Von André Morys | Hintergründe | 12 Reaktionen

Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

(über alte und neue Strategien im Online-Marketing)

In letzter Zeit haben Fische immer weniger Lust auf Köder. Man könnte meinen, der Fisch sei satt geworden. Die Aufmerksamkeit der Fische beim täglichen Informationskonsum sinkt immer weiter. Die Fische scheinen sogar besonders auffällig gestaltete Köder völlig zu ignorieren. Das Wettrüsten geht in eine neue Runde. Zum Glück haben ein paar tüchtige Angler-Profis neue High-Tech-Köder entwickelt um das Problem zu lösen. Hier sind fünf Tipps für mehr Angel-Spaß 🙂

  1. Werfen Sie einfach mehr Köder ins Wasser

    Es ist ja nahe liegend: Wenn die Fische weniger gut anbeißen, müssen wir einfach mehr Köder ins Wasser werfen. Das ist im gleichen Atemzug gut für die heimische Köderindustrie – die sich gerne in Form bunt leuchtender Messestände und leicht bekleideter Hostessen bei den Kunden auf der jährlichen Köder-Leitmesse KMEXCO bedankt.
  2. Verwenden Sie auffälligere Köder

    „Dieser Köder legt sich einfach über die natürliche Nahrung des Fischs. Er kommt quasi nicht mehr am Köder vorbei.“ Wer es leistungsfähiger mag der setzt auf moderne Köderformen. Ohne Köderkonsum wird der Fisch sein Video einfach nicht sehen können – da muss er doch anbeißen. Erste Zweifel an dieser Form keimen auf. Es soll Fische geben, die Orte mit solchen Ködern komplett meiden…

  3. Investieren Sie in intelligente Behavioural- oder Re-Targeting-Köder

    Da Fische immer häufiger nicht anbeißen gibt es nun intelligente Köder. Sie merken sich, wo der Fisch entlang schwimmt und entwickeln eigenständig eine Strategie, wo sie dem Fisch am besten auflauern sollten. Die fortschrittlichsten dieser modernen Wunderwaffen warten auf einen unbemerkten Moment und warten auch Tage später noch auf den Fisch. „Unsere Teiche reden miteinander. Wir kennen jeden einzelnen Fisch beinahe persönlich!“ sagt ein CEO eines großen Angler-Reviers.

    Viele Angler sind von so viel High-Tech schier begeistert… „Ich liebe den XC9000 Köder. Etwas anderes kommt für uns nicht in Frage!“ sagt der Marketingleiter eines bekannten Angel-Imperiums.

  4. Testen Sie alle Kombinationen von Ködern vollautomatisch

    Das Messen der Köder-Wirksamkeit ist zum Glück inzwischen weit verbreitet. Das verhindert, dass ineffiziente Köder zum Einsatz kommen. Einigen Tüftlern ist es gelungen Köder zu entwickeln, die aus allen Köder-Kombinationen (z.B. gelb-rot-blau mit Feder oder grün-schwarz-grün mit Wurm) die beste herausfindet. Es ist ganz erstaunlich: Im Vergleich zum schlecht laufenden schwarzem Wurm-Imitat konnte eine Kombination aus rot-schwarzem Köder mit rosa Wurm eine Verbesserung von 500% erzielen.

    Bonus-Methode:

  5. Den Fischen E-Mails schreiben, dass sie doch bitte die Köder fressen sollen

    „Wenn die Fische nicht zu uns kommen, dann kommen wir halt zu Ihnen!“ – so lautet die neue Devise vieler Angler. Beinahe täglich informieren sie ihre Fische im Teich über neue attraktive Köder-Angebote. „Wir kombinieren diese Methode mit Strategie Nummer 1. Irgendwann beißt schon jemand an.“ Leider erschweren Naturschutz-Behörden immer mehr den Versand der Köder-E-Mails weshalb immer raffiniertere Methoden zum Einsatz kommen müssen.

Eine Geschichte erzählt man sich:

Es soll einige verrückte Angel-Forscher mit einen wahnsinnigen Plan geben. Sie fragen die Fische, wie ein Köder schmecken müsste und untersuchen die Grundprinzipien des Geschmackssinns der Fische. Diese Leute haben herausgefunden: Am liebsten essen Fische den rot-schwarzen Köder mit Wurm. Wenn der Wurm sich auch noch ein wenig bewegt, sei er am interessantesten. Das hatte man beim automatischen Testen der Köder-Kombinationen nicht herausfinden können, weil niemand auf die Idee gekommen war.

Noch verrückter: Einige Angler sollen dazu über gegangen sein den Fischen überhaupt keine Köder mehr vor zu setzen. Sie füttern sie statt dessen kostenlos. „Unsere Fische lieben uns, weil wir sie versorgen und gut behandeln“ erzählt einer der Vorreiter dieser „neumodischen Methode“.

„Hoffentlich werden die Fische nicht noch schlauer“ gesteht indes ein Vertreter der Köderindustrie seine Ängste hinter vorgehaltener Hand.

Ein Ende des Wettrüstens zwischen Fischen und Köderindustrie ist nicht in Sicht.

Die Zukunft des Angelns bleibt also spannend.

André Morys

André Morys ist Gründer und Vorstand von konversionsKRAFT und beschäftigt sich seit 1996 mit der Conversion Optimierung von Websites und Onlineshops. André Morys ist Dozent für User Experience an der TH Mittelhessen und Autor des Fachbuchs "Conversion Optimierung". Er ist häufiger Sprecher und Moderator auf Konferenzen.
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12 Reaktionen auf „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

  1. Hallo Herr Morys, vielen Dank für diesen amüsanten Beitrag. Ironie und Spaß gebündelt mit Fachwissen. Wirklich gut gelungen und wir geben das mit viel Freude als Linktipp weiter :-).

    • Hallo Herr Morys, es ist doch immer wieder ein erfrischender Ausflug in Ihren Blog!
      Herzliche Grüße,
      Markus Kehrer

      • Klar, es geht um´s Fischen. Aber wer erzählt mal was über Gräten? Das Problem am Angeln ist ja nicht nur das Herausholen des Fisches sondern die nachträgliche Verarbeitung. Auch wenn sicherlich durch Optimierung der Köder viele Fische gefangen werden können – was ja erstmal prima ist -, muss ich danach doch auch etwas aus diesen machen. Die Fischnacharbeitung, also das Ausnehmen, braten und schließlich das Essen, bedarf eines zeitlichen Aufwandes, der am Ende mit eingerechnet werden muss. Als guter Angler weiß ich, dass ich langsam über mich hinaus wachsen muss. Angle ich zuviele, werde ich es kaum schaffen, den Fisch noch zu essen. Mir bleiben durch gieriges Schlingen oft Gräten im Hals hängen, was wiederum im schlimmsten Falle zum Tode führen kann. OK, das ist sicherlich ein wenig drastisch formuliert. Aber wie gesagt: Bedenkt die Nacharbeitungszeit für den Fischfang.

        • Gräten sind ja fast einen eigenen Artikel wert… ganz zu schweigen von Fischerbooten, Harpunen, Sportfischen. Und was ist mit Aquarien?

          • Wirklich sehr schöner Artikel und hervorragend zweideutig. =D

            • … Und was ist, wenn wir annehmen, daß der Angler keinen Fisch mag?….

              • Dann sollte er nicht seine Zeit mit Angeln verschwenden…:-)

                • Ich seh vor lauter Wasser die Fische nicht mehr:) Oftmals ist es ja auch einfach ein Fischen im Trüben, so ich wie das sehe. Sind denn überhaupt Fische da?
                  Weil ja nunmal Köder nicht gleich Köder ist.

                  Aber mal im Ernst: Viele verkaufen nunmal auch den Bohrer und nicht die Löcher. Das geht den Fischen dann auch dermaßen auf die Nerven, dass die Adblindness immer weiter zunimmt.

                  Bisschen mehr Aufwand in die Analyse und man kann dem Fisch einen attraktiven Köder bieten.

                  • Kartoffeln wurden früher benutzt um auf Karpfen zu fischen. Funktioniert heute immernoch hervorragend, auch wenn es Hightech-Köder gibt.

                    Aber davon abgesehen, hat man früher auch mit einem Stipprute geangelt – also ein Stock mit einer Schnur dran. Wenn man dann mal eine Carbonrute mit Multirolle in der Hand gehabt hat, möchte man die auch nicht mehr tauschen.

                    Die größten Fische sind zudem die Ältesten – die gehen auch nur selten an die Angel – da muss man schon Köderfische einsetzen und zuvor anfüttern.

                    • Wirklich genial, Danke!

                      • Vielen dank für die tollen Informationen. Ich als Frau Angel auch ziemlich gern nur leider konnte ich bis jetzt noch keinen großen Fisch fangen.
                        Gruß Anna

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