remote Testing, Rapid Prototyping, Eyetracking, etc.)
  • An welcher Stelle wird getestet? (Landingpage, Antragsstrecke, Checkout, etc.)
  • Was wird getestet? (Call-To-Actions, Formularfelder, Grafiken, etc.)
  • Wann wird getestet? (Zeitraum mit/ohne Sonderaktionen, Haupt-/Nebenverkaufszeit, etc.)

Einer der häufigsten Fehler ist, dass die Testverantwortlichen den Testablauf lediglich im Kopf haben und glauben, diesen nicht dokumentieren zu müssen. So verirren Sie sich auf der Suche nach dem Gold und finden es so vielleicht nie.

Der Vorteil eines Testplans liegt also darin den genauen Ablauf festzuhalten, nach dem sich alle Beteiligten richten können. Darüber hinaus enthält er alle nötigten Ressourcen, sowohl interne (z.B. Personal) als auch externe (z.B. Probanden).

4. Die Wahl einer geeigneten Testumgebung

Die Wahl der Testumgebung hängt mit der Frage zusammen: Welches Szenario möchte ich testen und wie nahe möchte ich die Testteilnehmer an dieses Szenario heranbringen? Natürlich spielen dabei auch Aufwand und Kosten eine Rolle.

So kann aufwändig in Live-Umgebungen getestet werden, z.B. die Verwendung von Smartphones unterwegs im alltäglichen Gebrauch, oder einfach ein Szenario in einem Testlabor nachgestellt werden.

Es sollte allerdings immer versucht werden, so nah wie möglich am tatsächlichen Szenario zu testen, um möglichst authentische Ergebnisse zu erhalten mit Blick auf das Kosten-Nutzen Verhältnis.

5. Die Rekrutierung von Testteilnehmern

Bei der Wahl der Teilnehmer sollte man sich an Marktforschungsagenturen wenden. Diese Agenturen haben sich darauf spezialisiert und verwalten in der Regel große Datenbanken mit unterschiedlichsten Zielgruppen.

Wer dies allerdings gern selbst in die Hand nimmt, der sollte ein sog. Benutzerprofil der gewünschten Zielgruppe anlegen, welches folgende Punkte enthält:

  • das relevante Verhalten der Nutzer wie das Such- und Kaufverhalten im Web
  • den Grad der Internetaffinität der Nutzer und
  • das Wissen der Nutzergruppe über das Angebot bzw. dem Service

Bei dem Benutzerprofil ist darauf zu achten, dass dieses immer auf den Endkunden abgestimmt ist.
In diesem Zusammenhang wäre es wahrscheinlich eine suboptimale Lösung, Tampon-Werbung für Männer als Zielgruppe zu verproben.

Es ist wichtig das Benutzerprofil auf die richtige Zielgruppe abzustimmen.
Es ist wichtig das Benutzerprofil auf die richtige Zielgruppe abzustimmen.

Checkliste: Vorbereitung

  • Zielsetzung: Zu allererst bestimmen Sie die Ziele, die mit dem Test verfolgt werden.
  • Testmoderator: Geben Sie hier besonders acht, es wird ein Allrounder benötigt, der ein breites Spektrum an Fähigkeiten abdeckt.
  • Testplan: Sie fertigen einen Testplan an, in dem festgehalten wird Was, Wie, Wo, Wann und Warum gemacht wird.
  • Testumgebung: Entscheiden Sie sich für eine möglichst authentische Testumgebung, die optimal für Ihr Kosten-Nutzen Verhältnis ist.
  • Teilnehmer: Erstellen Sie ein Benutzerprofil für Ihre zu testende Zielgruppe und seien Sie dabei möglichst nahe am typischen Nutzer ihrer Seite.

Fazit

Eine gute Vorbereitung ist Ihre Rückversicherung über den kompletten Testablauf. Dabei ist es wichtig, alle grundlegenden Faktoren festzulegen und diese gut zu dokumentieren. Hier werden auch viele Dinge bestimmt, die Sie für weitere Tests wieder verwenden können, wie beispielsweise das Benutzerprofil Ihrer Zielgruppe.

Wenn Sie die oben genannten 5 Punkte berücksichtigen, haben Sie eine solide Basis geschaffen, auf deren Sie zu jeder Zeit weitere Tests durchführen können und müssen nicht jedes Mal das Rad neu erfinden. Somit sparen Sie sich nicht nur Zeit, Geld und Ressourcen, sondern auch das Risiko, keine oder im schlimmsten Fall falsche Erkenntnisse zu erhalten.

Im nächsten Teil dieser Blog-Serie wird die Durchführung, sowie die Auswertung und Interpretation eines Tests vorgestellt.

Wie sind Ihre Erfahrungen bei der Vorbereitung von Usability Tests und wie gehen Sie dabei vor?

Ich freue mich sehr über Ihre Kommentare und Anregungen.

Danny Nauth

Als Senior Conversion Architect setzt sich Danny Nauth mit der Optimierung von Websites und Shop-Systemen auseinander. Neben der strategischen Planung und Konzeption dieser Optimierungen, beschäftigt er sich ebenfalls intensiv mit den psychologischen Aspekten des Neuromarketings, die er in seine tägliche Arbeit integriert. Folgen Sie im auf Twitter oder vernetzen Sie sich auf Xing.
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    4 Reaktionen auf „5 Tipps für eine perfekte Vorbereitung beim Usability Testing

    1. Ein guter Testplan ist ohne Frage die halbe Miete. Einmal ordentlich ausgearbeitet, kann er immer wieder als Vorlage für weitere Tests dienen.

      Was in diesem sonst sehr schönen Beitrag in meinen Augen zu kurz kommt, ist der zeitliche Aspekt des Usability-Testings. Es könnte der Eindruck entstehen, dass Usability- Testing eine sehr zeitintensive Geschichte ist – was sie natürlich auch sein kann. Man muss hier aber deutlich zwischen Labortest und Remote Usability Test unterscheiden. Während ein Labortest mit Rekrutierung der Probanden, Durchführung und Auswertung im Zeitraum von mehreren Wochen anzusiedeln ist, besteht der Vorteil von Remote Usability Test darin, das Ergebnis bereits binnen weniger Tage zu haben.

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